
© Thomas Lang
In den Himmel ohne Raumschiff
Was feiern wir an Auffahrt?
An Auffahrt feiern Christinnen und Christen, dass Jesus in den Himmel, zu Gott, zurückkehrt. Theologisch wird das auch als Erhöhung bezeichnet. Die Auffahrt veranschaulicht: Jesus hat Teil an der Herrschaft Gottes.
Himmelfahrt als Abschluss der Auferstehung
Im Katechismus der Katholischen Kirche wird das so erklärt: «Der Leib Christi wurde schon im Augenblick der Auferstehung verherrlicht». Während der Zeit zwischen Auferstehung und Auffahrt bleibt aber «seine Herrlichkeit noch unter der Gestalt einer gewöhnlichen Menschennatur verhüllt». Der Katechismus sagt also, dass zwischen Auferstehung und Himmelfahrt zwar bereits eine neue Wirklichkeit begonnen hat, diese aber noch nicht voll erkennbar ist. Jesus begegnet den Jüngern weiterhin in menschlicher Gestalt. Erst mit der Himmelfahrt kommt es zum endgültigen Übergang: Jesus tritt vollständig in Gottes Wirklichkeit ein und ist nicht mehr auf irdische Weise präsent. Die Bilder von Wolke und Himmel sollen das ausdrücken. Im Katechismus steht, dass die «Herrlichkeit» Jesu jetzt offen zutage tritt. Das bedeutet, dass er jetzt in der vollen und bleibenden Gemeinschaft mit Gott ist.
Die Gläubigen der frühen Kirche feierten die Auffahrt Christi nicht getrennt, sondern zusammen mit der Auferstehung an Ostern. Erst im 5. Jahrhundert begannen Christinnen und Christen, die Auffahrt als eigenes Fest zu begehen.
Auf einer Wolke in den Weltraum?
Auffahrt wird auch Christi Himmelfahrt genannt. Aber warum geht Jesus eigentlich in den Himmel? Das Oben und der Himmel waren für Menschen lange Zeit ein Symbol für das Unendliche, für das Erhabene, für das, was über die sichtbare Welt hinausgeht. In der frühesten Vergangenheit haben die Menschen den Himmel durch Raumfahrttechnik «säkularisiert», das bedeutet, dass er nicht mehr religiös, als Wohnort Gottes, gedeutet wird, sondern wissenschaftlich, als Teil des begreifbaren, erforschbaren Raumes.
Heute verstehen Gläubige Auffahrt nicht mehr als eine Fahrt Jesu in den sichtbaren Himmel über den Wolken. Das Bild der Auffahrt drückt aus, dass Jesus ganz bei Gott ist und an seiner Herrlichkeit teilhat. Auch ohne eine wörtliche Vorstellung vom Wolkenflug in den Himmel behält dieses Bild für Christinnen und Christen seine Kraft und Aussage.
Mittelalterfacts
Im Mittelalter wurde die Darstellung der Himmelfahrt Jesu in den Gottesdiensten oft sehr anschaulich gestaltet. Besonders im Spätmittelalter war es üblich, eine Christusfigur mithilfe von Seilen nach oben bis zur Kirchendecke zu ziehen. Auf diese Weise sollte sichtbar gemacht werden, wie Jesus in den Himmel aufsteigt und so den Blicken der Gläubigen entschwindet.