
Von Mini- und Maxistranten
Von wegen langweilige Gottesdienste! Minis meistern ganz schön brenzlige Situationen.
Das lateinische «ministrare» bedeutet dienen. Die Kinder und Jugendlichen übernehmen in der Liturgie eine wichtige Funktion. Dass bei der Gabenbereitung oder beim Weihräuchern trotz guter Vorbereitung ab und zu etwas schiefgeht, haben die meisten Ministrantinnen und Ministranten schon erlebt. Wir haben einige Anekdoten gesammelt.
Weihrauchfreuden
Wir waren in den siebziger Jahren Ministranten. Der Ausgang der Sakristei befand sich direkt unter der Empore. An Feiertagen war das Ziel aller Ministranten (Mädchen waren damals noch nicht dabei), nach dem Austritt aus der Sakristei das Weihrauchfass sofort sehr aktiv zu benutzen. Der Grund: Der Kirchenchor auf der Empore sollte genügend Weihrauch abbekommen – was dieser jedoch gar nicht wollte. Der Dirigent rief dann: «Jetzt laufet doch ändlig!», was wir mit einem Schmunzeln entgegennahmen.
Roland, Christoph, Andreas und Andreas
Praktische Grösse
In unserer Kirche sind die Apostelkerzen relativ hoch angebracht. An Weihnachten steht neben der grossen Familienkrippe auch ein Christbaum mit Kerzen. Glücklicherweise hatten wir einen sehr grossen Ministranten, der dann ohne Stuhl die Kerzen anzünden konnte. So erhielt er den Namen «Maxistrant».
Andreas Bammatter
Gewissenhaft
Jahrelang habe ich bei uns im Flecken im Verenamünster ministriert, wobei es mir in all den Gottesdienststunden nie langweilig wurde. Ein Erlebnis bringt mich bis heute zum Lachen:
Nachdem eine neue Zahnarztpraxis eröffnet hatte, trugen auf einmal viele Jugendliche eine Zahnspange. So auch eines meiner Ministranten-Gspändli. Während des Gottesdienstes standen wir Ministranten mit dem Pfarrer, der Sakristanin und der Lektorin um den Altar. Als der Pfarrer begann, uns die Kommunion auszuteilen, machte sich der Ministrant neben mir an seiner herausnehmbaren Zahnspange zu schaffen. Der Zahnarzt hatte ihm eingeschärft, er müsse diese vor dem Essen unbedingt herausnehmen. Bevor also der Pfarrer mit der Hostie zu ihm kam, zog er die Spange aus dem Mund und deponierte sie fein säuberlich auf dem Altar. Wenn ich mich recht erinnere, hat es dieser Ministrant später dank seiner Gewissenhaftigkeit (und der schönen Zähne) bis zur Schweizergarde geschafft.
Marie-Christine Andres
Kerzendebakel
Mitten im Gottesdienst – es war Ostern und die gesamte Kirche war feierlich mit vielen Kerzen geschmückt – gingen plötzlich einige Kerzen auf dem Altar aus. Ein Ministrant hatte die Idee, sie an der Flamme einer brennenden Kerze wieder anzuzünden. So weit, so gut. Aber wie sollte er das anstellen? Die Kerzen hochzuheben war keine Option. Also entschloss er sich kurzerhand, sein Liedblatt zu opfern und die Flamme damit von Kerze zu Kerze zu übertragen. Was er jedoch nicht bedacht hatte: Das Liedblatt ging dabei lichterloh in Flammen auf!
Carina
Alles Gute kommt von oben
Bei gutem Wetter feierten wir früher den Fronleichnamsgottesdienst auf dem Platz des Schulhauses Zehntenhof, das etwas entfernt von der Kirche liegt. Einer dieser Gottesdienste begann bei Sonnenschein, doch plötzlich ging ein Platzregen auf die versammelte Gemeinde nieder. Wir Ministrantinnen und Ministranten flüchteten Hals über Kopf und sprinteten mit den schönen Gwändli und den weissen Turnschuhen durch das Unwetter. Wir kamen pflotschnass und ziemlich dreckig in der Kirche an. Die «Ministrantenmutter» hatte gar keine Freude! Und der Pfarrer plante von da an die Fronleichnamsfeiern nur noch dann draussen, wenn der Wetterbericht zu 120 Prozent Sonnenschein versprach.
Eveline Amherd
Schwungvoller Segen
Lisa Zandonella ministriert seit drei Jahren in der Kirche St. Sebastian in Wettingen. Ein grobes Missgeschick sei ihr selbst noch nicht passiert, sagt sie: «Aber ich habe schon von einigen Pannen gehört.» Zum Beispiel, dass eine Ministrantin über ihren Rocksaum gestolpert sei und den Kopf am Altar angeschlagen habe. Oder dass sich beim schwungvollen Segnen der Bürstenkopf vom Stiel löste und durch die Kirche flog. Doch Lisa beruhigt: «Ich glaube, wenn man das Ministrieren richtig macht, ist es nicht gefährlich.»
