Von Mini- und Maxistranten
Bild: © Roger Wehrli

Von Mini- und Maxistranten

Von wegen langweilige Gottesdienste! Minis ­meistern ganz schön brenzlige Situationen.

Das lateinische «ministrare» bedeutet dienen. Die Kinder und Jugendlichen übernehmen in der Liturgie eine wichtige Funktion. Dass bei der Gabenbereitung oder beim Weihräuchern trotz guter Vorbereitung ab und zu etwas schiefgeht, haben die meisten Ministrantinnen und Ministranten schon erlebt. Wir haben einige Anekdoten gesammelt.


Weihrauchfreuden

Wir waren in den siebziger Jahren Min­is­tran­ten. Der Aus­gang der Sakris­tei befand sich direkt unter der Empore. An Feierta­gen war das Ziel aller Min­is­tran­ten (Mäd­chen waren damals noch nicht dabei), nach dem Aus­tritt aus der Sakris­tei das Weihrauch­fass sofort sehr aktiv zu benutzen. Der Grund: Der Kirchen­chor auf der Empore sollte genü­gend Weihrauch abbekom­men – was dieser jedoch gar nicht wollte. Der Diri­gent rief dann: «Jet­zt laufet doch ändlig!», was wir mit einem Schmun­zeln ent­ge­gen­nah­men.


Roland, Christoph, Andreas und Andreas


Praktische Grösse


In unser­er Kirche sind die Apos­telk­erzen rel­a­tiv hoch ange­bracht. An Wei­h­nacht­en ste­ht neben der grossen Fam­i­lienkrippe auch ein Christ­baum mit Kerzen. Glück­licher­weise hat­ten wir einen sehr grossen Min­is­tran­ten, der dann ohne Stuhl die Kerzen anzün­den kon­nte. So erhielt er den Namen «Max­is­trant».


Andreas Bammatter


Gewissenhaft


Jahre­lang habe ich bei uns im Fleck­en im Ve­renamünster min­istri­ert, wobei es mir in all den Gottes­di­en­st­stun­den nie lang­weilig wurde. Ein Erleb­nis bringt mich bis heute zum Lachen:

Nach­dem eine neue Zah­narzt­prax­is ­eröffnet hat­te, tru­gen auf ein­mal viele Jugendliche eine Zahnspange. So auch eines mein­er Min­is­tran­ten-Gspändli. Während des Gottes­di­en­stes standen wir Min­is­tran­ten mit dem Pfar­rer, der Sakris­tanin und der Lek­torin um den Altar. Als der Pfar­rer begann, uns die Kom­mu­nion auszuteilen, machte sich der Min­is­trant neben mir an sein­er her­aus­nehm­baren Zahnspange zu schaf­fen. Der Zah­narzt hat­te ihm eingeschärft, er müsse diese vor dem Essen unbe­d­ingt her­aus­nehmen. Bevor also der Pfar­rer mit der Hostie zu ihm kam, zog er die Spange aus dem Mund und deponierte sie fein säu­ber­lich auf dem Altar. Wenn ich mich recht erin­nere, hat es dieser Min­is­trant später dank sein­er Gewis­senhaftigkeit (und der schö­nen Zähne) bis zur Schweiz­er­garde geschafft.


Marie-Christine Andres


Kerzendebakel


Mit­ten im Gottes­di­enst – es war Ostern und die gesamte Kirche war feier­lich mit vie­len Kerzen geschmückt – gin­gen plöt­zlich einige Kerzen auf dem Altar aus. Ein Min­is­trant hat­te die Idee, sie an der Flamme ein­er bren­nen­den Kerze wieder anzuzün­den. So weit, so gut. Aber wie sollte er das anstellen? Die Kerzen hochzuheben war keine Option. Also entschloss er sich kurz­er­hand, sein Lied­blatt zu opfern und die Flamme damit von Kerze zu Kerze zu über­tra­gen. Was er jedoch nicht bedacht hat­te: Das Lied­blatt ging dabei lichter­loh in Flam­men auf!

Carina


Alles Gute kommt von oben

Bei gutem Wet­ter feierten wir früher den Fron­le­ich­nams­gottes­di­enst auf dem Platz des Schul­haus­es Zehn­ten­hof, das etwas ent­fer­nt von der Kirche liegt. Ein­er dieser Gottes­di­en­ste begann bei Son­nen­schein, doch plöt­zlich ging ein Platzre­gen auf die ver­sam­melte Gemeinde nieder. Wir Min­is­tran­tinnen und Min­is­tran­ten flüchteten Hals über Kopf und sprint­eten mit den schö­nen Gwändli und den weis­sen Turn­schuhen durch das Unwet­ter. Wir kamen pflotschnass und ziem­lich dreck­ig in der Kirche an. Die «Min­is­tran­ten­mut­ter» hat­te gar keine Freude! Und der Pfar­rer plante von da an die Fron­le­ich­nams­feiern nur noch dann draussen, wenn der Wet­ter­bericht zu 120 Prozent Son­nen­schein ver­sprach.

Eveline Amherd

Schwungvoller Segen

Lisa Zan­donel­la min­istri­ert seit drei Jahren in der Kirche St. Sebas­t­ian in Wet­tin­gen. Ein grobes Miss­geschick sei ihr selb­st noch nicht passiert, sagt sie: «Aber ich habe schon von eini­gen Pan­nen gehört.» Zum Beispiel, dass eine Min­is­tran­tin über ihren Rock­saum gestolpert sei und den Kopf am Altar angeschla­gen habe. Oder dass sich beim schwungvollen Seg­nen der Bürstenkopf vom Stiel löste und durch die Kirche flog. Doch Lisa beruhigt: «Ich glaube, wenn man das Min­istri­eren richtig macht, ist es nicht gefährlich.»

Redaktion Lichtblick
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