
Herz-Jesu-Freitag
Als ich mich vor sechs Jahren in der Pfarrei Reinach vorstellte und mich erkundigte, was in Reinach kirchlich “wichtig” sei, wurde mir beschieden, es würde keine Italiener geben, keine Beichten und der Herz-Jesu-Freitag sei auch nicht präsent. Die ersten beiden Angaben haben sich offensichtlich (und glücklicherweise) als falsch erwiesen. Der Herz-Jesu-Freitag ist aber wirklich kein grosses Thema.
Da jedoch Papst Pius IX. vor exakt 170 Jahren, am 23. August 1856, weltweit das Herz-Jesu-Fest einführte – und wir den Brauch der Hauskommunion am Herz-Jesu-Freitag wieder beleben möchten — hier ein paar Gedanken dazu.
Die Herz-Jesu-Frömmigkeit ist — ausgehend von Joh 19,33–34, wo der Soldat seine Lanze in die Seite des gekreuzigten Jesus stösst und sogleich Blut und Wasser herausfliessen — eine private Frömmigkeitsübung des Mittelalters die durch die Visionen der im Burgund geborenen Klosterfrau und Mystikerin Margareta Maria Alacoque (1647–1690) zum kirchlichen Kult avancierte. Christus erschien dieser Schwester mehrmals und beklagte die Undankbarkeit der Menschen angesichts der grossen Liebe, die er ihnen durch sein Leiden erwiesen hat. 1675 forderte er Margareta auf, sich für ein Fest zur Verehrung seines heiligsten Herzens am Freitag nach der Fronleichnamsoktav einzusetzen. Er wünschte auch eine Herz-Jesu-Verehrung jeweils am ersten Freitag im Monat. Aber beides brauchte seine Zeit: Das erste Herz-Jesu-Fest in Paray-le-Monial wurde 1686 gefeiert, dafür hat dann Papst Leo XIII. 1899 sogar die ganze Welt dem Herzen Jesu geweiht. Die allgemeine Überzeugung war, dass Jesus Christus auf die Verehrung seines Herzens mit einem Eingreifen in die Zeit antwortet.
Heute zählt das Herz-Jesu-Fest zwar zu den Hochfesten, aber die Herz-Jesu Verehrung ist seit der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zunehmend in den Hintergrund getreten. War sie bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts ein verbreiteter «cultus» der Kirche, ist sie heute eher wieder das, was sie schon im Mittelalter war: eine persönliche Frömmigkeitsübung. Was im gemeinschaftlichen Vollzug geblieben ist: Am Herz-Jesu-Freitag (erster Freitag im Monat) ist vielerorts die Eucharistiefeier mit einer Anbetung und dem sakramentalen Segen verbunden. In Reinach nicht, da wir am Freitagvormittag jeweils den Gottesdienst im Andachtsraum des SZ Aumatt halten. Dafür pflegen wir die eucharistische Anbetung und den sakramentalen Segen am ersten Mittwoch des Monats in der Pfarrkirche.
Hauskommunion
Was wir neu aufgreifen wollen, ist der Brauch, an diesem Tag den kranken oder alten Pfarreiangehörigen die Kommunion nach Hause zu bringen. Wenn Sie den Besuch des Pfarreiseelsorgers oder des Pfarrers für Gespräch, Kommunion, evtl. Beichte oder Krankensalbung wünschen, melden Sie sich bitte im Pfarramt.
Pfarrer Alex L. Maier

