Vom Urlaub zur “Musse”

Der Som­mer ist da, doch oft machen wir aus den Ferien nur neuen Stress: Kof­fer pack­en, To-Do-Lis­ten abar­beit­en und im Stau ste­hen. Wir fliehen vor dem All­t­ag direkt in den Freizeit-Stress. Aber echte Erhol­ung sieht anders aus.

Die alten Römer sahen das otium (die Musse) als den edlen Zus­tand des Men­schen. Das Wort für Arbeit, negotium (das Geschäft), bedeutete wörtlich ein­fach Nicht-Musse. Die Arbeit war also nur eine Unter­brechung der freien Zeit!

Dieser Gedanke wird im deutschsprachi­gen Raum mit dem Begriff „Musse“ aus­ge­drückt: eine wertvolle Zeit für die Seele. Seine Wurzeln gehen jedoch noch weit­er zurück, bis in die Welt der Bibel. Schon in der Schöp­fungs­geschichte ruht Gott am siebten Tag, um das Werk sein­er Hände zu betra­cht­en. Auch Jesus lädt im Evan­geli­um zum Innehal­ten ein: Kommt alle zu mir, die ihr müh­selig und beladen seid! Ich will euch erquick­en (Mt 11,28). Das Aus­ruhen ist im Chris­ten­tum die Voraus­set­zung, um Gott wieder bewusst wahrzunehmen.

Freizeit ist kein leeres Loch, das wir füllen müssen. Sie ist ein Raum für drei wesentliche Begeg­nun­gen. Mit uns selb­st: Das Smart­phone auss­chal­ten, die Stille geniessen und auf die eige­nen Gedanken hören. Mit den Mit­men­schen: Den Lieb­sten Zeit schenken, ein tiefes Gespräch, ein echt­es Zuhören. Mit der Schöp­fung: Vor den Bergen oder am Meer innehal­ten und staunen.

Wenn es uns gelingt, unseren Urlaub auf diese Weise zu gestal­ten, kön­nen wir uns wirk­lich erholen und sind bere­it, gestärkt in den All­t­ag zurück­zukehren. Ein geseg­neter Urlaub braucht keine per­fek­ten To-do-Lis­ten oder staufreie Auto­bah­nen, son­dern Tage voller echter Erhol­ung. Nur so gelingt es uns, der Rou­tine zu ent­fliehen und zu uns selb­st im All­t­ag zurück­zufind­en. Nicht nur aus­geruhter, son­dern auch men­schlich­er.

Text: Mar­co Nuz­zo, Pfar­reiseel­sorg­er
Foto: Pix­abay

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