Zum Caritas-Sonntag vom 25. Januar 2015

Zum Caritas-Sonntag vom 25. Januar 2015

«Jet­zt ist die Zeit, jet­zt ist die Stunde, heute wird getan oder auch ver­tan», so begin­nt ein Lied. Darin klingt an, dass uns jed­er Tag vor neue Her­aus­forderun­gen stellt – auch in Begeg­nun­gen mit anderen Men­schen. Wir müssen uns immer wieder neu entschei­den, was es heisst richtig zu han­deln, wenn wir es mit Men­schen zu tun haben. «Gemein­sam Begeg­nun­gen gestal­ten» lautet das Mot­to des Car­i­tas-Son­ntags vom 25. Jan­u­ar 2015. Das Hil­f­swerk rückt den Zusam­men­hang von Migra­tion und Armut in den Mit­telpunkt und ruft dazu auf, soziale Rechte unab­hängig von der Herkun­ft zu stärken. Begeg­nun­gen mit benachteiligten Men­schen bewusst zu gestal­ten und ihnen ein Mit­machen zu ermöglichen, kann ein Zeichen der Zeit sein.Armut hal­bieren Im Jahr 2010 hat sich Car­i­tas Schweiz mit der Erk­lärung «Armut hal­bieren» das Ziel geset­zt, bis 2020 die Zahl der armuts­be­trof­fe­nen Men­schen in der Schweiz zu hal­bieren. Inner­halb dieser Dekade rückt Car­i­tas jedes Jahr einen anderen Teilaspekt des The­mas «Armut» ins Bewusst­sein der Bevölkerung. Der diesjährige Schw­er­punkt «Migra­tion» bes­timmt auch den kom­menden Car­i­tas-Son­ntag, der jew­eils am 4. Son­ntag im Jahr von den regionalen Car­i­tas-Organ­i­sa­tio­nen der Deutschschweiz organ­isiert wird. Für die Pfar­reien ist der Son­ntag der Car­i­tas Anlass, sich gemein­sam mit dem Hil­f­swerk zu engagieren – gegen Armut, für Inte­gra­tion und Chan­cen­gle­ich­heit.Jed­er fün­fte ist Migrant Die Schweiz ist ein Ein­wan­derungs­land. Wie Zahlen des Bun­de­samtes für Migra­tion bele­gen, stammt jed­er fün­fte Ein­wohn­er aus dem Aus­land. Migran­tinnen und Migranten leis­ten fast ein Drit­tel des gesamten Arbeitsvol­u­mens in der Schweiz. Ein bedeu­ten­der Teil der ständi­gen aus­ländis­chen Wohn­bevölkerung gehört der zweit­en, ja sog­ar der drit­ten Gen­er­a­tion an. Rund ein Vier­tel von ihnen ist hier geboren und mehr als die Hälfte wohnt seit zehn Jahren oder länger in der Schweiz. Fast die Hälfte der Ehen in der Schweiz wird zwis­chen Part­ner­in­nen und Part­nern unter­schiedlich­er Nation­al­ität geschlossen.Eine gefährdete Gruppe Rund 13 Prozent der Men­schen in unserem Land leben an der Armutsgren­ze. Nach Zahlen des Bun­de­samts für Sta­tis­tik sind Per­so­n­en mit Migra­tionsh­in­ter­grund sig­nifikant stärk­er armutsge­fährdet als Schweiz­erin­nen und Schweiz­er. Der Car­i­tas-Mitar­beit­er und Leit­er der Fach­stelle Diakonie der Aar­gauer Lan­deskirche, Markus Schmid, bestätigt den Zusam­men­hang von Migra­tion und Armut: «Migranten sind eine armutsge­fährdete Gruppe». Men­schen, die in die Schweiz ein­wan­derten, vere­in­ten oft mehrere armutsfördernde Risiko­fak­toren auf sich, erk­lärt er. Man­gel­hafte Sprachken­nt­nisse machen die Arbeitssuche schwierig, Gross­fam­i­lien haben Mühe, eine bezahlbare Woh­nung zu find­en.Dauerthe­ma Migra­tionspoli­tik Die Schweiz beschäftigt sich inten­siv mit ihrer Migra­tionspoli­tik, wobei sich die Debat­ten derzeit haupt­säch­lich um die Per­so­n­en­freizügigkeit drehen. Anhand von drei Abstim­mungen, der Massenein­wan­derungsini­tia­tive, der Ecopop-Ini­tia­tive und der Aus­dehnung der Per­so­n­en­freizügigkeit auf Kroa­t­ien wird heftig über eine allfäl­lige Ein­gren­zung der Zuwan­derung und mögliche Wege dahin disku­tiert. Immer wieder wer­den die Ein­wan­dern­den für hiesige struk­turelle Prob­leme wie man­gel­nde bezahlbare Woh­nun­gen, Defizite bei den Sozialver­sicherun­gen oder erhöhte Arbeit­slosigkeit ver­ant­wortlich gemacht.Hohe Beschäf­ti­gungsrate Die Schweiz ist ein Ein­wan­derungs­land. Zusam­men mit Lux­em­burg erlebte sie im Jahr 2011 im Ver­hält­nis zur Bevölkerung die höch­ste Zuwan­derung aller OECD-Län­der. Aber es sind auch diese bei­den Län­der, die finanziell am meis­ten durch ihre Ein­wan­dern­den gewin­nen. In der Schweiz steigerten die Migran­tinnen und Migranten die staatlichen Net­toein­nah­men im Jahr 2011 um bis zu 11 Mil­liar­den Franken. Die neuen Ein­wan­dern­den sind über­pro­por­tion­al im Erwerb­salter und haben eine hohe Beschäf­ti­gungsrate, vere­in­facht gesagt: sie arbeit­en viel und tra­gen zum Wohl­stand der Schweiz entschei­dend bei.Zen­trale Frage der Innen­poli­tik Die Schweiz­er Migra­tionspoli­tik ist seit jeher zum grossen Teil das Ergeb­nis der Schweiz­er Wirtschafts- und Arbeits­mark­t­poli­tik. Nichts­destotrotz ste­hen die Migra­tions- und Wirtschaft­spoli­tik immer wieder in einem Span­nungsver­hält­nis zueinan­der. Dies ist nicht neu, wie ein Blick zurück zeigt. Zuwan­derung ist ein Dauerthe­ma in der Schweiz­er Innen­poli­tik. Bere­its in der Nachkriegszeit war die Ein­wan­derungspoli­tik eine zen­trale Frage. Die inten­sive Rekru­tierung von Gas­tar­beit­ern wurde zwis­chen 1965 und 1972 von drei Über­frem­dungsini­tia­tiv­en begleit­et, die alle­samt das Ziel ver­fol­gten, den Aus­län­der­an­teil an der schweiz­erischen Wohn­bevölkerung zu reduzieren. Obwohl von der Stimm­bevölkerung mit 54 Prozent abgelehnt, gilt die Schwarzen­bach-Ini­tia­tive 1970 als Wen­depunkt der Schweiz­erischen Migra­tionspoli­tik. Ein­er­seits führte der Bun­desrat Ein­wan­derungsquoten ein und ander­er­seits beschnitt er die Rechte der Immi­granten noch mehr: Die Stelle zu wech­seln war erst nach einem Jahr erlaubt, erst nach drei Jahren durften die Gas­tar­beit­er in einem andern Kan­ton arbeit­en oder einen anderen Beruf ausüben. Um die Ein­wan­derung sys­tem­a­tisch zu kon­trol­lieren, führte das dama­lige Bun­de­samt für Aus­län­der­fra­gen 1973 das zu jen­er Zeit aufwändig­ste sta­tis­tis­che Instru­ment ein: das Zen­tral­reg­is­ter ZAR, mit dem Aus­län­der erfasst wer­den kon­nten. Im Laufe der siebziger Jahre sank der Aus­län­der­an­teil in der Schweiz, denn als Auswirkung der Ölkrise gin­gen in der Schweiz 340 000 Arbeit­splätze ver­loren. 228 000 (67 Prozent der Ent­lasse­nen) waren Aus­län­der, die in ihre Heimat zurück­kehren mussten. Viele ver­fügten über keine Arbeit­slosen­ver­sicherung. Auf diese Weise exportierte die Schweiz ihre Arbeit­slosigkeit.Drei-Kreise-Mod­ell In den 90-er Jahren wurde die Beziehung zur EU zum bren­nen­den innen­poli­tis­chen The­ma. Da die EU eine verbesserte soziale und rechtliche Stel­lung für ihre Staats­bürg­er ver­langte, wurde der Beitritt zum Europäis­chen Wirtschaft­sraum EWR als Prüf­stein für die Zulas­sungspoli­tik gese­hen. Frem­den­feindliche Kräfte erhiel­ten von neuem Auftrieb, so dass der Bun­desrat 1992 in seinem Bericht über Extrem­is­mus in der Schweiz besorgt fest­stellte, angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Prob­leme wür­den die Aus­län­der immer mehr zu Sün­den­böck­en gemacht. Um die EU-Forderun­gen nach Besser­stel­lung ihrer Bürg­erin­nen und Bürg­er zu erfüllen, führte die Schweiz das Drei-Kreise-Mod­ell ein. Es beruhte auf der Annahme, die Schweiz­er Aus­län­der­poli­tik habe nicht nur die Anzahl Aus­län­der, son­dern auch die kul­turelle Dis­tanz zu beacht­en, die für die Angst vor Über­frem­dung ver­ant­wortlich sei. Ob aus­ländis­che Arbeit­nehmerin­nen und Arbeit­nehmer in die Schweiz zuge­lassen wür­den, hing kün­ftig davon ab, ob sie aus einem der Schweiz nahe ste­hen­den Kul­turkreis kamen. Die Ein­schätzung, was denn einen «nahe ste­hen­den Kul­turkreis» aus­macht, stützte sich auf Stereo­typen: Zum inneren Kreis zählte die EU und EFTA, für die for­t­an die volle Per­so­n­en­freizügigkeit galt, zum mit­tleren Kreis gehörten die USA, Kana­da und die osteu­ropäis­chen Län­der und zum äusseren Kreis alle andern, die nur in Aus­nah­me­fällen zuge­lassen wur­den. Die Auswirkun­gen waren sofort spür­bar: Ein­wan­dernde aus Jugoslaw­ien wur­den vom zweit­en in den drit­ten Kreis zurück­ver­set­zt und von der Rekru­tierung als Saison­niers aus­geschlossen. Die neu gegrün­dete Eid­genös­sis­che Kom­mis­sion gegen Ras­sis­mus sowie zivilge­sellschaftliche und kirch­liche Organ­i­sa­tio­nen kri­tisierten das Drei-Kreise-Mod­ell als ras­sis­tisch. Aber auch Unternehmen, die sich qual­i­fiziertes Per­son­al ausser­halb Europas wün­schen, waren nicht zufrieden.Zeit bis 2017 Durch die Ein­führung des freien Per­so­n­en­verkehrs mit der EU im Jahr 2002 verbesserte sich die rechtliche und soziale Sit­u­a­tion von Migran­tinnen und Migranten aus der EU. Das Saison­nier­statut galt offiziell als abgeschafft. Allerd­ings beste­hen mit Kurz- und Saisonaufen­thal­ten nach wie vor prekäre Aufen­thaltsstatute. Bürg­erin­nen und Bürg­er ausser­halb der EU wur­den unter der Aus­län­derge­set­zge­bung benachteiligt. Die legalen Zugangsmöglichkeit­en wur­den für sie klein­er. Wo ste­hen wir heute? Die Annahme der Mas­sein­wan­derungsini­tia­tive am 9. Feb­ru­ar 2014 war für viele ein Schock. Dies zeigte die eine Woche später stat­tfind­ende Kundge­bung «Für eine offene und sol­i­darische Schweiz», an der 12 000 Men­schen auf dem Bun­de­splatz teil­nah­men. Gle­ich nach der Abstim­mung begann auch der «Kampf um Kontin­gente» der ver­schiede­nen Wirtschaft­szweige. Kein­er will auf «seine Aus­län­der» verzicht­en. Und so wird immer deut­lich­er, dass es selb­st den Ini­tianten nicht wirk­lich um Höch­stzahlen und Kontin­gente geht, son­dern haupt­säch­lich um die Bewirtschaf­tung des The­mas «Aus­län­der». Noch bis 2017 hat die Schweiz Zeit, eine Lösung zu suchen, die sowohl von der EU als auch im Inland akzep­tiert wird.Prekäre Lebenssi­t­u­a­tio­nen verbessern Abge­se­hen von diesem Seilziehen bietet die gegen­wär­tige Sit­u­a­tion die Chance, grundle­gende Prob­leme in der Schweiz anzuge­hen. Denn die Diskus­sion um die Zuwan­derung ist nur die Spitze des Eis­bergs von drin­gend anste­hen­den Auf­gaben. Migra­tionspoli­tik bedeutet darum vor allem, prekäre Lebenssi­t­u­a­tio­nen zu verbessern und soziale Rechte, unab­hängig von der Herkun­ft, zu stärken. Zu den prekären Lebenssi­t­u­a­tio­nen: Selb­st der ehe­ma­lige Arbeit­ge­berver­band­spräsi­dent plädiert dafür, die in der Schweiz gel­tenden Arbeits­be­din­gun­gen seien einzuhal­ten, die Vere­in­barkeit von Beruf und Fam­i­lie zu fördern und die Beschäf­ti­gung älter­er Arbeit­nehmender zu einem Bestandteil der Per­son­alpoli­tik zu machen. Dazu gehören, nimmt man diese Voten ernst, exis­ten­zsich­ernde Löhne, ein gut aus­ge­bautes Ange­bot für flächen­deck­ende Kinder­be­treu­ung samt ein­er qual­i­ta­tiv guten Frühen Förderung sowie flex­i­ble Arbeitsmod­elle und Teilzeitar­beit auch für Män­ner, um die unbezahlte Betreu­ungsar­beit bess­er aufteilen zu kön­nen. Unternehmen ste­hen in der Pflicht, allen ihren Arbeit­nehmenden regelmäs­sig angepasste Weit­er­bil­dun­gen zu gewähren, damit sie in einem sich schnell verän­dern­den Arbeit­sum­feld mithal­ten kön­nen. Ger­ade wieder wurde es ver­passt, Let­zteres im Weit­er­bil­dungs­ge­setz umzuset­zen.Zahlbare Nach­hol­bil­dung  In unserem Land leben zudem tausende von Migran­tinnen und Migranten mit einem Beruf­s­ab­schluss, der in der Schweiz nicht anerkan­nt ist. Sie ver­richt­en Tätigkeit­en in Niedriglohnsek­toren, wofür sie unter­bezahlt und überqual­i­fiziert sind. Für sie braucht es erre­ich­bare und zahlbare Nach­hol­bil­dun­gen. Und ger­ade im Niedriglohn­bere­ich arbeit­en auch bis zu 250 000 Sans-Papiers, viele in pri­vat­en Haushal­ten unter sehr prekären Bedin­gun­gen. Sie wer­den gebraucht in der Schweiz und sollen darum beim Vor­weisen eines Arbeit­splatzes oder nach ein­er gewis­sen Dauer in der Schweiz einen reg­ulären Aufen­thaltssta­tus erhal­ten. Prekäre Sit­u­a­tio­nen schaf­fen auch zunehmend die steigen­den Mieten, die für viele Men­schen einen grossen Teil des Haushalts­bud­gets aus­machen. Die Förderung von gün­stigem Wohn­raum würde Mark­t­mech­a­nis­men auf dem Woh­nungs­markt eindäm­men und tut drin­gend not.Wertvolle Frei­willige Zum Son­ntag der Car­i­tas Aar­gau stellt das Hil­f­swerk eine Liturgiemappe sowie Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zum The­ma «Migra­tion und Armut» zur Ver­fü­gung. «Migra­tionspoli­tik bedeutet vor allem, prekäre Lebenssi­t­u­a­tio­nen zu verbessern und soziale Rechte, unab­hängig von der Herkun­ft, zu stärken.», schreibt darin Mar­i­anne Hochuli, Lei­t­erin Grund­la­gen bei Car­i­tas Schweiz. Sie fordert erre­ich­bare und bezahlbare Nach­hol­bil­dun­gen für Migran­tinnen und Migranten mit einem Beruf­s­ab­schluss, der in der Schweiz nicht anerkan­nt ist. Auch für die bis zu 250 000 Sans-Papiers, welche im Niedriglohn­bere­ich in pri­vat­en Haushal­ten arbeit­en, fordert Car­i­tas Schweiz beim Vor­weisen eines Arbeit­splatzes oder nach ein­er gewis­sen Dauer in der Schweiz einen reg­ulären Aufen­thaltssta­tus. Car­i­tas Aar­gau ist ein eigen­ständi­ges katholis­ches Hil­f­swerk, welch­es seine Tätigkeit aus Beiträ­gen der Lan­deskirche und der Kirchge­mein­den, aus Aufträ­gen, Beiträ­gen Drit­ter, Opfern, Spenden und Legat­en finanziert. Die Car­i­tas Aar­gau unter­stützt Armuts­be­trof­fene in unserem Kan­ton mit Beratung und finanzieller Über­brück­ung­shil­fe oder Fam­i­lien durch Ver­mit­tlung von frei­willi­gen Patin­nen und Pat­en. Car­i­tas Aar­gau kann auf das Fach­wis­sen ihrer über 20 Mitar­bei­t­en­den zählen. Dazu kom­men etwa 230 Frei­willige – ein Drit­tel Män­ner, zwei Drit­tel Frauen — die sich unent­geltlich für die soziale Inte­gra­tion von Men­schen ein­set­zen. Im Durch­schnitt leis­ten diese Frei­willi­gen 49 Ein­satz-Stun­den pro Per­son. Ohne ihre Mitar­beit wäre die bre­ite Hil­fe von Car­i­tas Aar­gau nicht möglich.Das tut die Car­i­tas Neb­st dem Ein­treten für grundle­gende Recht­en für Asyl­suchende möchte Car­i­tas einen Beitrag leis­ten zum gegen­wär­ti­gen (Migrations-)-Diskurs aus der Enge. Die Arbeit von Car­i­tas hat das Ziel, die soziale Inte­gra­tion von Men­schen in prekären Lebenssi­t­u­a­tio­nen zu verbessern. Dabei hil­ft Car­i­tas allen Men­schen, unab­hängig von Nation­al­ität und Weltan­schau­ung.Deutschkurse Die Sprache ist ein wesentlich­er Bestandteil der Inte­gra­tion und nicht sel­ten der erste Schritt. Bei den Deutschkursen ler­nen Ein­steigerin­nen und Ein­steiger, sich in All­t­agssi­t­u­a­tio­nen zu ver­ständi­gen. Zudem erhal­ten sie Infos zu wichti­gen Regeln in der Schweiz­er Gesellschaft. Der Kurs motiviert und befähigt die Teil­nehmenden, einen weit­er­führen­den Deutschkurs oder andere Weit­er­bil­dun­gen zu besuchen. An eini­gen Stan­dorten bietet Car­i­tas auch eine Kinder­be­treu­ung für Müt­ter mit Kleinkindern an.Paten­schaft­spro­jekt «mit mir» In der Schweiz sind rund 260‘000 Kinder von Armut betrof­fen. Ein Kinobe­such, Ferien am Meer und andere Freizeitvergnü­gen bleiben ihnen oft ver­wehrt, für die Kosten von Musikun­ter­richt und Sportvere­in kön­nen die Eltern nicht aufkom­men. Die Sit­u­a­tion in der Fam­i­lie ist auf­grund der finanziellen Eng­pässe belastet, den Eltern fehlt oft die Kraft, ihre Kinder zu fördern und ihnen eine kreative Freizeit zu bieten. Die Kinder kön­nen deshalb ihre Fähigkeit­en nicht entwick­eln. Das Pro­jekt «mit mir» hil­ft Kindern und Eltern, aus der Sit­u­a­tion auszubrechen. Es ver­mit­telt Frei­willige an die betrof­fe­nen Fam­i­lien und betreut sie auf dem gemein­samen Weg. Ein bis zwei Mal im Monat ver­brin­gen die Patin­nen und Pat­en einen hal­ben oder ganzen Tag mit ihrem Patenkind. Sie unternehmen kleine Aus­flüge, besuchen ein Muse­um, gehen spazieren, lesen Geschicht­en vor oder back­en einen Kuchen. Das bere­it­et viel Freude und erweit­ert den Hor­i­zont. Durch die ungeteilte Aufmerk­samkeit wird das Selb­stver­trauen der jun­gen Men­schen gestärkt und die Eltern bekom­men eine oft drin­gend benötigte Atem­pause.Eltern­bil­dung­spro­jekt schul­start+ Kinder aus Migranten­fam­i­lien sind beim Ein­tritt in den Kinder­garten und später in die Pri­marschule mit sprach­lichen und kul­turellen Hin­dernissen kon­fron­tiert. Die Fol­gen eines benachteiligten Starts ziehen sich dann oft über die gesamte Schulzeit hin. Mit schul­start+ bere­it­et Car­i­tas Migranten­fam­i­lien mit zwei- bis fünfj.hrigen Kindern auf die Schulzeit vor. Die Eltern besuchen in ihrer jew­eili­gen Gemeinde einen Kurs, wo sie das Schul­sys­tem sowie Förder- und Betreu­ungsange­bote in der Schweiz ken­nen ler­nen. Sie erhal­ten Infor­ma­tio­nen darüber, wie sie ihre Kinder während der Schulzeit unter­stützen kön­nen. Die Kinder wer­den spielerisch auf den Ein­tritt in den Kinder­garten vor­bere­it­et und besuchen Bas­tel- und Spiel­nach­mit­tage. schul­start+ schlägt eine Brücke zwis­chen Fam­i­lien und Gemein­den. Der Kurs stellt durch den Besuch von Spiel­grup­pen, Bib­lio­theken, Schule oder Beratungsstellen per­sön­liche Kon­tak­te zwis­chen Migranten­fam­i­lien und Ange­boten in den Gemein­den her. So kön­nen Äng­ste und Vor­be­halte abge­baut und die Zusam­me­nar­beit gefördert wer­den, was wichtige Voraus­set­zun­gen für eine gelun­gene Inte­gra­tion sind.Zugang zu Bil­dung, Kul­tur und Sport mit der Kul­turLe­gi Die Kul­turLe­gi ermöglicht Per­so­n­en mit einem gerin­gen ver­füg­baren Einkom­men ermäs­sigten Zugang zu Bildungs‑, Kul­tur- und Sportange­boten. Zahlre­iche pri­vate und öffentliche Organ­i­sa­tio­nen akzep­tieren die Kul­turLe­gi und gewähren den Inhab­erin­nen und Inhab­ern 30 bis 70 Prozent Rabatt auf über 1200 Ange­bote. Zum Beispiel auf die Kurse der Migros-Klub­schulen, die Jahresa­bos von Zeitun­gen und Zeitschriften oder die Auslei­hge­bühren viel­er Gemein­de­bib­lio­theken. Von der Kul­turLe­gi prof­i­tieren Kinder ab fünf Jahren und Erwach­sene. Voraus­set­zung ist, dass sie nach­weis­lich am oder unter dem Exis­tenzmin­i­mum leben. Dazu gehören zum Beispiel Work­ing Poor sowie Per­so­n­en, die durch Sozial­hil­fe, Asylfür­sorge oder Zusat­zleis­tun­gen zu AHV/IV unter­stützt wer­den. In der ganzen Schweiz sind zurzeit über 40’000 Kul­turLegis im Umlauf.    Mar­i­anne Hochuli, Lei­t­erin Grund­la­gen bei Car­i­tas Schweiz / mca Der Ein­stieg­s­text und alle Zahlen stam­men aus dem Car­i­tas-Sozialal­manach 2014 mit dem Titel «Here­in. Alle(s) für die Zuwan­derung». Dort find­en sich auch viele weit­er­führende Infor­ma­tio­nen, Lebens­geschicht­en und Anre­gun­gen zur Diskus­sion.
Marie-Christine Andres Schürch
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