Geheimnisse des Lebens
«Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein, oder er wird nicht sein», mit diesem Satz schaute der Theologe Karl Rahner 1966 in die Zukunft.
Doch was ist ein Mystiker, eine Mystikerin? Was zeichnet sie aus? Im Mystiklektürekurs von OFFLine am letzten Mittwoch kamen wir einem Mystiker unserer Tage auf die Spur und seinen Versuchen, sich an das Geheimnis des Lebens heranzutasten, das wir auch Gott nennen. Lorenz Marti, der zu früh verstorbene Radiojournalist beim SRF, lenkte unseren Blick in seinem Buch „Wie schnürt ein Mystiker seine Schuhe?“ auf die kleinen Begebenheiten des Alltags, die uns öffnen können für das Geheimnis des Lebens. Lorenz Marti kommt den Geheimnissen des Lebens oft bei Spaziergängen in der Natur auf die Spur. Er findet Zugang zu den Geheimnissen, die unser Leben ausmachen, in den vielen Alltäglichkeiten, Unbequemlichkeiten, Niederlagen, Peinlichkeiten des Alltags. Darüber hat er nachgedacht, sie gaben ihm zu denken und so fand er sich immer wieder mitten in Philosophie, Religion und Mystik wieder. Hinweise auf die Geheimnisse des Lebens findet er in vielen Geschichten des Alltags und im Schatz der Religionen. Mystiker/innen, so sagte er einmal, sind Menschen wie du und ich, mit einem kleinen Unterschied: Sie entdecken und ergründen die Tiefenschichten des Lebens, die uns üblicherweise verschlossen bleiben.
Mystikerinnen und Mystiker zeichnet eine Sehnsucht aus, eine Sehnsucht nach «Mehr» als dem, was wir kaufen und besitzen können. Auch davon spricht Lorenz Marti gleich in der ersten Geschichte seines Buches.
«Da wohnt ein Sehnen tief in uns, nach Gott, dich zu sehn, dir nah zu sein…», hat Anne Quiqley in einem Lied geschrieben, das wir zum Abschluss des ersten Treffens der Mystiklektüre angehört und gesungen haben.
Text und Foto: Anne Lauer, Pfarreiseelsorgerin in Heiliggeist und OFFLine

