Ein weiterer Schritt hin zur ersehnten Einheit

Ein weiterer Schritt hin zur ersehnten Einheit

Der Schweiz­er Kurienkar­di­nal Kurt Koch hat Papst Franziskus auf sein­er Türkeireise begleit­et. Gegenüber der Presseagen­tur Kipa äusserte der Präsi­dent des Päp­stlichen Ein­heit­srates sich zu den öku­menis­chen Kon­se­quen­zen des Besuchs, zu einem möglichen Tre­f­fen des Pap­stes mit dem Moskauer Patri­archen Kyrill sowie zur Zukun­ft des Ein­heit­srates.

Herr Kar­di­nal, der Besuch von Papst Franziskus bei Patri­arch Bartholo­maios wird von manchen als «Wen­depunkt für die Ökumene» beze­ich­net, von anderen dage­gen als nor­maler Schritt eines gut laufend­en Gespräch­sprozess­es. Was denken Sie? Kurt Koch: Ich ver­ste­he es im zweit­en Sinne. Papst Franziskus hat­te den Wun­sch, möglichst schnell nach Kon­stan­tinopel zu gehen – wie bere­its seine Vorgänger – um diese Beziehun­gen zu ver­tiefen. Es beste­ht seit langem die Tra­di­tion, dass zum Patronats­fest der Heili­gen Peter und Paul eine hohe Del­e­ga­tion von Kon­stan­tinopel nach Rom kommt, und umgekehrt zum Fest des Heili­gen Andreas eine Del­e­ga­tion von Rom nach Kon­stan­tinopel reist. Und dies­mal war der Papst selb­st dabei, um per­sön­lich diese Kon­tak­te zu ver­tiefen. Er wollte damit auch zum Aus­druck brin­gen, wie eng die Beziehun­gen zwis­chen der katholis­chen Kirche und der Ortho­dox­ie inzwis­chen sind. Der Besuch stand also in ein­er guten Tra­di­tion und war ein weit­er­er Schritt vor­wärts auf die ersehnte Ein­heit hin.

Die her­zliche Atmo­sphäre am Bosporus stand im Kon­trast zu jüng­sten Prob­le­men im the­ol­o­gis­chen Dia­log zwis­chen Katho­liken und Ortho­dox­en. Ergab der Besuch einen Durch­bruch? Bei der let­zten Vol­lver­samm­lung unser­er Dialogkom­mis­sion im Sep­tem­ber in Amman ergab sich eine sehr schwierige Sit­u­a­tion: Der vor­bere­it­ete Text wurde nicht angenom­men, es gab Vor­be­halte vor allem von ortho­dox­er Seite. Wir haben in Amman einen neuen Text vor­bere­it­et, der aber noch nicht veröf­fentlicht wer­den kon­nte. So müssen wir nun eine neue Sitzung des Koor­di­na­tion­skomi­tees ein­berufen, und dann eine neue Vol­lver­samm­lung – aber wahrschein­lich erst 2017. Wir unter­schei­den in der Ökumene zwis­chen dem Dia­log der Liebe und dem Dia­log der Wahrheit. Der Dia­log der Wahrheit liegt in der Ver­ant­wor­tung dieser the­ol­o­gis­chen Dialogkom­mis­sion, die hier weit­er­ar­beit­en muss. Der Besuch des Pap­stes in Kon­stan­tinopel war ein wesentlich­er Schritt im Dia­log der Liebe.Bei dem Tre­f­fen in Kon­stan­tinopel haben der Papst und der Patri­arch doch sich­er über die Prob­leme dieses Dialogs gesprochen? Es han­delte sich um ein per­sön­lich­es Vier-Augen-Gespräch zwis­chen dem Patri­archen und dem Papst, das ich nicht kom­men­tieren kann. In der gemein­samen Erk­lärung brin­gen bei­de Seit­en den entsch­iede­nen Willen zum Aus­druck, dass man diesen Dia­log weit­er­führen will, dass man ihn ver­tiefen muss, um schliesslich zur Ein­heit zu gelan­gen.Der Patri­arch erwäh­nte in sein­er Rede die bevorste­hende panortho­doxe Syn­ode 2016? Was erwarten Sie davon? Sind Sie beteiligt? Die Vor­bere­itun­gen dazu haben bere­its in den 1960er Jahren begonnen. Bish­er ist noch nicht entsch­ieden, ob zu dieser Syn­ode auch Beobachter ander­er christlichen Kirchen, also auch von katholis­ch­er Seite ein­ge­laden wer­den. Das wäre ein Beitrag, den wir leis­ten kön­nten. Ich kann nur hof­fen und ich bete auch darum, dass diese panortho­doxe Syn­ode stat­tfind­et. Denn zwis­chen den ortho­dox­en Kirchen beste­hen manche Span­nun­gen. Wenn die Ortho­dox­en unter sich zu mehr Ein­heit find­en, wird das auch eine wesentliche Hil­fe für den Dia­log mit uns sein.Beim Rück­flug vom Türkeibesuch sig­nal­isierte der Papst gross­es Ent­ge­genkom­men, um ein Tre­f­fen mit dem Moskauer Patri­archen Kyrill I. zu ermöglichen. Wie ste­ht es darum? Die Äusserung bei der fliegen­den Pressekon­ferenz gibt genau die Sit­u­a­tion wieder: Papst Franziskus möchte mit Patri­arch Kyrill zusam­men­tr­e­f­fen. Er ist im Grunde zu allem bere­it, er stellt keine Bedin­gun­gen, er möchte ihn nur tre­f­fen. Das bedeutet eine grosse Disponi­bil­ität. Franziskus hat aber auch Ver­ständ­nis dafür sig­nal­isiert, dass der Krieg und die sehr schwierige Sit­u­a­tion in der Ukraine dem Patri­archen heute offen­bar wichtiger sind, als die Begeg­nung mit dem Papst – und dass er dies respek­tiert.
Erwarten Sie von der geplanten Kurien­re­form Verän­derun­gen für Ihre Behörde – und welche? Bis­lang habe ich noch nichts dazu gehört, in welch­er Weise der Päp­stliche Rat zur Förderung der Ein­heit der Chris­ten in die Kurien­re­form ein­be­zo­gen sein wird – auf der Ebene der Struk­turen. Natür­lich sind auf der Ebene der Men­tal­ität oder der Spir­i­tu­al­ität alle Behör­den betrof­fen. Aber über struk­turelle Refor­men oder Umgliederun­gen ist mir nichts bekan­nt.Aber es wird auch kün­ftig im Vatikan eine eigen­ständi­ge Behörde für Belange der Ökumene geben? Oder kön­nten Sie als Unter­abteilung ein­er der beste­hen­den Kon­gre­ga­tio­nen zugeschla­gen wer­den? Das ist eine sehr sen­si­ble Frage, die wir sich­er auch mit unseren öku­menis­chen Part­nern besprechen müssten, um unnötige Irri­ta­tio­nen zu ver­mei­den. Aber offen­bar geht man davon aus, dass ein Rat für die Öku­menis­chen Beziehun­gen, so wie er konzip­iert ist, weit­erbeste­ht.Und auch die Kom­mis­sion für die religiösen Beziehun­gen zum Juden­tum wird ihrer Behörde angegliedert bleiben? Ich habe diese Anbindung immer als pos­i­tiv emp­fun­den; denn das Juden­tum ist nicht eine Reli­gion wie die anderen, wie Islam, Bud­dhis­mus oder Hin­duis­mus, mit denen sich der Päp­stliche Rat für den inter­re­ligiösen Dia­log befasst. Das Juden­tum ist die Mut­ter des Chris­ten­tums, die erste Tren­nung in der Chris­ten­tums­geschichte ist die zwis­chen Syn­a­goge und Kirche. Insofern gehört die Heilung dieser Tren­nung zwis­chen Juden­tum und Chris­ten­tum auch in den öku­menis­chen Auf­trag der Kirche hinein. Deshalb finde ich diese Organ­i­sa­tion gut. Ich kön­nte mir aber auch vorstellen, dass es andere Über­legun­gen gibt. Johannes Schidelko, kipa
Redaktion Lichtblick
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