
© Elvira Rumo
Mit Spass und Würde
Im vergangenen Jahr gab es an Fronleichnam in Baden zum ersten Mal ein Ad-hoc-Orchester. Pfarreileiter Claudio Tomassini hofft auch dieses Jahr auf Teilnehmende und auf eine Zukunft für das Projekt.
Die Idee zur «Processional Band of Baden City» entstand aus einem Notstand heraus. Über Jahre hatten Mitglieder der Brassband Badenia Untersiggenthal die Fronleichnamsprozession in Baden begleitet. Von Jahr zu Jahr war es schwieriger geworden, Musikerinnen und Musiker zu finden; Fronleichnam ist nicht im ganzen Kanton Aargau ein Feiertag. Und doch wollte man diese Tradition nicht fallen lass. Viele Menschen nehmen jeweils an der Prozession teil. Claudio Tomassini, Pfarreileiter und gemeinsam mit Priester Stefan Essig Organisator des Projekts, fand: «Ein Fest ohne Musik, eine Prozession, die nicht begleitet wird, ist nur ein halbes Fest. Und so riefen wir in alle Himmelsrichtungen: Nehmt eure alten Instrumente aus dem Keller oder vom Estrich. Gemeinsam bringen wir etwas zustande.» Und der Ruf zeigte Wirkung, zur «Weltpremiere der Prozessionsband», wie Claudio Tomassini es formuliert, kamen Musikerinnen und Musiker aus dem ganzen Kanton Aargau, aus dem Baselbiet, Deutschland und sogar aus Rom.
Wenn er könnte, würde Claudio Tomassini die Band am liebsten für die nächsten Jahrhunderte bei der Prozession fest einplanen: «Das wäre sensationell, ein Traum.» Die Bedingungen für das musikalische Engagement werden in den kommenden Jahren nicht einfacher, da ist sich Claudio Tomassini sicher: «Ich würde es fast schon ein wenig dramatisch sagen: Die Band ist der einzige Weg, der in die Zukunft führt.»
Je nach Anzahl der Anmeldungen steht die Überlegung im Raum, in diesem Jahr ein drittes oder sogar ein viertes Musikstück zu arrangieren. So soll über die Jahre hinweg nach und nach ein kleines Repertoire entstehen.
Von der Tuba bis zur Triangel
Eine feste Besetzung gibt es nicht, gesucht werden alle Instrumente. Ein pensionierter Musiklehrer aus Aarau hatte letztes Jahr die Stücke ausgewählt und sie entsprechend der vorhandenen Instrumente arrangiert. «Wir sind sehr froh, dass er sich auch dieses Jahr wieder bereiterklärt hat, zu dirigieren und die Probe zu leiten und je nachdem auch wieder zu arrangieren», betont Claudio Tomassini.
Die Tuba kam letztes Jahr aus Rom angereist. Ob der Spieler auch dieses Jahr mit dabei sein kann, ist nicht sicher. Eine weitere Person hatte angefragt, ob auch Mundharmonikas von Interesse wären. Dazu sagt Claudio Tomassini klar: «Ob Tuba, Mundharmonika, Pauke, Trompete oder Triangel, alle werden gebraucht und sind willkommen!»
Ein geglücktes Experiment
Vor der Prozession gab und gibt es auch dieses Jahr eine gemeinsame Probe. Die Musikerinnen und Musiker bekommen die Noten zugeschickt, üben zu Hause, und bei der Probe werden dann einmalig das gemeinsame Spielen und das Marschieren geprobt. Claudio Tomassini erinnert sich: «Ich war bei der Probe dabei und in den ersten paar Minuten der Probe dachte ich: ‹Oh Gott, das wird schief gehen.› Ich glaube, wir alle dachten: ‹Das war gut gemeint, aber das klappt nicht.› Aber unter der Leitung des ehemaligen Musiklehrers haben wir es in zwei Stunden hinbekommen, dass bei allen das Spielen und Marschieren geklappt hat.» Es sei daher sehr sinnvoll und wünschenswert, wenn diejenigen, die an der Prozession mitmachen wollen, auch zu dieser Probe kämen, so Claudio Tomassini.
Er hat eine Botschaft für alle, die darüber nachdenken, ob sie dieses Jahr mitmachen sollen: «Kommt unbedingt, bei dieser Band sind Wunder möglich!» In der Gemeinschaft entstehe eine Kraft, in der die Teilnehmenden in der Gruppe über sich hinauswachsen könnten. Es gehe ausserdem nicht darum, dass alles perfekt sei: «Bei Gott sind alle Menschen willkommen, gerade auch die schrägen Töne haben ihren Platz, und wir feiern genau so, wie wir sind.»
Warum ist Prozessionsmusik an Fronleichnam wichtig?
Claudio Tomassini, Pfarreileiter Baden
«Ich glaube, dass Musik oft besser als Worte zum Ausdruck bringt, worum es geht. Sie verbindet, sie gibt einen Rhythmus vor. Die Musikerinnen und Musiker machen aus Freude mit, und so gehen wir auch mit Freude in die Welt hinaus. Uns ist wichtig zu zeigen, dass der Glaube etwas Schönes ist, etwas Frohes, aber auch eine Kraft, innerlich und äusserlich. Das schöne, kraftvolle Musizieren während der Prozession drückt genau das aus.»

Hätten Sie Interesse, bei der Band mitzumachen?
Melden Sie sich so bald wie möglich telefonisch unter 056 222 57 15 oder per E‑Mail an
Die Probe findet am Montag, 1. Juni, 19–21 Uhr in der Stadtkirche Baden statt.
Fronleichnam ist am Donnerstag, 4. Juni, 9.30 Uhr Start Gottesdienst in der Stadtkirche, 10.30 Uhr Start Prozession
4 Fragen an ein Bandmitglied
Susanne Widmer war vergangenes Jahr dabei und beantwortet unsere Fragen.

Welches Instrument spielen Sie? Musizieren Sie viel?
Ich spiele Altsaxophon. Ich mache Musik, allerdings nicht in einem Musikverein. Ich spiele in einer Fasnachtsband, mit der wir mehrmals im Jahr Auftritte haben, ich habe auch schon in einem Quartett mitgespielt. Marschmusik ist aber eigentlich nicht mein Genre.
Was hat Sie an der Idee der «Processional Band of Baden City» so begeistert, dass Sie sich entschieden haben mitzumachen?
Mich hat die Art und Weise angesprochen, wie das Projekt im «Lichtblick» beworben wurde. Ich dachte: «Wenn die so fragen, muss ich mich melden.» Ich fand es eine sehr spannende und auch lustige Idee. Ich war früher selbst mal bei der Pfarrei Baden angestellt und habe, nachdem ich davon erfahren hatte, im Sekretariat der Pfarrei angerufen, weil es mich interessierte, wie viele Menschen mitmachen wollten. Als die Antwort kam: «Bis jetzt haben wir fünf Anmeldungen», war mir klar, dass ich mitmachen wollte, damit da am Ende nicht nur fünf Personen marschieren. Zum Glück sind wir dann doch noch einige mehr geworden, ich schätze so etwa 20.
Was ist Ihnen von der Prozession im letzten Jahr mit der Band in Erinnerung geblieben?
Es ist kein bestimmter Moment, sondern eher der Eindruck, dass es etwas Bedeutsames war. Die Band wurde sehr geschätzt von Mitarbeitenden der Pfarrei, aber auch von Menschen, die bei der Prozession dabei waren. Es hat sich gut angefühlt, ein Teil von dem zu sein, was den Menschen etwas bedeutet. Und ich hatte den Eindruck, dass ich so der Pfarrei, mit der ich verbunden bin, etwas zurückgeben konnte.
Ich finde es eine tolle Idee von einer Pfarrei, so offen auf die Menschen zuzugehen und sie zum Mitmachen zu animieren. Ungewöhnliche Wege zu gehen, ist cool. Das Projekt war lustig und trotzdem würdig.
Was würden Sie heute Musikerinnen und Musikern sagen, die noch zögern, ob sie mitmachen sollen? Was spricht aus Ihrer eigenen Erfahrung dafür?
Es hat total Spass gemacht! Lustig war auch die Probe auf dem Kirchplatz, bei der wir Marschieren geübt haben. Es war ein schöner Sommerabend, Menschen sassen vor den Restaurants am Platz und plötzlich kamen wir beim Üben um die Ecke. Und das natürlich nicht nur einmal, sondern mehrmals. Es war wirklich lustig und hat unglaublich viel Spass gemacht. Man hat deutlich gemerkt, wie gern sich die Menschen engagiert haben.
Ausserdem kann ich denen die Angst nehmen, die fürchten, die Stücke könnten zu schwierig sein. Als ich die Noten bekommen habe, merkte ich, dass es wirklich machbar ist.