Dachverband für Missbrauchsbetroffene geplant
Vreni Peterer, Präsidentin der IG-M!kU und Betroffene von sexuellem Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche
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Dachverband für Missbrauchsbetroffene geplant

Die IG für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld plant die Gründung eines nationalen Dachverbandes. Ziel sind schweizweit einheitliche Standards im Umgang mit Missbrauch.

Zusam­men mit den Part­neror­gan­i­sa­tio­nen SAPEC in der Westschweiz und GAVA im Tessin plant die Inter­es­sen­ge­mein­schaft für miss­brauchs­be­trof­fene Men­schen im kirch­lichen Umfeld IG‑M!kU die Errich­tung eines nationalen Dachver­bands. Dies wurde an der Gen­er­alver­samm­lung des Vere­ins von den Mit­gliedern ein­stim­mig beschlossen.

Ab Herb­st 2026 soll schweizweit eine Geschäftsstelle mit 50 Prozent jenen Teil der Arbeit übernehmen, der sich beispiel­sweise mit der kri­tis­chen Begleitung kirch­lich­er Aufar­beitung oder mit Anfra­gen der Öffentlichkeit befasst. Die Begleitung von Betrof­fe­nen hinge­gen soll ehre­namtlich bleiben, um die Unab­hängigkeit zu wahren. Das genaue Beruf­spro­fil wird laut Peter­er derzeit erar­beit­et, wichtig seien in erster Lin­ie ein Bezug und Inter­esse an der The­matik, aber auch Ken­nt­nisse über den Auf­bau ein­er Geschäftsstelle mit eigen­er Web­site, Mit­glieder­be­treu­ung und Kom­mu­nika­tion. Die drei sprachre­gionalen Vere­ine sollen weit­er­hin beste­hen bleiben.

Finanziell möglich wird die Grün­dung eines Dachver­bands vor allem durch Gelder der Katholis­chen Kirche im Kan­ton Zürich. Diese hat­te der Deutschschweiz­er IG‑M!kU nach der Pub­lika­tion der Miss­brauchsstudie im Herb­st 2023 während fünf Jahren jährlich 50‘000 Franken zuge­sprochen für den Auf­bau ein­er Geschäftsstelle. «Da wir mit diesem Geld bish­er sehr sparsam umge­gan­gen sind, reicht der Grund­stock für den Auf­bau ein­er Geschäftsstelle für den nationalen Dachver­band», sagt Vreni Peter­er auf Nach­frage des Pfar­rblatt Bern. Das Fundrais­ing könne nun starten, so Peter­er weit­er. Der Römisch-Katholis­chen Zen­tralkon­ferenz RKZ werde nach Vorge­sprächen ein Gesuch für je 25‘000 Franken für die Jahre 2027 bis 2029 gestellt, eben­so wür­den weit­ere Lan­deskirchen, datunter die Lan­deskirche Bern, ange­fragt, sowie die Evan­ge­lis­che Kirhce Schweiz. Die Organ­i­sa­tio­nen begleit­en heute schon Betrof­fene auch aus der reformierten Kirche. Die drei Organ­i­sa­tio­nen SAPEC, GAVA und IG‑M!kU sind unter­schiedlich struk­turi­ert und finanzieren sich haupt­säch­lich durch Mit­glieder­beiträge und Spenden.

Trotz Fortschritten weiterhin erhebliche Defizite im Umgang mit sexuellem Missbrauch

Inhaltlich zieht die IG‑M!kU in ihrem Jahres­bericht 2025 die Bilanz, dass «trotz Fortschrit­ten weit­er­hin erhe­bliche Defizite im Umgang mit sex­uellem Miss­brauch im kirch­lichen Kon­text» beste­hen. Dies vor allem im Bere­ich Trans­parenz und Opfer­schutz. «Noch immer wer­den mut­massliche Täter teil­weise in sen­si­blen Funk­tio­nen belassen oder nicht kon­se­quent aus diesen ent­fer­nt», heisst es in der Medi­en­mit­teilung. Weit­er­hin gefordert seien «verbindliche nationale Richtlin­ien: zeit­na­h­es Han­deln, trans­par­ente Infor­ma­tion und der kon­se­quente Schutz von Men­schen».

Den Gebet­stag für Miss­brauchs­be­trof­fene, den die Schweiz­er Bischof­skon­ferenz jüngst für den 18. Novem­ber einge­führt hat, bew­ertet die IG‑M!kU «mit gemis­cht­en Gefühlen». «Sicht­barkeit ist wichtig, reicht jedoch nicht aus, solange struk­turelle Prob­leme beste­hen».

An der Gen­er­alver­samm­lung wur­den die zu bestäti­gen­den Mit­glieder des Vor­stands ein­stim­mig bestätigt, darunter die Präsi­dentin Vreni Peter­er. Sie stellt einen Rück­tritt von ihrer Funk­tion auf die Gen­er­alver­samm­lung 2027 in Aus­sicht. Dann sei die Haupt­studie des his­torischen Sem­i­nars der Uni­ver­sität Zürich zu Miss­brauch in der römisch-katholis­chen Kirche der Schweiz erschienen und weit­ere wichtige Meilen­steine geset­zt.

Veronika Jehle
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