
© Marie-Christine Andres
Ein Zugang zur inneren Welt
Der Fantasyroman «Das Vermächtnis von Astaba» von Vanessa Glässel Basso ermutigt, der Mystik nachzuspüren
Ein Einschnitt in ihrem Leben führte Vanessa Glässel Basso aus Holderbank auf den Jakobsweg. In Ruhe und Alleinsein fand sie wieder Zugang zu ihrer inneren Welt und begann die Arbeit an der Romantrilogie «Das Vermächtnis von Astaba». Mit ihrer mystischen Geschichte will sie Leserinnen und Leser dazu ermutigen, der Mystik nachzuspüren, die aus dem Glauben erwachsen kann.
Frau Glässel, was hat Sie zur Handlung Ihres Romans inspiriert?
Vanessa Glässel Basso: Die Bibel hat mich von Anfang an inspiriert. Für mich ist die Bibel Wahrheit. Und der Glaube ist nichts, das sich vom übrigen Leben trennen lässt. Er schwingt in allem mit – in unseren Entscheidungen, unseren Begegnungen, in Freude und Zweifel, manchmal deutlich spürbar und manchmal ganz leise. Etwas von dem weiterzugeben, was ich darin selbst entdecke, ist mir ein Herzensanliegen. Es ist aber eine Gratwanderung, den Menschen die Bibel näher zu bringen, ohne dabei allzu missionarisch zu wirken. Zuerst plante ich, ein Sachbuch zu schreiben, eine Art Dialog zwischen zwei Figuren. Die Figuren haben sich aber weiterentwickelt. Einerseits wäre ein Sachbuch dieser Entwicklung nicht gerecht geworden, andererseits kam es mir nicht redlich vor, als Nicht-Theologin ein Sachbuch über die Bibel zu schreiben.

Die Autorin Vanessa Glässel Basso arbeitet als Berufsschul- und Gymnasiallehrerin, engagiert sich als Pfarreipräsidentin in der Kirche Wildegg, ist verheiratet und Mutter von drei Kindern.
Warum eignet sich ein Fantasyroman für dieses Thema?
Ich glaube, Fantasy macht es den Lesenden leichter, sich mit den Heldinnen und Helden zu identifizieren. Denn manchmal ist es unglaublich schwer, in Worte zu fassen, was man tief in sich selbst spürt. Mir ist wichtig weiterzugeben, dass Religion und Glaube zugänglicher sind als viele denken. Herausfordernd wird es erst, wenn man beginnt, das Gelesene auf sich selbst zu beziehen.
Der christliche Glaube spielt zwischen den Zeilen eine wichtige Rolle. Welche Rolle spielt der Glaube in Ihrem Leben?
Mein Glaube gibt mir Halt. Ich fühle mich durch ihn geführt und getragen – gerade auch in schwierigen Momenten. Deshalb fliesst er ganz natürlich in mein Werk ein, nicht als Predigt, sondern als Fundament.
Sie schreiben seit Ihrer Jugend gerne. Was gab den Anstoss, jetzt einen Roman zu schreiben?
Den Anstoss gab ein Einschnitt in meinem Leben. Als ich vor zwei Jahren meine Stelle verlor, hat mich das zunächst aus der gewohnten Bahn geworfen. Ich ging dann auf den Jakobsweg und pilgerte von Porto nach Santiago de Compostela. Zum ersten Mal seit 20 Jahren war ich wieder einmal ganz für mich allein. Diese Ruhe und Stille abseits von allem Gewohnten haben mich wieder zu mir selbst geführt. Ich begann, wieder auf mich selbst zu hören, schrieb Tagebuch und machte mir viele Gedanken. Auf dem Jakobsweg habe ich gemerkt, wie sehr mir diese Stille gefehlt hatte. Gleichzeitig beschäftigt mich die Frage, wohin uns dieses immer schneller werdende Zeitalter führt. Was dies mit unseren Kindern, mit der nächsten Generation macht. Wir bewegen uns oft auf der Oberfläche und finden nur schwer den tieferen Zugang zu uns selbst und unseren Mitmenschen. Mein Roman lädt dazu ein, wieder etwas tiefer zu schauen und sich mit Spiritualität auseinanderzusetzen.
An wen richtet sich «Das Vermächtnis von Astaba»?
An unser inneres Kind – an den Teil in uns, der noch staunen kann, der neugierig ist und sich berühren lässt. Es ist kein Kinderbuch, sondern enthält Zwischentöne, die den Reiz der Geschichte ausmachen. Einige lesen das Buch in einem Rutsch, andere nehmen sich viel Zeit dafür.
Verlosung
«Lichtblick» verlost zwei von der Autorin signierte Exemplare des Romans. Um teilzunehmen, schicken Sie bis am 16. September 2026 ein E‑Mail mit Ihrer Adresse und dem Stichwort «Astaba» an
«Das Vermächtnis von Astaba», erhältlich im Buchhandel, als Taschenbuch oder Hardcover. ISBN: 978–3‑9526340–1‑1
Einen Roman zu veröffentlichen, ist ein Weg mit Hindernissen. Was raten Sie jemandem, der das in Angriff nehmen möchte?
Dranbleiben und sich nicht entmutigen lassen! Jeden Gedanken festhalten, Stift und Notizbuch stets griffbereit haben und alles aufschreiben – ohne Rücksicht auf Schreibfehler oder die logische Reihenfolge. Ich habe immer mal wieder eine Seite geschrieben, geordnet haben sich die einzelnen Seiten dann fast von selbst. Bei der Suche nach einem Verlag habe ich unzählige Agenturen angeschrieben. Es gab viele Absagen und Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob ich weitermachen soll. Aber ich wollte diese Geschichte unbedingt in die Welt bringen und habe schliesslich meinen eigenen Verlag gegründet.
Was nehmen Sie persönlich mit aus diesem Prozess?
Ich habe vor allem gelernt, loszulassen und dem Prozess zu vertrauen. Sowohl im Leben als auch im Schreiben. Als die Lektorin, eine Theologin, mit mir das Manuskript besprach, erlangte der Leitsatz «Kill your darlings!» ganz neue Bedeutung. Es tat weh, ganze Passagen zu streichen, an denen ich lange gearbeitet hatte und die mir ans Herz gewachsen waren. Aber ich habe gelernt, dass nicht alles, was mir als Autorin lieb ist, für die Geschichte notwendig ist. Es geht darum, nur das Wesentliche stehen zu lassen. Und darum, den Leserinnen und Lesern zuzutrauen, dass sie – wie Bibellesende – ihren eigenen Zugang zum Text finden. Vielleicht ist das sogar eine der wichtigsten Erfahrungen dieser Reise.