Sonnenwende — Zeitenwende
In Kernave, der ältesten bekannten Hauptstadt Litauens, feiern Menschen in der Nacht vom 23. Juni bis 24. Juni die Johannisnacht mit Feuern, die Gewitter, Hagelschlag und Viehsterben vertreiben sollen.
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Sonnenwende — Zeitenwende

Am 24. Juni ist der Gedenktag Johannes' des Täufers

Sonnenwende in der Mitte des Jahres, Zeitenwende in der Geburt Jesu - das Fest der Geburt von Johannes dem Täufer verbindet Kosmos und Geschichte.

Kurz nach dem läng­sten Tag des Jahres feiert die katholis­che Kirche die Geburt Johannes des Täufers. Der Johan­nistag am 24. Juni ist ein Hochfest, das in enger Verbindung ste­ht zur Som­mer­son­nen­wende, die zwis­chen dem 20. und dem 22. Juni stat­tfind­et. Die bib­lis­che Basis für das Fest find­et sich im Luka­se­van­geli­um, in der Aus­sage des Engels bei der Verkündi­gung an Maria, dass Elis­a­beth, die Mut­ter des Täufers, bere­its im 6. Monat schwanger sei (Lk 1,36). Das Fest der Geburt Johannes des Täufers befind­et sich nicht zufäl­lig am ent­ge­genge­set­zten Ende des Jahreskreis­es zum Wei­h­nachts­fest am 25. Dezem­ber. Denn wenn die Sonne am höch­sten ste­ht, wen­det sich das Jahr.

«Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden»

«Er muss wach­sen, ich aber muss klein­er wer­den», sagte Johannes der Täufer zu den Jüngern, die sich über Jesus, den ver­meintlichen Konkur­renten des Täufers, beklagten (Joh 3,30). The­ol­o­gisch gese­hen wird so die Zeit in ihren kos­mis­chen Wende- und Hal­tepunk­ten mit dem Leben des irdis­chen Jesus verknüpft. Die Erfahrung des abnehmenden und zunehmenden Licht­es spielt also nicht nur für die chris­tol­o­gis­che Deu­tung eines jeden Tages eine Rolle, son­dern auch und in beson­der­er Weise für die des Jahres. Die bib­lis­che Licht­metaphorik verbindet sich organ­isch mit der unmit­tel­baren kos­mis­chen Erfahrung. Das Hochfest der katholis­chen Kirche geht bis ins 4. Jahrhun­dert zurück. Das deutet darauf hin, dass es die Kirche bei ihrer Aus­bre­itung in andere Kul­turen ver­stand, das vorchristliche Brauch­tum zur Som­mer­son­nen­wende aufzu­greifen und gle­ich­sam zu «taufen».

Johannisfeuer

In vie­len Län­dern Europas hat sich ein aus­geprägtes Brauch­tum um den Fest­tag herum entwick­elt. Zu den Bräuchen zählte in der Johan­nis­nacht der Tanz um das Johan­n­is­feuer. Das Feuer sym­bol­isiert Licht und Sonne. Dem Volks­glauben nach sollte das Johan­n­is­feuer böse Dämo­nen und Hagelschä­den abwehren. Johan­n­is­feuer sind vor allem in Skan­di­navien, den baltischen Staat­en und in Deutsch­land Teil des lebendi­gen Brauch­tums. Das Feuer wird meist in der Nacht vor dem Johan­nistag angezün­det. Vor allem auf Bergen ist es ein altes Sym­bol für die Sonne und damit für Chris­tus. Eine Entste­hungs­the­o­rie zu den Schweiz­er Höhen­feuern am 1. August besagt, dass diese eben­falls auf die Mitt­som­mer­feuer zurück­ge­hen. So schreibt auch das litur­gis­che Insti­tut der Schweiz: «Die ein­sti­gen Johan­n­is­feuer sind in der Schweiz meist in die 1. August-Feuer aufge­gan­gen.»

Johanniskranz

Dem Johan­niskraut, das um diese Jahreszeit blüht, schrieb man Abwehreigen­schaften gegen Geis­ter und Teufel zu. Die Johan­nis­beere hat ihren Namen, weil sie um diesen Tag ihre Reife erre­icht. Bekan­nt ist vor allem im Baltikum der Brauch junger Mäd­chen den Johan­niskranz aus Blu­men und Kräutern zu flecht­en. Der tra­di­tionelle Johan­niskranz beste­ht aus Bär­lapp, Bei­fuss, Eichen­laub, Farnkraut, Johan­niskraut, Klatschmohn, Korn­blu­men, Lilien, Rit­ter­sporn und Rosen.

Stärker als der Tod

Das Johan­n­is­feuer erhält seine Kraft aus dem Oster­feuer, dem Zeichen für den Sieg des Lichts über die Dunkel­heit, des Lebens über den Tod. Ger­ade wenn die Erfahrung des Klein­er-Wer­dens sich ein­stellt, dür­fen Chris­ten hof­fen: «Und das Licht leuchtet in der Fin­ster­n­is, und die Fin­ster­n­is hat es nicht erfasst… Aus sein­er Fülle haben wir alle emp­fan­gen, Gnade über Gnade.» (Joh 1,5.16).

Johannes der Täufer im Aar­gau

Die drei Aar­gauer Pfar­reien Dot­tikon, Laufen­burg und Mellin­gen verehren Johannes den Täufer als Kirchen­pa­tron.

 

Marie-Christine Andres Schürch
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