Da für alle
Bild: © Felix Wey

Da für alle

Mor­gen ist Redak­tion­ss­chluss des Pfar­rblattes. Um in Ruhe an den Tex­ten zu arbeit­en, bin ich früher im Sekre­tari­at als son­st. Da kommt bere­its der Sakris­tan mit der Bitte, die Stadt­polizei zu informieren, dass sie heute wegen ein­er Beerdi­gung auf dem Kirchen­park­platz keine Kon­trollen durch­führen soll. Und eben­falls unüblich früh tele­foniert der Pfar­rer, um den heuti­gen Tag zu besprechen.

Dann ist es Zeit, den Schal­ter zu öff­nen und das Tele­fon zu bedi­enen – und ich habe noch nicht ein­mal ange­fan­gen, den Bericht über die Reise der Min­is zu schreiben. Dann ste­ht ein Mann am Schal­ter – ver­schwitzt und ungepflegt. Der Mann wün­scht einen Ein­trag in seinem Pil­ger­pass und erzählt auss­chweifend von sein­er Wan­derung. Bere­its ste­ht die näch­ste Besucherin am Schal­ter. Sie ist ein regelmäs­siger Gast und fragt nach einem Migros-Gutschein.

Ein nochma­liger Ver­such, am Bericht zu schreiben, scheit­ert, da die Gemeinde einen Todes­fall meldet. Ich beginne sofort mit der Organ­i­sa­tion und frage den Seel­sorg­er an, reserviere die Kirche, biete den Organ­is­ten auf… Eine kurze Mit­tagspause reicht, um mit neuem Elan das Pro­jekt Pfar­rblatt anzuge­hen. Die tele­fonis­che Anfrage nach einem Tauf­schein für Braut­leute hält mich wiederum davon ab. So geht es weit­er bis sich dann um 17 Uhr meine Arbeitskollegen/innen in den Feier­abend ver­ab­schieden. Ich schliesse den Schal­ter, aktiviere den Tele­fon­beant­worter, um mich endlich den Tex­ten für das Pfar­rblatt zu wid­men.

Beatrice Demuth
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