Heiliger Rasen und freier Ernst des Lebens

Wenn ab dem 11. Juni in Mexiko, Kana­da und den USA der Fuss­ball rollt, hält die Welt den Atem an. Mil­lio­nen Men­schen fiebern gemein­sam mit, teilen grossen Jubel und herbe Ent­täuschung. Manch­mal haben sie sog­ar tiefes Mitleid mit dem ein­sam­sten Men­schen, den es in einem vollbe­set­zten Sta­dion geben kann: mit dem, der ein Eigen­tor schiesst. 

Die Fuss­ball-Welt­meis­ter­schaft ist längst kein rein­er Sportan­lass mehr und auch nicht nur ein unglaublich gross­es Geschäft, son­dern ein glob­ales Phänomen, das Kul­turen und Gen­er­a­tio­nen verbindet. Doch warum berührt uns der Kampf um das runde Led­er der­art?

1978, im Zusam­men­hang mit der dama­li­gen WM in Argen­tinien, sagte Joseph Ratzinger: „Fuss­ball ist viel mehr als schlichte Unter­hal­tung. Es ist das Her­aus­treten aus dem ver­sklavten Ernst des All­t­ags und sein­er Lebens­be­sorg­nis in den freien Ernst dessen, was nicht sein muss und deshalb schön ist.“ Diese Worte des späteren Pap­stes Benedikt XVI. über das Fuss­ball­spiel kön­nte man nicht nur genau­so gut auf das heilige Spiel der Liturgie beziehen, auch son­st haben Fuss­ball und Kirche weit­ere Gemein­samkeit­en.

Zum Beispiel die vie­len Experten und Exper­tin­nen, die zwar selb­st wed­er «schut­ten» noch je einen Match im Sta­dion anschauen und auch kaum einen Gottes­di­enst mit­feiern, aber trotz­dem alles immer bess­er wis­sen und kön­nen als Spiel­er, Train­er, Schied­srichter, Pfar­rer, Gemein­delei­t­erin, Bischof oder Papst. 

Eine weit­ere Brücke zwis­chen Fuss­ball und Glaube schlägt der vor einem Viertel­jahrhun­dert, am 10. Juni 2001, von Johannes Paul II. heiligge­sproch­ene Priester Lui­gi Scrosop­pi (1804–1884). Seit 2010 ist er ganz offiziell Schutz­pa­tron der Fuss­baller und Fuss­bal­lerin­nen sowie der Fuss­ball­fans. Lui­gi (oder auch: Alois) Scrosop­pi engagierte sich unter anderem für Waisenkinder, grün­dete ein Heim für gehör­lose Mäd­chen und erkan­nte – wie auch andere Heilige des 19. Jahrhun­derts, man denke an Don Bosco in Turin – den grossen Wert des Sports bei der Erziehung junger Men­schen. 

Mit Blick auf die an der diesjähri­gen Fuss­ball-Welt­meis­ter­schaft vertrete­nen Mannschaften gibt es zum Patron der Fuss­baller noch eine spezielle Sache zu erwäh­nen: Als Scrosop­pi 1804 in Udine zur Welt kam war seine Vater­stadt öster­re­ichisch, bei seinem Tod war sie Teil Ital­iens. 

Abschliessend möchte ich für die kom­menden Wochen Fuss­ball­fans und auch «Fuss­ball­muf­feln» zurufen: Nutzen wir diese WM im Sinne des heili­gen Lui­gi und auch Joseph Ratzingers als eine Zeit des „freien Ern­stes“, in der wir die Gemein­schaft pfle­gen, das Schöne geniessen und dankbar für unbeschw­erte Momente sind. Möge der Schutz­pa­tron über die Fair­ness auf dem Platz und die Freude in unseren Herzen wachen!

Alex L. Maier, Pfar­rer in Reinach

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