Was Petrus und Paulus mit uns gemeinsam haben

Was Petrus und Paulus mit uns gemeinsam haben

Die Apos­tel Petrus und Paulus mit dem Chris­tus­mono­gramm Chi-Rho, Gravur in der Hip­polyt-Katakome in Rom, 4. Jh.

Nur sel­ten wech­sle ich das vorgegebene Tage­se­van­geli­um. Doch am let­zten Son­ntag im Juni habe ich es getan. Denn gle­ich am fol­gen­den Mon­tag war das Hochfest der Heili­gen Petrus und Paulus – unser­er Kirchen­pa­trone. So
feierten wir dieses Fest ein­fach einen Tag vor dem eigentlichen Ter­min.

Petrus und Paulus haben unseren Glauben und die junge Kirche geprägt wie kaum
andere. Und doch kön­nten die bei­den Heili­gen unter­schiedlich­er nicht sein. Der eine: ein Mann aus dem Volk, ein Fam­i­lien­vater und Fis­ch­er vom See Genezareth. Er geht mit Jesus prak­tisch von der ersten Stunde an. Trotz­dem bleibt er ein Zweifel­nder, ja sog­ar ein Kle­ingläu­biger (vgl. Mt 14,31), und ein Ängstlich­er, der Jesus sog­ar ver­leugnet (vgl. Mt 26,70). Erst nach Ostern wächst er über sich hin­aus.

Auf der anderen Seite ste­ht Paulus: ein gebilde­ter The­ologe und Phar­isäer aus gutem Haus, sog­ar mit römis­chem Bürg­er­recht. Er war jedoch gar kein Zwei­fler, son­dern ein Übereifriger. Mit grossem Elan ver­fol­gte er die jun­gen christlichen Gemein­den, die für ihn Abtrün­nige waren (vgl. Gal 1,13). Bis er vom hohen Ross fällt und seine eigene Blind­heit erken­nt (vgl. Apg 22,7). Er zieht sich für drei Jahre zurück und kehrt als überzeugter Christ zurück.

Bei­de wur­den Apos­tel, also Gesandte Gottes: trotz ihrer Geschichte, trotz ihrer Fehler und Schwächen. Oder vielle­icht sog­ar ger­ade wegen ihrer Fehler und Schwächen? Heilige sind näm­lich keine Engel, und per­fekt schon gar nicht. Heilige sind Men­schen, die sich von Gott und von Chris­tus berühren lassen und sich mit dem, was sie haben und sind, auf den Weg machen. Die Geschichte von Petrus und Paulus darf uns Mut machen, dies an den
Orten, an denen wir leben, auch zu tun.

Ein Sprich­wort fasst es tre­f­fend zusam­men: «Gott beruft nicht die Fähi­gen, son­dern
befähigt die Berufe­nen.»

Er beruft auch Sie und mich.

Text: Diakon Mar­tin Brun­ner-Artho
Bild: Wiki Com­mons

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