Lichtspektakel, Gratiszeitung und ein Truck auf Europatournee

Lichtspektakel, Gratiszeitung und ein Truck auf Europatournee

Zürich eröffnete an diesem Woch­enende die Refor­ma­tions­feier­lichkeit­en für die Deutschschweiz. Unter den Gästen beim offiziellen Auf­takt befan­den sich neben Bun­desrat Johann Schnei­der-Ammann auch der Präsi­dent des Schweiz­erischen Evan­ge­lis­chen Kirchen­bun­des, Got­tfried Locher, Gen­er­alvikar Josef Annen, Zürichs Stadt­präsi­dentin Corine Mauch und der Abt von Ein­siedeln, Urban Fed­er­er.Den Auf­takt zu den Feiern in der Deutschschweiz bildete ein zweitägiges Hap­pen­ing in der Halle des Haupt­bahn­hofs Zürich. Zahlre­iche «Tis­chge­spräche» fan­den in der Bahn­hofhalle statt. Für das Pub­likum gastierte zudem der Refor­ma­tion­struck geöffnet, der durch ganz Europa tourt. Weit­er wurde am Fre­itag und Sam­stag eine Zeitung gedruckt und an Schaulustige verteilt. Am Abend erleuchtete das Licht­spek­takel «Schat­ten­wurf Zwingli» von Ger­ry Hof­stet­ter die Lim­mat­stadt.

Kritisches vom Bundesrat

Bun­desrat Schnei­der-Ammann, Luther habe nicht nur den «Ablass-Markt» der katholis­chen Kirche zer­stört. Er wollte den Men­schen unmit­tel­bar­er zu Gott führen und habe dabei auf das men­schliche Gewis­sen gebaut. Der Refor­ma­tor habe so den mod­er­nen Indi­vid­u­al­is­mus begrün­det. Die indi­vidu­elle Ver­ant­wor­tung dro­he aber auf der Strecke zu bleiben. Zu viele Men­schen seien heute ver­sucht, diese dem Vergnü­gen zu opfern oder an höhere Autoritäten zu veräussern. In Zeit­en des Umbruchs wie damals vor 500 Jahren, oder «wie wir sie heute erleben», müsse der Men­sch diesen Ver­suchun­gen wider­ste­hen kön­nen.

Abt Federers Aufruf zum Dialog

«Für mich ist das Gedenken an die Ref­or­ma­tion vor allem der Aufruf zu Dia­log. Was von Anfang an zwis­chen Katho­liken und Reformierten schief lief, war, dass es keinen Dia­log gab. Bei­de Seit­en hat­ten von Anfang Feind­bilder», erk­lärte der Abt von Ein­siedeln, Urban Fed­er­er, am Rand des Eröff­nungsan­lass­es gegenüber kath.ch.

Umverteilung von Aufgaben und Gütern

Die katholis­che Kirche musste in Zürich zurzeit der Ref­or­ma­tion einiges ein­steck­en. Als einen der «grossen gesellschaftlichen Brüche» der Refor­ma­tion­szeit nan­nte die Stadt­präsi­dentin Zürichs, Corine Mauch, die Abschaf­fung des Zöli­bats und die Aufhe­bung der Klöster. Durch deren Aufhe­bung sei die Stadt gezwun­gen wor­den, sich der Sorge um die Armen sel­ber anzunehmen. Zur Finanzierung des «Armen­we­sens» sei der Besitz der Klöster ver­wen­det wor­den.Einen anderen weib­lichen Aspekt auf die Refor­ma­toren hob die Zürcher Regierungsrätin Jacque­line Fehr her­vor, indem sie auf den aus dem Aar­gau einge­wan­derten Refor­ma­tor Hein­rich Bullinger ver­wies. Ob das Frauen­bild, das er ver­trat, das Ein­ver­ständ­nis sein­er refor­ma­torischen Mit­stre­it­er hat­te, sagte Fehr nicht. Bullinger jeden­falls hätte die Frau mit einem Pferd ver­glichen, das man nicht zu stark beladen soll und das am besten zuhause bleibt.Das Frauen­bild der Refor­ma­toren gehörte mit zu den Schat­ten­seit­en der Ref­or­ma­tion, so Fehr. Die Ref­or­ma­tion habe jedoch eine «Lerngeschichte» angestossen, die zu einem kri­tis­chen Denken und zu einem Verän­derungswillen führte. Es sei darum kein Zufall, dass in Zürich die «renom­mierte tech­nisch-wis­senschaftliche Hochschule», die ETH, ste­he.

Wiederholung unter neuen Vorzeichen

Jacque­line Fehr beze­ich­nete das Jubiläum als Chance. In Zeit­en, in denen «Kreation­is­ten» an die Macht drängten, sei es wichtig, das Geschichts­be­wusst­sein zu stärken. Viele Men­schen seien heute genau­so verun­sichert wie Luthers Zeitgenossen, erk­lärte auch Bun­desrat Johann Schnei­der-Ammann. Heute gelte es darum, gegen «Obsku­ran­tismus, Tech­nolo­gie- und Wis­senschaft­spes­simis­mus und Antilib­er­al­is­mus» anzuge­hen.
Andreas C. Müller
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