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Was geschah nach Ostern?
Zwischen Ostern und Auffahrt
An Ostern ist Jesus auferstanden, an Auffahrt von Gott in den Himmel aufgenommen worden. Aber was geschah dazwischen? Was erzählen die biblischen Texte über diese Zeit, und wie lässt sich das deuten?
An Ostern feiern Christinnen und Christen, dass Gott Jesus nicht im Tod gelassen hat. Man könnte meinen: Jetzt schliesst sich der Kreis. Jesus wurde geboren, wirkte, erlitt einen schweren Leidensweg, starb am Kreuz und wurde anschliessend von Gott auferweckt. Doch für die Verfasser des Neuen Testaments enden die Geschichte um Jesus und seine Bedeutung nicht mit der Auferweckung. Ab dem vierten Jahrhundert beginnen die Gläubigen, 40 Tage nach Ostern die Auffahrt Jesu in den Himmel zu feiern.
Aber was sagt die Bibel eigentlich über die Zeit zwischen Ostern und Auffahrt? Das Neue Testament berichtet von verschiedenen Menschen, denen der Auferstandene begegnet ist. Wir hören von Begegnungen, die die Menschen geprägt, auch mal irritiert aber vor allem ermutigt haben.
Hinweis
Die Texte des Neuen Testaments sind in Bezug auf die Zeit zwischen Ostern und der Himmelfahrt Jesu nicht einheitlich. Die einzelnen Texte überliefern verschiedene Begegnungen und Ereignisse. Dadurch entsteht kein durchgehender, harmonisierter Ablauf, sondern eine Vielfalt von Perspektiven.
Maria von Magdala und die Frauen
Als erstes, so lesen wir im Johannesevangelium, erscheint Jesus Maria von Magdala. Als sie morgens zum Grab geht und Jesus nicht mehr darin liegt, kommt das für sie einer Katastrophe gleich, muss sie doch davon ausgehen, dass ihn jemand weggebracht hat. Jesus tritt zu ihr und spricht mit ihr, doch sie erkennt ihn zuerst nicht – erst als er sie bei ihrem Namen nennt. Jesus gibt Maria den Auftrag, zu verkünden, dass sie ihn gesehen hat und dass er bald zum «Vater» hinauffahren würde.
Matthäus und Markus berichten, dass Jesus einer Frauengruppe erscheint, zu der Maria von Magdala gehört, und ihnen den Auftrag gibt.
Die Emmaus-Jünger und Simon Petrus
Im Lukasevangelium sind zwei der Jünger auf dem Weg nach Emmaus, einem Ort in der Umgebung von Jerusalem. Sie sprechen über das, was in den letzten Tagen passiert ist: Jesus, mit dem sie herumgezogen sind und der eine hoffnungsvolle Botschaft verkündete, ist am Kreuz hingerichtet worden. Dann war auch noch sein Grab leer. Und die Frauen erzählen jetzt, er lebe wieder. Jesus gesellt sich zu ihnen, doch sie erkennen ihn nicht. Er fragt sie, worüber sie sprechen, und sie berichten. Daraufhin erinnert Jesus sie daran, dass die Schrift sagt, der Christus müsse leiden, bevor er zum neuen Leben bei Gott gelangt. Als sie abends das Dorf erreichen, bitten die beiden Jünger Jesus, nicht weiterzugehen, sondern zu bleiben. Beim Essen nimmt er das Brot, spricht den Lobpreis, bricht das Brot und gibt es ihnen. In diesem Moment erkennen sie ihn, doch fast im selben Moment ist Jesus fort. Die Jünger gehen sofort zurück nach Jerusalem und erfahren, dass Jesus Simon Petrus erschienen ist, und erzählen, was sie erlebt haben.
Die Jünger in Jerusalem
Während die Jünger im Gespräch sind, kommt Jesus dazu und sagt: «Friede sei mit euch!», so lesen wir es bei Lukas. Die Jünger erschrecken und Jesus fragt sie, warum sie so sehr zweifeln. Er zeigt ihnen seine Hände und Füsse, auf denen sie wohl seine Wundmale erkennen. Jesus erinnert die Jünger daran, dass sich alles erfüllen müsse, was die Schriften über ihn sagen. Der Christus müsse leiden, am dritten Tag auferstehen und seine Botschaft von Umkehr und Vergebung solle allen Völkern verkündet werden, beginnend in Jerusalem. Dafür seien sie seine Zeugen. Und er kündigt ihnen an, dass Gott ihnen seine Kraft schenken werde.
Auch das Johannesevangelium betont, dass Jesus mit dem Friedensgruss in ihre Mitte tritt. Hier zeigt Jesus nicht nur seine Hände, sondern auch seine Seite, in die er am Kreuz einen Stich mit einer Lanze bekommen hatte. Im Johannesevangelium schliesst an diese Szene ausserdem noch eine weitere Episode an. Der Jünger Thomas war nicht dabei, als Jesus den Jüngern erschien. Die anderen Jünger erzählen ihm davon, doch er glaubt ihnen nicht. Acht Tage später sind die Jünger wieder versammelt, diesmal mit Thomas. Jesus kommt, wendet sich direkt an Thomas und fordert ihn auf, seine Wunden zu berühren. Thomas erkennt Jesus und bekennt ihn als seinen Herrn und Gott. Aus dieser Bibelstelle stammt der berühmte Satz: «Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.»
Am See Genezareth
Im Johannesevangelium finden wir die Erscheinung Jesu am See Genezareth. Wir lesen, dass einige Jünger zusammen fischen, aber die ganze Nacht nichts fangen. Am Morgen fordert ein Mann sie vom Ufer aus auf, das Netz auf der rechten Seite des Bootes auszuwerfen, und sie fangen eine grosse Menge Fische. Erst danach erkennen sie, dass es Jesus ist. Als sie an Land kommen, finden sie Jesus an einem Feuer und essen gemeinsam mit ihm.
Nach dem Essen gibt Jesus Simon Petrus den Auftrag, sich um seine «Schafe» zu kümmern. Dadurch nimmt Jesus ihn, obwohl er Jesus verleugnet hat, wieder an und beauftragt ihn, sich um die Gemeinschaft der Gläubigen zu kümmern.
In Galiläa
Das Matthäusevangelium berichtet, dass Jesus die Jünger durch die Frauen aufgerufen hatte, nach Galiläa zu kommen. Sie gehen also auf einen Berg nach Galiläa, um dort den Auftrag zu empfangen, in die Welt hinauszugehen, Menschen zu seinen Nachfolgern zu machen, sie zu taufen und ihnen weiterzugeben, was er gelehrt hat.
40 Tage
Und woher kommt nun der Zeitraum der 40 Tage? Ihn finden wir nicht in den Evangelien. Es ist die Apostelgeschichte, die diese Zahl in ihrem Vorwort erwähnt: «Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.»
Begegnung mit dem auferstandenen Jesus?
Wie sind die Erzählungen zu deuten, in denen Menschen Zeugnis geben, dass ihnen der auferstandene Jesus begegnet ist? Mit dieser Frage beschäftigen sich Gläubige und Theologen seit den frühesten Anfängen des Christentums, und im Laufe der Jahrhunderte haben sie verschiedene Interpretationen entwickelt.
Hoffnung auf Auferstehung zur Zeit Jesu
In manchen Strömungen des Judentums zur Zeit Jesu gab es die Hoffnung auf Auferstehung. Es ging dabei ausdrücklich um eine Auferstehung des Körpers, nicht nur der Seele. Erwartet wurde diese Auferstehung am Ende der Zeit. In Jesus wurde, so glaubten es seine Nachfolgerinnen und Nachfolger, die Auferstehung, die eigentlich erst am Ende der Zeit erwartet wird, vorgezogen. Darin bestand für sie die Bedeutung von Ostern.
Die ersten Christinnen und Christen begannen in Jesus den «Christos», den Gesalbten, auf Hebräisch «Maschiach», aus dem das Wort «Messias» wurde, zu sehen. Der Glaube daran, dass Jesus auferstanden ist, führte dazu, dass sie die Ankündigungen des Messias in der Heiligen Schrift in einem neuen Licht sahen und in Jesus den Messias erkannten.
Interpretationen
Wenn wir versuchen, an den Punkt zurückzugehen, kurz bevor die Menschen die Erscheinungen bezeugen, dann sah ihre Situation folgendermassen aus: Jesus, dem sie mit vollem Vertrauen, auch gegen Druck von aussen, gefolgt sind, von dessen Botschaft sie überzeugt waren, ist tot. Er wurde wie ein Schwerverbrecher und von Gott Verlassener am Kreuz hingerichtet. Sie müssen am Boden zerstört gewesen sein. Das Schicksal Jesu liess sie wahrscheinlich in ein Gefühl von Gottverlassenheit und in grosse Zweifel fallen.
Hier kann man fragen: Konnten die Jüngerinnen und Jünger in dieser Situation aus sich selbst heraus zum Glauben zurückfinden? Sie müssen etwas gesehen oder erlebt haben, dass sie dazu gebracht hat, zu verkünden, dass Jesus von Gott aufgerichtet wurde und dass allen Menschen zugesagt ist, dass Gott Leid und Gewalt nicht das letzte Wort haben lässt, sondern dass er neue Beziehungen zu ihm und für die Menschen untereinander eröffnet.
Was damals passiert ist, können wir heute nur aus der Überlieferung der Urchristenheit erschliessen. «Der historische Jesus begegnet uns im Neuen Testament, der einzigen wirklichen Urkunde über ihn, eben nicht, wie er an und für sich gewesen ist, sondern als der Herr der an ihn glaubenden Gemeinde», sagt der Neutestamentler Ernst Käsemann. Durch die Art, wie in der Bibel über Jesus berichtet wird, kann angenommen werden, dass es den ersten Christinnen und Christen darum ging, zu zeigen, dass es neben der normalen Weltgeschichte eben auch eine Geschichte Gottes mit den Menschen gibt. Sie hielten dabei die Verbindung zu dem Jesus, der über die Erde ging, und sie verstanden sich als Teil der Geschichte, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet und die, für Gläubige, bis heute weitergeht.