Aus der «helfenden Hand» wird «Caritas Care»

Aus der «helfenden Hand» wird «Caritas Care»

  • Nach drei Jahren schärft der Heimunter­stützungs­di­enst der Car­i­tas in Suhr sein Pro­fil. Geblieben ist als Bezugspunkt der Rote Wagen mit­ten im Zen­trum.
  • Im Gegen­satz zu anderen Care-Dien­stleis­tern nimmt die Car­i­tas für sich in Anspruch, nicht ein­fach auf Auf­tragsan­fra­gen zu warten, son­dern in den Quartieren aktiv nach hil­fs­bedürfti­gen Men­schen Auss­chau zu hal­ten. Und weit­er darf auch Hil­fe in Anspruch nehmen, wer es sich nicht leis­ten kann.
 Vor etwas mehr als drei Jahren startete Car­i­tas Schweiz in Suhr mit einem roten Wagen ein Pilot­pro­jekt, das gezielt ältere Men­schen zuhause unter­stützt. Der rote Wagen ste­ht noch immer in Suhr und das Pro­jekt wurde nach und nach pro­fes­sion­al­isiert. Aus der «helfend­en Hand» wurde «Car­i­tas Care – Stun­den­weise Unter­stützung».

«Ältere Menschen stundenweise unterstützen»

Wir tre­f­fen Pro­jek­tleit­er Andy Huwyler in Suhr. Zusam­men mit dem Zivil­dien­stleis­ten­den Cedric Was­er bringt er am roten Wagen neue Infor­ma­tion­stafeln an. Man habe «das Pro­jekt geschärft», erk­lärt er. Es werde deut­lich­er benan­nt, was man mache: Ältere Men­schen stun­den­weise unter­stützen, damit diese zuhause bleiben kön­nen und nicht ins Heim müssen. «Zusam­men einkaufen und kochen, zum Arzt gehen, im Haushalt helfen oder ein­fach auch mit den Leuten Zeit ver­brin­gen», berichtet Cédric Was­er. Pflege mache man nicht, das über­lasse man den Spi­tex-Organ­i­sa­tio­nen.Auf den ersten Blick ist es das­selbe, was auch andere Care-Dien­stleis­ter anbi­eten. Doch Andy Huwyler dif­feren­ziert: «Wir sitzen nicht in einem Büro und warten auf Aufträge. Wir gehen aktiv auf die Men­schen zu, bauen eine Beziehung und Ver­trauen auf.» Aus diesem Grund auch der rote Wagen mit­ten im Dor­fzen­trum. «Wenn deut­lich wird, dass wir jeman­den an Dritte zuweisen kön­nen, dann drück­en wir den Leuten nicht ein­fach einen Fly­er in die Hand. Wir begleit­en die Betrof­fe­nen zu den entsprechen­den Fach­stellen. Überdies richte man das Augen­merk gezielt auf ältere Armuts­be­trof­fene, für welche die Ange­bote der anderen Dien­stleis­ter aus finanziellen Grün­den wenig oder gar nicht in Frage kom­men.

Begleitet Velofahren

Eine der Per­so­n­en, die von den Mitar­beit­ern des Pro­jek­ts in Suhr betreut wer­den, ist Albert Wüthrich. Ein Leben lang war der 90-Jährige aktiv gewe­sen. Einen grossen Teil sein­er Freizeit ver­brachte er mit Velo­fahren. Ausser­dem spielt er Schach auf hohem Niveau. Seit seine Frau gestor­ben ist, lebt Albert Wüthrich alleine in sein­er Woh­nung.  Als er einen Fly­er des Pro­jek­ts «Car­i­tas Care» in seinem Briefkas­ten fand, meldete er sich spon­tan.Sei­ther erhält Albert Wüthrich ein­mal pro Woche Besuch von Ida Oder­matt, der Koor­di­na­torin und Mitar­bei­t­erin der Dien­stleis­tung «Car­i­tas Care» in Suhr. Die bei­den fahren gemein­sam Fahrrad. Auf­grund ein­er Kinder­läh­mung, an der Albert Wüthrich als Kind erkrank­te, ist er nicht mehr so gut zu Fuss unter­wegs, doch Fahrrad fahren geht immer noch sehr gut. Allein im ver­gan­genen Jahr schaffte er 5’000 Kilo­me­ter. «Ich komme fast nicht hin­ter­her!», meint  die deut­lich jün­gere Ida Oder­matt grin­send.

Auch ohne Geld gibt’s Unterstützung

Wenn das Wet­ter mal schlecht ist, spie­len die bei­den Schach oder jassen. Dankbar meint Albert Wüthrich: «Von der Car­i­tas bekomme ich psy­chis­che und moralis­che Unter­stützung!» Er geniesst die Gesellschaft sehr.Zwis­chen 15 und 25 Klien­ten betreut das dreiköp­fige Team in Suhr. An zwei Tagen in der Woche hil­ft zudem der Zivil­dien­stleis­tende Cedric Was­er mit. Ein über­schaubar­er Kun­den­stamm mit Luft nach oben, der seine Nis­che im stetig wach­senden Betreu­ungs­be­darf gefun­den hat. Seit eini­gen Jahren wer­den immer mehr Men­schen pen­sion­iert, die akut von Armut betrof­fen sind. Und genau die hat die «Car­i­tas Care» im Blick. «Wir haben einen Stun­de­nansatz von 55 Franken», erk­lärt Andy Huwyler. «Armuts­be­trof­fene mit Kul­turle­gi der Car­i­tas zahlen den hal­ben Preis. Und wenn auch das nicht geht, find­en wir einen anderen Weg.» Drei Vier­tel der betreuten Per­so­n­en kön­nten den Nor­mal­tarif nicht stem­men, weiss der Pro­jek­tleit­er.

Gemeinden in die Pflicht nehmen

Die Stan­dorte in Suhr und Zürich müssen sich selb­st finanzieren. Das dies nicht auss­chliesslich über die Klien­ten gelingt, nimmt Car­i­tas die Gemein­den in die Pflicht. «Die Betreu­ung älter­er Men­schen zu Hause ist Sache der Gemein­den», erk­lärt Andy Huwyler. In Suhr teilt man diese Ansicht. Die Gemeinde leis­tet einen Unter­stützungs­beitrag an die Dien­stleis­tung.Auch über die Krankenkassen kön­nen bes­timmte Leis­tun­gen finanziert wer­den. «Wenn der Hausarzt beispiel­sweise Hil­fe im Haushalt verord­net und darauf hin­weist, dass die betrof­fene Per­son mit dieser Unter­stützung länger zu Hause sein kann, wird Haushalt­shil­fe je nach Ver­sicherung durch die Krankenkasse oder durch die Ergänzungsleis­tung – sofern ein Anspruch beste­ht – anteilmäs­sig vergütet.Die betreuten Klien­ten sind längst nicht alle über 65 Jahre alt. Es gebe auch Men­schen um die 50, die von ein­er IV-Rente leben und mit vie­len All­t­agsverpflich­tun­gen jet­zt schon über­fordert seien, weiss Andy Huwyler. Man habe noch Möglichkeit­en, weit­ere Klien­ten aufzunehmen, erk­lärt Andy Huwyler. Auch ste­he man in Gesprächen mit umliegen­den Gemein­den. 
Andreas C. Müller
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