Sommerserie: Unterwegs im Klettgau
Auf dem Wanderweg zum Hallauerberg entlang der Reben warten charmante Entdeckungen wie dieses Rebhäuschen.
Bild: © Béatrice Eigenmann

Sommerserie: Unterwegs im Klettgau

Sommerserie, Teil 1: Zu Fuss zu spirituellen Orten

In unserer Sommerserie stellen wir Ihnen Sommerwanderungen zu spirituellen Orten vor. Dabei unterstützen uns die anderen Deutschschweizer Pfarrblätter. Der erste ­Beitrag stammt von unserer Thurgauer Kollegin Béatrice Eigenmann. Sie wanderte von Hallau über Wunderklingen nach Trasadingen.


Ges­tartet wird im Kan­ton Schaffhausen, wo sich san­fte Hügel­land­schaften abwech­seln mit Reben, Feldern, Wäldern und Gewässern. Die Dör­fer ver­fü­gen über Riegel­häuser, und einige Kirchen thro­nen auf einem Hügel. Immer wieder stösst man auf die Gren­ze zu Deutsch­land. 

Der Aus­gang­sort der Wan­derung, das Dorf Hal­lau, gehört zum Bun­desin­ven­tar der schützenswerten Orts­bilder. Mit 150 Hek­taren ver­fügt es über die grösste zusam­men­hän­gende Reb­bau­fläche der Deutschschweiz. Der Ort hat gut 2300 Ein­wohn­er und ist neben dem Wein auch bekan­nt für das alko­hol­freie Getränk ­Rimuss. 

Wenn man mit dem öffentlichen Verkehr anreist, nimmt man den Zug von Schaffhausen nach Wilchin­gen-Hal­lau und steigt dort in den wartenden Bus nach Ober­hal­lau um und ver­lässt ihn an der Hal­testelle Gemein­de­haus. An Wochen­t­a­gen kann man sich vor der Wan­derung noch mit ein­er Stärkung aus der ­Bäck­erei ein­deck­en. Gle­ich hin­ter der Bäck­erei geht es steil aufwärts zum Wahrze­ichen Hal­laus. Dieses ist gle­ichzeit­ig das High­light der Wan­derung und von Weit­em sicht­bar : die Bergkirche St. Moritz.

Auf einer Grabstätte errichtet

Die Bergkirche thront auf einem Vor­sprung, über den sich der Hal­lauer­berg erhebt. Erbaut wurde sie im Jahr 1491, gewei­ht ist sie dem heili­gen Moritz oder Mau­ri­tius, der Leg­ende nach Anführer der The­bäis­chen Legion in der Armee des römis­chen Kaisers Max­i­minius. Er soll im ägyp­tis­chen Theben geboren und um 290 n. Chr. in Agaunum, dem heuti­gen St. Mau­rice im Wal­lis gestor­ben sein. 

Bis zur Ref­or­ma­tion wurde das Gotte­shaus zu ein­er viel besucht­en Wall­fahrt­skirche. Den grössten Umbau erlebte die Hal­lauer Bergkirche im Jahr 1598 / 99 auf­grund der Bevölkerungszu­nahme, indem die Süd­mauer abgeris­sen und um fünf Meter nach Süden gerückt wurde. Im Rah­men des europäis­chen Jahres für Denkmalpflege und Heimatschutz 1975 wurde die Bergkirche Hal­lau zum kan­tonalen Pilot­pro­jekt gewählt. Das Restau­rierungskonzept sah die Wieder­her­stel­lung der Kirche gemäss dem Willen der Erbauer vor. Die damit ver­bun­de­nen archäol­o­gis­chen Unter­suchun­gen führten zu inter­es­san­ten Fun­den : zu ale­man­nis­chen Gräbern aus dem 7. Jahrhun­dert. Die Kirche wurde auf der ale­man­nis­chen Begräb­nis­stätte der ältesten Sied­lung Hal­laus erbaut.

Die Bergkirche St. Moritz ist das Wahrze­ichen Hal­laus.

Über den Hallauerberg

Der Wan­der­weg führt weit­er aufwärts ent­lang der Reben und erlaubt beim Zurück­blick­en einen fast toskanisch anmu­ten­den Blick über die Hal­lauer Reb­berge. Es geht vor­bei an einem Rast­platz und weit­er hoch zu den Berghöfen. Von dort zweigt eine Naturstrasse ab nach links über den Hal­lauer­berg. Sie führt zum Röti­wei­her, der schon mehrmals ver­lan­det ist und immer wieder hergestellt wurde, um den Fröschen, Kröten und Molchen einen Laich­platz zu ermöglichen.

Als Näch­stes ist link­er Hand ein markan­ter Baum zu sehen mit Stein­quadern rund­herum. Die Wan­derung führt aber rechts abwärts weit­er hinein in den Ruher­aum rund um den Hal­lauer­berg. Es geht ent­lang des Wal­drands, während sich links im Gebi­et Egg Wiesen und Felder aus­bre­it­en und zwei Höfe zu sehen sind, danach weit­er abwärts durch den Wald im Schär­ers­graben, bis man aus dem Wald tritt und zur Wutach gelangt. Das Flüsslein bildet die Gren­ze zwis­chen der Schweiz und Deutsch­land. Während von drüben eine Autostrasse zu hören ist, ist das Schweiz­er Ufer sehr idyl­lisch.

Strom für 600 Haushalte

Der Weg führt ent­lang des Wassers, bis man auf eine Teer­strasse kommt, die quert, und ein kleines Wasserkraftwerk sicht­bar wird. Das Kraftwerk gehört zum Weil­er Wun­derklin­gen. Dieser wird erst­mals 1363 urkundlich erwäh­nt. 1457 kaufte die Gemeinde Hal­lau dem Junker Hein­rich vom deutschen Erzin­gen den Bannbezirk und die Gerichts­barkeit für 400 Gulden ab. Es wird angenom­men, dass die Hal­lauer kurz nach dem Kauf an der Wutach eine Müh­le errichteten. Einige Jahre später wurde die Müh­le zurück­ver­set­zt und ein Wehr und ein Kanal gebaut. 1821 war die Müh­le in der­art schlechtem Zus­tand, dass sie neu erbaut wer­den musste. Da sich ihr Betrieb immer weniger lohnte, wurde sie 1876 verkauft. Heute befind­et sich darin eine Gast­wirtschaft. 1895 kauften die Hal­lauer die Müh­le zurück, denn sie woll­ten ein Wass­er- und Elek­triz­itätswerk bauen. Bei dessen Bau wur­den römis­che Fun­da­mente ent­deckt. Die Wasserkraft aus dem ehe­ma­li­gen Müh­lenkanal liefert Strom. Noch heute ver­sorgt das Werk die Gemeinde Hal­lau mit Wass­er und zu einem Teil mit Strom. Seit diesem Jahr wird die Anlage aus­ge­baut. Die Stromka­paz­ität erhöht sich damit, sodass sie für etwa 600 Haushalte reicht. 

Mühle Wunderklingen

Das Restau­rant Müh­le Wun­derklin­gen ist eine gute Möglichkeit für eine Pause. Es bietet saisonale und regionale Gerichte an, inklu­sive veg­e­tarische und Kinderg­erichte. Man merkt, dass die Wirtin und ihr Mann, der für die Bewirtschaf­tung des Hofs zuständig ist, selb­st Eltern sind. Bei schönem Wet­ter kann man auf der Ter­rasse sitzen oder im Garten neben dem kleinen Spielplatz. In der kühlen Jahreszeit lässt es sich gemütlich in den bei­den heimeli­gen Gast­stuben speisen. 

Dicke Eiche und Grenzsteine

Frisch gestärkt gehts weit­er mit der Wan­derung. Achtung: Die Abzwei­gung in Rich­tung Wilchinger Berghaus kann leicht ver­fehlt wer­den. Sie befind­et sich nicht weit vom Restau­rant ent­fer­nt in Marschrich­tung links, hin­ter einem schon etwas ros­ti­gen grossen Fass. Wenn man genau schaut, schlän­gelt sich dort ein schmaler, halb­schat­tiger Weg durch die Wiese des Gebi­ets Lochgraben. Hier ist es stel­len­weise matschig, dafür geht es teil­weise direkt der Gren­ze ent­lang, die in Form von Gren­zsteinen ersichtlich ist. Der Weg führt nicht nur der Gren­ze ent­lang, son­dern auch an der « Dick­en Eiche » vor­bei, einem 600 Jahre alten imposan­ten Baum. Der Hof, den man rechter Hand sehen kann, liegt auf deutschem Gebi­et.

Ziel: Grenzdorf Trasadingen

Bald erre­icht man das Berghaus, den ober­sten Hof auf dem Wilchinger­berg. Von dort schaut man hin­unter in den Klettgau und sieht bere­its das Ziel der Tour : Trasadin­gen, das let­zte Dorf vor der Gren­ze. Lei­der geht es auf vor­wiegend asphaltiert­er Strasse den Berg hin­unter am Brueder­hof vor­bei und etwas später durch die Reben ins Tal, auf den Weg zum Dorf. Man erre­icht das Dor­fzen­trum – je nach­dem, welchen Weg man wählt, beispiel­sweise über den Tum­mi­hof und danach dem Fried­hof ent­lang und durchs Neubauquarti­er. Es gibt hüb­sche Eckchen und liebevoll gestal­tete Gärtlein zu sehen. Der Bahn­hof Trasadin­gen liegt etwas ausser­halb des Dorfs. Von dort fährt der Zug alle halbe Stunde zurück nach Schaffhausen. Die Fahrt lohnt sich, denn sie führt mit­ten durch den Klettgau, der auch als Kornkam­mer gilt.

Gren­zwan­dern

Dauer: 3 Stun­den 25 Minuten
Länge: 13,1 km
Kör­per­liche Anforderung: mit­tel
Höhen­dif­ferenz: 340m/365m 
Ganzjährig bege­hbar, stel­len­weise asphaltiert. Verkehrsmit­tel ab Schaffhausen im Halb­stun­den­takt.
Weit­ere Infos gibt’s hier.

Beatrice Eigenmann
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