«Wer sich bewegt, kann Zukunft mitgestalten»
Pater Martin Werlens engagierter Vortrag bewegte die Synodalen im Grossratssaal in Aarau zu einer Standing Ovation.
© Jeannette Häsler Daffré

«Wer sich bewegt, kann Zukunft mitgestalten»

Die Frühlingssynode der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau schaute nach Zürich, nach Wislikofen und in die Zukunft der Kirche

Am Mittwoch, 10. Juni 2026, kam das Par­la­ment der Römisch-Katholis­chen Kirche zur Früh­lingssyn­ode im Aar­gau zusam­men. Im ersten Teil beein­druck­te Pater Mar­tin Werlen, ehe­ma­liger Abt des Klosters Ein­siedeln, mit einem pas­toralen Blick auf die Kirche der Zukun­ft. Zudem waren Vertreterin­nen und Vertreter der Zürcher Syn­ode, des Syn­odal­rats und des Gen­er­alvikari­ats zu Gast.

«Es bewegt sich viel. Per­son­ell, organ­isatorisch, strate­gisch und auch in den Kirchge­mein­den. Nicht alles ist ein­fach. Aber vieles ist notwendig, damit unsere Lan­deskirche hand­lungs­fähig bleibt und ihre Auf­gabe weit­er­hin glaub­würdig erfüllen kann», sagte Kirchen­rat­spräsi­dent Pas­cal M. Gre­gor im Laufe der Syn­oden­sitzung.

Der Jahres­bericht 2025 der Römisch-Katholis­chen Kirche im Aar­gau ste­ht unter dem Mot­to «Im Wan­del getra­gen» und blickt auf ein Jahr zurück, das stark von finanziellen, struk­turellen und strate­gis­chen Fra­gen geprägt war. Mit dem Pro­jekt «Fit für die Zukun­ft – Vision 2045 und Strate­gie der Römisch-Katholis­chen Kirche im Aar­gau» hat die Lan­deskirche einen wichti­gen Prozess angestossen, um die Lan­deskirche langfristig hand­lungs­fähig, glaub­würdig und wirk­sam zu hal­ten.

Das Kirchen­par­la­ment der Römisch-Katholis­chen Kirche im Aar­gau genehmigte an der Sitzung vom 10. Juni den Jahres­bericht 2025 und die Jahres­rech­nung 2025. Die Jahres­rech­nung 2025 schliesst mit einem Ertragsüber­schuss von CHF 44’047.07 ab. Bud­getiert war ein Aufwandüber­schuss von CHF 635’121.–. Das bessere Ergeb­nis ist unter anderem auf tief­ere Per­son­alkosten auf­grund von Vakanzen, bere­its wirk­sam gewor­dene Spar­mass­nah­men sowie eine pos­i­tive Entwick­lung des betrieblichen Ertrags, unter anderem in der Prop­stei Wis­likofen, zurück­zuführen. Gle­ichzeit­ig wurde deut­lich, dass die finanziellen Her­aus­forderun­gen damit nicht ver­schwun­den sind. Die langfristige Sicherung kirch­lich­er Leis­tun­gen bleibt eine zen­trale Auf­gabe.

Kirchen­rat­spräsi­dent Pas­cal M. Gre­gor ord­nete den Jahres­bericht in den laufend­en Verän­derung­sprozess ein: «Der Wan­del ist nicht ein­fach ein Pro­gramm, son­dern längst Real­ität. Entschei­dend ist, dass wir ihn nicht nur ver­wal­ten, son­dern gestal­ten – im Dia­log mit den Kirchge­mein­den, der Syn­ode, dem Bis­tum und allen, die Kirche im Aar­gau tra­gen.» Die Syn­ode habe mit der Genehmi­gung des Jahres­berichts und der Rech­nung auch das Sig­nal geset­zt, diesen Weg ver­ant­wor­tungsvoll weit­erzuge­hen.

Als Gäste nah­men Mit­glieder der Syn­ode, des Syn­odal­rats und des Gen­er­alvikari­ats aus dem Kan­ton Zürich an der Sitzung teil. Syn­oden­präsi­dent Gui­do Egli richtete ein Gruss­wort an die Aar­gauer Syn­odalen. Der Besuch unter­strich die Verbindung über Kan­tons- und Kirchen­struk­turen hin­weg und machte sicht­bar, dass viele Fra­gen der kirch­lichen Zukun­ft nicht isoliert, son­dern im gemein­samen Ler­nen und Aus­tauschen ange­gan­gen wer­den müssen.

Pater Mar­tin Werlen: «Baustellen der Hoff­nung»

Im ersten Teil sprach Pater Mar­tin Werlen OSB, Propst der Prop­stei St. Gerold und emer­i­tiert­er Abt des Klosters Ein­siedeln, zum The­ma «Kirche der Zukun­ft». Sein berühren­des Refer­at stand im Zeichen der «Baustellen der Hoff­nung» und ermutigte dazu, das Leben und die Zukun­ft der Kirche aktiv anzu­pack­en. Er wün­sche sich eine Kirche, die nahe bei den Men­schen ist, zuhört, hin­schaut und sich nicht um sich selb­st dreht. Er wandte sich entsch­ieden gegen eine Kirche, die ihre Macht­struk­turen und ver­al­teten Tra­di­tio­nen pflegt, statt zu zeigen, dass Gott Men­sch gewor­den ist. Die Syn­odalen reagierten mit gross­er Res­o­nanz: Erst­mals in der Aar­gauer Syn­ode gab es zum Schluss eine Stand­ing Ova­tion.

Das Refer­at schlug zugle­ich eine Brücke zum Aar­gauer Kloster­jahr 2027 und zum 50‑jährigen Jubiläum der Prop­stei Wis­likofen als Bil­dung­shaus und Sem­i­narho­tel der Römisch-Katholis­chen Kirche im Aar­gau. Pater Mar­tin Werlen wird am Fre­itag, 12. Juni 2026, von 17 bis 20 Uhr beim Aben­dan­lass «Kirche umgekehrt» in der Prop­stei Wis­likofen referieren. Am Son­ntag, 14. Juni 2026, lädt die Prop­stei von 11 bis 17 Uhr zum grossen Tag der offe­nen Tür mit einem Jubiläums­fest für alle Gen­er­a­tio­nen ein. Zuvor find­et um 10 Uhr der Fest­gottes­di­enst statt.

Neue Inpflicht­nahme und Ergänzungswahlen

Die Syn­ode vali­dierte zudem die Ergänzungswahlen von zwei Mit­gliedern. Ein weit­eres Geschäft betraf die neue Form der Inpflicht­nahme von Behör­den­mit­gliedern. Über die For­mulierung der Gelöb­n­is­formel wurde inten­siv disku­tiert, unter anderem auf­grund eines Antrags aus der Vorsyn­ode der Region Freiamt sowie mehrerer Änderungsanträge aus der Syn­ode. Am Ende fol­gten die Syn­odalen mehrheitlich dem Antrag des Kirchen­rats und genehmigten die von ihm vorgeschla­gene For­mulierung. Die Inpflicht­nahme schafft eine zeit­gemässe und verbindliche Grund­lage für die Behör­denar­beit in der Lan­deskirche.

Mit­teilun­gen des Bis­tumsvikari­ats und des Kirchen­rats

Anto­nia Hasler, Vertreterin des Bis­tumsvikari­ats St. Urs, informierte über den Syn­odalen Prozess im Bis­tum Basel und über einen per­son­ellen Wech­sel in der Bis­tum­sleitung. Dr. Markus Thürig, der 2011 zeit­gle­ich mit Bischof Felix Gmür im Bis­tum Basel begonnen hat­te, wird pen­sion­iert. Seine Nach­folge übern­immt Dr. Rue­di Heim.

Der Kirchen­rat informierte die Syn­ode zudem über den Stand des geplanten «Zen­trums für Kirch­liche Arbeit und Entwick­lung». Die neue Organ­i­sa­tion­sein­heit soll per 1. Jan­u­ar 2027 starten und die Ange­bote der Fach­stellen Diakonie, Bil­dung und Prop­stei, Kat­e­ch­ese-Medi­en sowie Jugend und junge Erwach­sene zusam­men­führen. Das Zen­trum soll Kom­pe­ten­zen bün­deln, kirch­liche Arbeit in Pfar­reien, Pas­toral­räu­men und Kirchge­mein­den part­ner­schaftlich unter­stützen und Entwick­lung­sprozesse stärken. Alle bish­eri­gen Mitar­bei­t­en­den der vier Fach­stellen wer­den im Zen­trum weit­erbeschäftigt; es kommt zu keinen Ent­las­sun­gen.

Weit­er informierte der Kirchen­rat über die Gesamterneuerungswahlen im Herb­st dieses Jahres. Dann wer­den alle Mit­glieder der Mit­glieder der Syn­ode und der Kirchenpfle­gen gewählt. Der erste Wahl­gang find­et am 29. Novem­ber 2026 statt, der zweite Wahl­gang am 10. Jan­u­ar 2027. Für die Ver­ar­beitung und Über­mit­tlung der Wahlre­sul­tate nutzen alle Kirchge­mein­den neu das Pro­gramm VeWork, das auch im Kan­ton Aar­gau einge­set­zt wird und mit Plau­si­bil­ität­skon­trollen zur sicheren Erfas­sung der Resul­tate beiträgt.

Ausser­dem berichtete der Kirchen­rat über zwei laufende Zusam­men­schlusspro­jek­te. Am Mutschellen pla­nen die Kirchge­mein­den Berikon-Friedlis­berg-Rudolf­stet­ten-Bergdi­etikon, Eggen­wil-Widen und Ober­wil-Lieli den Zusam­men­schluss zur neuen Römisch-Katholis­chen Kirchge­meinde am Mutschellen. Die Abstim­mung find­et am 14. Juni 2026 statt. Die Kirchge­mein­den Kaisten und Itten­thal pla­nen den Zusam­men­schluss zur neuen Römisch-Katholis­chen Kirchge­meinde Kaisten-Itten­thal; die Urnen­ab­stim­mung ist für den 27. Sep­tem­ber 2026 vorge­se­hen. Bei­de neuen Kirchge­mein­den sollen auf den 1. Jan­u­ar 2027 entste­hen, unter Vor­be­halt der Genehmi­gung durch die Syn­ode.

«Fit für die Zukun­ft» nimmt Gestalt an

Kirchen­rätin Ani­ta Berg­er informierte über den aktuellen Stand des Pro­jek­ts «Fit für die Zukun­ft – Vision 2045 und Strate­gie der Römisch-Katholis­chen Kirche im Aar­gau». Die Syn­ode hat­te den Pro­jek­tkred­it am 12. Novem­ber 2025 genehmigt. Inzwis­chen liegen erste Ergeb­nisse aus der Umfrage vor (grafis­che Darstel­lung siehe www.kathaargau.ch/zukunft). Sie fliessen in die weit­eren Schritte ein und sollen dazu beitra­gen, die langfristige Aus­rich­tung der Lan­deskirche gemein­sam mit den Anspruchs­grup­pen zu entwick­eln.

Kirchen­rat­spräsi­dent Pas­cal M. Gre­gor dank­te allen, die notwendi­ge Verän­derun­gen mit­tra­gen, mit­denken und mit­gestal­ten. «Denn am Ende geht es nicht um Struk­turen um der Struk­turen willen, son­dern um eine Kirche, die für die Men­schen da ist – heute und mor­gen.» Eben­so dank­te Syn­oden­präsi­dent Matthias Schüepp den Syn­odalen für die engagierte Beratung und den Gästen für ihre Teil­nahme. Die Früh­lingssyn­ode habe gezeigt, dass die Kirche im Aar­gau in anspruchsvollen Zeit­en unter­wegs sei, aber nicht ori­en­tierungs­los: «Wer getra­gen ist, kann sich bewe­gen. Und wer sich bewegt, kann Zukun­ft mit­gestal­ten.»

Jeannette Häsler
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