
Bild: © José Luiz Bernardes Ribeiro/Wikimedia commons
Warm ums Herz
Es ist Nacht. Gemeinsam mit den anderen Schafen meiner Herde liege ich auf einer Wiese nahe der Stadt Bethlehem. Wir kuscheln uns eng aneinander, denn es ist kalt. Die Hirtinnen, die unsere Herde zusammenhalten, haben ein kleines Feuer angezündet. Die Funken lodern in den sternenklaren Himmel, tanzen in das tiefe Schwarz hinein.
Aber was ist das? Kommt da etwa ein Funke zurückgetanzt? Nein, nicht nur einer, ganz viele! Sie werden immer grösser. Und was ist das für ein seltsames Geräusch? Es klingt so ähnlich, wie wenn die Menschen etwas machen, das sie «Singen» nennen. Ich werfe einen Blick zu den Hirtinnen. Normal scheint das nicht zu sein, sie haben weit aufgerissene Augen und sehen verängstigt aus. Die leuchtenden, singenden Wesen kommen näher. Sie sprechen mit den Hirtinnen.
Was ist denn jetzt los? Gehen wir schon weiter? Aber es ist doch mitten in der Nacht! Wir folgen den leuchtenden singenden Wesen zu einem Haus, in dessen Untergeschoss sich ein Stall befindet. Und da, in der Krippe, in der eigentlich unser Futter liegt – da liegt ein kleiner Mensch. Ich gehe vorsichtig näher heran und versuche, seinen Geruch aufzunehmen. Mir wird warm ums Herz. Ich weiss nicht genau, was gerade passiert, aber dieser Mensch ist ganz besonders, das spüre ich.