Ein grosses Fest der Dankbarkeit

Ein grosses Fest der Dankbarkeit

  • Ohne die zahlre­ichen Frei­willi­gen in litur­gis­chen Dien­sten wäre es schwierig, Gottes­di­en­ste und Mess­feiern nach den Vor­gaben der Kirche zu feiern.
  • Um diese Frei­willi­gen zu ehren und ihnen für ihre ehre­namtlichen Dien­ste danke zu sagen, ver­anstal­tete das Litur­gis­che Insti­tut der deutschsprachi­gen Schweiz im Kloster Ein­siedeln ein Fest.
  • Rund 300 dien­st­bare See­len fol­gten der Ein­ladung zum Fest für litur­gis­che Dien­ste und erlebten einen inspiri­eren­den Tag mit the­ol­o­gis­chem Tief­gang.

Ein Gottes­di­enst ohne die Ehre­namtlichen sähe karg aus. So bedank­te sich das Litur­gis­che Insti­tut der deutschsprachi­gen Schweiz mit dem «Fest für litur­gis­che Dien­ste» am 15. Okto­ber bei all jenen, die sich frei­willig in der Liturgie engagieren. Im Kloster Ein­siedeln wur­den sie gefeiert; Fes­tred­ner war der berühmte Benedik­tin­er­pa­ter Anselm Grün.

In Scharen strömten die Fest­teil­nehmer in Rich­tung The­ater­saal des Klosters Ein­siedeln. «Fest für litur­gis­che Dien­ste» stand auf den rich­tungsweisenden Schildern geschrieben. Was diese Per­so­n­en ver­band: Sie alle engagieren sich ehre­namtlich in der katholis­chen Kirche. Sei dies als Lek­torin, als Kan­tor oder im Austeilen der Kom­mu­nion. Auf Ein­ladung des Litur­gis­chen Insti­tuts der deutschsprachi­gen Schweiz fan­den sie sich an diesem Sam­stag im Kloster Ein­siedeln ein, um am Fest für litur­gis­che Dien­ste teilzunehmen.

«Es ist die Sehnsucht»

Nahezu 300 Per­so­n­en waren da. Etwa Adri­an aus Bern, für den das «Fest der litur­gis­chen Dien­ste» eine Quelle der Inspi­ra­tion darstellte und der sich darüber freute, mit Gle­ich­gesin­nten über Dinge zu sprechen, die ihn bewe­gen. Oder Rebec­ca aus Zürich, die die Gele­gen­heit wahrnahm, den Fes­tred­ner, P. Anselm Grün, sprechen zu hören. Und nicht zu vergessen der ältere Herr, dem die Trä­nen in den Augen standen, während er sagte: «Es ist die Sehn­sucht, die mich hier­herge­führt hat. Die Sehn­sucht nach dem, was mir in meinem All­t­ag fehlt.»

Das Litur­gis­che Insti­tut ist sich dieser ehre­namtlichen Unter­stützung in Gottes­di­en­sten bewusst. So ent­stand bere­its vor Jahren die Idee des Fests für litur­gis­che Dien­ste. Ein­er­seits motiviert durch das «Mini-Fest», das Fest für Min­is­tran­ten, das alle paar Jahre stat­tfind­et, ander­er­seits auf­grund der Erfahrun­gen der Insti­tut­slei­t­erin Gun­da Brüske: «An Kursen bedanke ich mich jew­eils bei den Teil­nehmenden für ihre frei­willi­gen Dien­ste. Manch­mal wird mir daraufhin erwidert, dass dies das erste Mal sei, dass sich jemand dafür bedanke. Mit dem Fest wollen wir Frauen und Män­nern in litur­gis­chen Dien­sten ganz her­zlich danken.»

Gottesbild und Selbstbild

Pater Anselm Grün sprach in sein­er Predigt ganz bewusst von «Pries­terin­nen und Priestern». | Foto: Litur­gis­ches Insti­tut

Fes­tred­ner P. Anselm Grün von der Abtei Mün­ster­schwarzach ist Autor von mehr als 300 Büch­ern. Im The­ater­saal des Klosters sprach er in ein­er berühren­den Schlichtheit über das Beten. Eine Atmo­sphäre der Ruhe ging von ihm aus. Er sagte, dass das Wesen des Gebets die Sehn­sucht sei. Und er erk­lärte, weshalb in der Liturgie auch vor­for­mulierte Gebete ihre Vorzüge haben: «Die Liturgie ist so ganz anders als die Mod­erne. Es tut gut, in eine andere Welt einge­führt zu wer­den, in der die Sehn­sucht nach dem ganz Anderen wachge­hal­ten wird.»

Gottes­bild und Selb­st­bild sind für den Benedik­tin­er­pa­ter eng miteinan­der verknüpft. Zu Textstellen in der Bibel, an denen sich heutige Men­schen stören kön­nten, ver­wies er auf eine Aus­sage des Kirchen­lehrers Augusti­nus: «Sei dein eigen­er Fre­und, dann bist du auch mit dem Wort Gottes in Ein­klang.» Im Gebet im Ein­klang und let­zten Endes im Frieden mit sich selb­st zu sein, das ver­mit­telte Pater Anselm als ein zen­trales Anliegen.

Danach befragt, was die ehre­namtliche Tätigkeit in der Kirche für ihn bedeute, betonte er: «Ehre­namtliche sind ganz wichtig für die Kirche!» Die Kirche lebe von Ehre­namtlichen; so bedauere er es sehr, dass es Pfar­reien gäbe, in denen die frei­willi­gen Helfer keine Wertschätzung erführen. Sein Refer­at been­dete der Pater mit einem gemein­samen Gebet. Die Anwe­senden liessen sich darauf ein, was in ein uner­wartet inten­sives, gemein­sames Beten mün­dete.

Die anschliessenden Ver­tiefungsrun­den dien­ten dazu, das Gehörte in kleineren Grup­pen weit­er zu besprechen und Erfahrun­gen auszu­tauschen. Die Gruppe, die von Sr. Mat­tia Fäh­n­drich, Pri­or­in des Klosters Heiligkreuz in Cham, angeleit­et wurde, richtete ihr Augen­merk auf ver­schiedene Über­set­zun­gen von Psalm 30. «Die ganze Fülle unseres Daseins schwingt in diesen Text hinein», sagte Schwest­er Mat­tia. Die Diskus­sion unter den Teil­nehmern ver­lief rege. Die Zeit verg­ing dabei so schnell, dass auch noch in der Warteschlange vor der Essen­saus­gabe wei­t­er­disku­tiert wurde.

Pontifikalamt mit Abt Urban

Um nicht nur über Liturgie und die litur­gis­chen Dien­ste zu sprechen, son­dern um diese auch zu erleben, feierten alle zusam­men am Nach­mit­tag mit Abt Urban Fed­er­er ein Pon­tif­ikalamt. Nahezu 300 liturgieaffine Per­so­n­en in einem Gottes­di­enst. Das dürfte für die meis­ten von ihnen eine unge­wohnte, aber gle­ichzeit­ig eine bere­ich­ernde und tra­gende Erfahrung gewe­sen sein. Auch Abt Urban bedank­te sich mit einem «her­zlichen Mer­ci» bei allen, die einen frei­willi­gen litur­gis­chen Dienst ausüben. Dies tat er nicht nur in seinem Namen, son­dern auch im Namen der Schweiz­erischen Bischof­skon­ferenz.

[esf_wordpressimage id=40655 width=half float=right][/esf_wordpressimage]Bleibt am Ende eines gelun­genen Fests die Frage viel­er begeis­tert­er Teil­nehmer: «Wann gibt es das näch­ste Fest für litur­gis­che Dien­ste?» Die Mitar­beit­er des Litur­gis­chen Insti­tuts hörten diese Frage bei der Ver­ab­schiedung nicht nur ein­mal. Auch der über­aus her­zliche Dank der Gäste für diesen Fes­tanlass war nach all der inten­siv­en Vorar­beit für die Organ­isatoren erfül­lend. Es war das erste Mal, dass das Litur­gis­che Insti­tut mit seinem kleinen Team einen solchen Grossan­lass durchge­führt hat. Das wäre ohne die finanzielle Unter­stützung durch sieben Lan­des- bzw. Kan­ton­alkirchen, den Fre­un­deskreis des Litur­gis­chen Insti­tuts und weit­er­er Spon­soren gar nicht möglich gewe­sen.

«Priesterinnen und Priester»

Ursprünglich gin­gen die Ver­anstal­ter von einem ein­ma­li­gen Anlass aus, doch die vie­len schö­nen Rück­mel­dun­gen formten sich schliesslich zu einem Vielle­icht: Vielle­icht klappt es ja in ein paar Jahren wieder. Vielle­icht nehmen Bistümer oder Kan­ton­alkirchen die Idee eines Festes auf; es gibt ja noch viel mehr Men­schen in litur­gis­chen Dien­sten, als nach Ein­siedeln kamen. Der Dank an die frei­willig Engagierten muss auch nicht warten: Der ist immer möglich!

Christa Kauf­mann, Syn­odale aus dem Pas­toral­raum Brugg-Windisch, bestätigte auf Anfrage von Hor­i­zonte den pos­i­tiv­en Schwung, den die Fes­t­be­such­er aus Ein­siedeln mit nach Hause bracht­en: «Es war eine wun­der­bare Wertschätzung, die wir für unsere Arbeit als Frei­willige erfahren durften. Dass uns als Laien eine solche Ehrung zuteil wurde, war sehr schön. Dieses Fest hat uns allen einen Anstoss gegeben, weit­erzu­machen. Pater Anselm hat vor allem auch uns Frauen Mut gemacht. Er hat in sein­er Predigt ganz klar von ‹Pries­terin­nen und Priestern› gesprochen, das hat mich beein­druckt. Und er hat uns gesagt: ‹Ihr Frauen müsst nicht per­fekt sein, aber macht etwas!›»

Christian Breitschmid
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