Hitze
Sengende Hitze. Die Luft flirrt. Mensch und Tier verkriechen sich. Die Lilien sind welk, der Rasen dürr. Das Dorf wirkt ausgestorben. Fenster und Rollläden sind geschlossen. Atemlose, schwere Stille. Das Leben pulsiert nicht, es ächzt. Kraftlosigkeit.
Später endlich Kindergeschrei. Kleine, nasse Wesen tummeln sich am Dorfbrunnen. Abkühlung. Neue Energie. Erholung. Leben. Feierabend, eine erfrischende Dusche. Linderung. Warten auf den Sonnenuntergang. Den Garten giessen. Die Fenster öffnen. Luft.
Dunkle Wolken ziehen auf. Windböen verzerren den Klang der Wetterglocken. Donnergrollen. Hastige Menschen. Hoffnung und Angst gleichermassen. Regen oder Hagel. Erlösung oder Zerstörung. Blitze zucken. Machtlosigkeit. Natur. Ein Stossgebet.
“Gott der allmächtige Vater, segne euch und schenke euch gedeihliches Wetter; er halte Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern.
Er segne die Felder, die Gärten und den Wald und schenke euch die Früchte der Erde.
Er begleite eure Arbeit, damit ihr in Dankbarkeit und Freude gebrauchet, was durch die Kräfte der Natur und die Mühe des Menschen gewachsen ist.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.”
Amen.

