
Bild: © Johanna Moser
Crans-Montana beschäftigte auch am DispuTALK
Fünfter Teil der Gesprächsreihe mit Rita Famos
Am 16. Januar fand in der Sebastianskapelle in Baden der bereits fünfte DispuTALK statt. Zu Gast war Rita Famos, Pfarrerin und Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz. Im Zentrum des Gesprächs stand die Brandkatastrophe, die sich in der Neujahrsnacht in einer Bar in der Walliser Gemeinde Crans-Montana ereignet hatte.
In der Ankündigung zum DispuTALK mit Rita Famos ist zu lesen, dass es im Gespräch um ganz konkrete Fragen zur gegenwärtigen Lage der Welt und der Schweiz gehen soll. In den vergangenen Monaten und Jahren hat sich vor allem die globale politische Situation zugespitzt. Zahlreiche Kriege und andere Krisen machen es einem schwer, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.
Rita Famos
Die Theologin Rita Famos ist die erste Frau, die das Amt der Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz innehat. Daneben ist Rita Famos seit 2024 auch geschäftsführende Präsidentin des Rates der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Zudem hat sie den Vorsitz des Schweizerischen Rats der Religionen inne.
Zahlreiche Krisenherde
Zu den in der letzten Zeit in den Medien besonders präsenten Themen gehören der Nahost-Konflikt, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie die aufgeheizte politische Stimmung in den USA. Doch auch in zahlreichen anderen Ländern ist die politische und humanitäre Lage prekär, darunter in Afghanistan, in Syrien, in Somalia oder im Sudan. Die Zahl weltweiter Konflikte hat in den vergangenen Jahren zugenommen, und auch die Klimakrise schreitet weiter fort. Und doch war es ein anderes Thema, das Rita Famos und Moderator Hans Strub beschäftigte: die Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana.
Trauertag unter Mitwirkung von Rita Famos
In der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar geriet in der Bar die Decke in Brand. Es kam zu einem sogenannten «Flashover», durch den sich der zunächst lokale Brand innert kürzester Zeit zu einem Vollbrand entwickelte. Bei dem Unglück kamen 40 Menschen ums Leben, mehr als 100 weitere wurden verletzt, viele davon schwer. Besonders bedrückend ist, dass unter den Opfern viele junge Leute sind, die unbeschwert ins neue Jahr feiern wollten. Die Tragödie löste sowohl in der Schweiz als auch im Ausland tiefe Betroffenheit aus. Am 9. Januar fand in Martigny eine offizielle Gedenkfeier statt. Gemeinsam mit den Schweizer Kirchen lud Bundespräsident Guy Parmelin die Bevölkerung um 14 Uhr zu einer Schweigeminute im Gedenken an die Opfer von Crans-Montana ein. Zeitgleich wurden in der ganzen Schweiz die Kirchenglocken geläutet.
Zusammenarbeit mit dem Bundespräsidenten
Als höchster Repräsentantin der schweizerischen evangelisch-reformierten Kirche kam Rita Famos nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana eine ebenso verantwortungsvolle wie herausfordernde Aufgabe zu. Dabei stand sie von Beginn an in engem Austausch mit Bundespräsident Guy Parmelin sowie mit ihren römisch- und christkatholischen Amtskollegen. So organisierten sie beispielsweise gemeinsam das landesweite Läuten der Kirchenglocken am nationalen Trauertag. Rita Famos wurde zudem darum gebeten, ein Gebet für die Gedenkfeier in Martigny zu verfassen. Dies war insofern eine Herausforderung, als dass das Gebet in sehr kurzer Zeit erarbeitet werden musste und so gestaltet sein sollte, dass alle an der Trauerfeier anwesenden Gäste sich davon angesprochen fühlen. Der Kanton Wallis hatte zuvor bestimmt, dass es keine religiöse, sondern eine säkulare Feier sein sollte. Bundespräsident Guy Parmelin hingegen war der Ansicht, eine solche Trauerfeier solle durchaus auch geistliche Elemente beinhalten. So einigte man sich schliesslich darauf, das von Rita Famos und ihrem Team geschriebene Gebet in die Feier zu integrieren, es aber nicht von einer geistlichen Person, sondern von einer Schauspielerin vortragen zu lassen – «ein typisch schweizerischer Kompromiss», wie Rita Famos sagt.
Persönliche Ressourcen und Spiritualität
Solch verheerende Tragödien wie die Katastrophe in Crans-Montana ereignen sich in der Schweiz zum Glück nur selten. Und dennoch ist es nicht die erste Krise in Rita Famos’ Zeit als Präsidentin der evangelisch-reformierten Kirche. Rita Famos trat das Amt im Jahr 2021 an. In dieser Zeit war es die Covid-19-Pandemie, die eine grosse Herausforderung für die gesamte Schweizer Bevölkerung darstellte und die auch Rita Famos stark beschäftigte. Es gebe immer wieder Situationen, in denen sie gefordert sei, sagt Rita Famos. Auf Hans Strubs Frage, wie sie persönlich mit solch fordernden und oft bedrückenden Situationen umgehe, meint Rita Famos: «Ich war lange Jahre Gemeindepfarrerin. In dieser Zeit bin ich mit der ganzen Fülle des Lebens in Kontakt gekommen und habe viele Erfahrungen gesammelt. Mich tragen meine persönlichen Ressourcen und meine Spiritualität. Es ist aber auch wichtig, sich Hilfe zu holen, wenn es einem zu viel wird, und mit anderen darüber zu sprechen. Und man darf auch sagen, dass man selbst keine Worte für eine Situation findet. Oder dass es einen auch betroffen macht.»
Die Badener Disputation im Jahr 1526 war ein historischer Meilenstein für den Dialog zwischen den Konfessionen in der Schweiz. Die Gespräche über die theologischen Wahrheiten und Glaubensgrundlagen fanden während drei Wochen im Mai und Juni 1526 in der Badener Stadtkirche statt, Teilnehmer waren Vertreter der 13 Alten Orte der Eidgenossenschaft sowie Theologen aus dem In- und Ausland. Zur 500-Jahr-Feier der Badener Disputation organisieren die Reformierte Kirche Baden plus und die Katholische Kirchgemeinde Baden-Ennetbaden ein umfangreiches Jubiläumsprogramm unter dem Titel «Disput(N)ation». Das Projekt will Geschichte lebendig machen, den Dialog in der Gesellschaft stärken und verschiedenste Menschen einbinden.