Sommerserie Teil 1 – «Grüner Güggel» im Aargau

Sommerserie Teil 1 – «Grüner Güggel» im Aargau

  • Der erste Teil der Hor­i­zonte-Som­merserie «Kirche und Kli­ma» wid­met sich dem kirch­lichen Umweltzer­ti­fikat «Grün­er Güggel».
  • Am ver­gan­genen Son­ntag wur­den die ersten Kirchge­mein­den im Kan­ton mit dem Umwelt­la­bel zer­ti­fiziert – ein Etap­pen­ziel.
  • Wie man den Grü­nen Güggel bekommt und wie kirch­lich­es Umwelt­man­age­ment ausse­hen kann, zeigt das Beispiel des Pas­toral­raums Region Brugg-Windisch.
Nach drei Stun­den kon­nte Iris Bäriswyl endlich aufat­men. So lange hat­te der kirch­liche Umwel­tre­vi­sor Diet­mar Cords im Katholis­chen Kirchen­zen­trum Schinz­nach-Dorf Küchen­schränke inspiziert, Putzmit­tel geprüft und die Abfall­tren­nung unter die Lupe genom­men. Dann set­zte der kirch­liche Umwel­tre­vi­sor seine Unter­schrift unter die Gültigkeit­serk­lärung des Umwelt­berichts.

Aargauer Konvoi hat die erste Etappe gemeistert

Damit war für Iris Bäriswyl, die Umwelt­beauf­tragte des Pas­toral­raums Region Brugg-Windisch, und ihr Team ein wichtiges Etap­pen­ziel erre­icht: Am Son­ntag, 28. Juni, kon­nte der Pas­toral­raum für sein Umwelt­man­age­ment den Grü­nen Güggel ent­ge­gen­nehmen. In der katholis­chen Kirche von Windisch fand die gemein­same Zer­ti­fizierungs­feier des «1. Aar­gauer Kon­vois» statt. Neben dem Pas­toral­raum Region Brugg-Windisch haben auch die Pfar­rei Heilige Fam­i­lie Schöft­land, der Pas­toral­raum Region Lenzburg sowie der Ver­wal­tungs- und Fach­stel­len­stan­dort der Römisch-Katholis­chen Kirche im Aar­gau an der Feer­strasse 8 in Aarau ihr Umweltzer­ti­fikat erhal­ten. Damit beträgt die Zahl der zer­ti­fizierten Kirchge­mein­den in der Schweiz neu 27.

Hoffnung für die nächste Generation

Die Mitar­beit­er des Vere­ins oeku Kirche und Umwelt, der für die Zer­ti­fizierung ver­ant­wortlich ist, über­re­icht­en den Umwelt­teams der vier Insti­tu­tio­nen die Zer­ti­fikate zusam­men mit ein­er gold­e­nen Met­allplakette, die am Kirchenge­bäude ange­bracht wer­den kann. «Nun geht es darum, eure Anstren­gun­gen nach Aussen zu tra­gen», sagte Hans Schilling, der Präsi­dent der Kirchenpflege Brugg. «Denn Grün bedeutet Hoff­nung – Hoff­nung für die kom­mende Gen­er­a­tion.»

In Gedanken barfuss gehen

Der Son­nenge­sang des Heili­gen Franz von Assisi stand im Mit­telpunkt der Feier in Windisch. Pas­toral­raum­leit­er Simon Meier beze­ich­nete die Schöp­fung als «fün­ftes Evan­geli­um, in dem die liebevolle Sorgfalt Gottes abge­bildet ist.» Die Lei­t­erin der Fach­stelle Bil­dung und Prop­stei, Clau­dia Men­nen, lud die Gläu­bi­gen ein, sich «in Gedanken bar­fuss medi­tierend auf den Weg zu machen» durch fünf Sta­tio­nen im Altar­raum. Jede Sta­tion nahm einen Vers aus dem Son­nenge­sang des Heili­gen Franz von Assisi auf.

Wichtiges Mosaiksteinchen

«Die Bewahrung der Schöp­fung ist eine der Kern­botschaften des Evan­geli­ums», sagte Kirchen­rat­spräsi­dent Luc Hum­bel in der Eröff­nungsrede. Papst Franziskus habe die The­matik in sein­er Enzyk­li­ka «Lauda­to si’» schon Jahre vor der Klimabe­we­gung aufgenom­men. In der selb­stver­schulde­ten Glaub­würdigkeit­skrise, in der die Insti­tu­tion Kirche stecke, sei der nach­haltige Umgang mit Ressourcen ein klein­er Schritt auf dem steini­gen Weg, die Glaub­würdigkeit wiederzuer­lan­gen. «Darum ist uns dieses Mosaik­steinchen wichtig.» Nun zäh­le er darauf, dass der Grüne Güggel Schule mache, «weil es kein­er Kirche, kein­er Pfar­rei aber auch keinem unter uns anste­ht, die Ressourcen nicht zu scho­nen», mah­nte der Kirchen­rat­spräsi­dent.

Nicht im Nachhinein klagen

Das Kri­teri­um der Glaub­würdigkeit ist auch dem kirch­lichen Umwelt­ber­ater Andreas Frei wichtig: «Der Grüne Güggel ist eine Wertschätzung für die Anstren­gun­gen im Umwelt­bere­ich und soll ein Glaub­würdigkeitsmerk­mal sein, kein Mar­ketin­gin­stru­ment.» Der reformierte Pfar­rer erk­lärt: «Der Name des Umwelt­la­bels Grün­er Güggel hat seinen Ursprung in der bib­lis­chen Pas­sion­s­geschichte. Petrus ver­leugnet Jesus dreimal. Erst als der Hahn kräht, wird ihm sein Ver­rat bewusst. Der Güggel soll uns Kirchen­mit­glieder daran erin­nern, dass wir die Schöp­fung nicht ver­rat­en und deswe­gen im Nach­hinein bit­ter­lich weinen müssen.» Das Konzept zum Grü­nen Güggel kommt aus Deutsch­land, wo unter dem Namen «Grün­er Gock­el» seit cir­ca 20 Jahren kirch­lich­es Umwelt­man­age­ment betrieben wird.

Aargauer Pioniere

«Ihr seid die ‹Grü­nen-Güggel-Pio­niere› im Aar­gau, das macht mich das stolz», verkün­dete Vroni Peter­hans in ihrer Lau­da­tio am ver­gan­genen Son­ntag. Die viel­seit­ig engagierte Kirchen­frau aus Kün­ten ist Präsi­dentin des Vere­ins oeku Kirche und Umwelt, der für das Umwelt­man­age­mentsys­tem Grün­er Güggel ver­ant­wortlich ist. Die vier Pio­niere hat­ten sich im Novem­ber 2018 im Kon­voi auf den Weg zum Grü­nen Güggel gemacht.Dabei entsch­ied jede Kirchge­meinde sel­ber, ob sie kün­ftig vor allem Energie oder Wass­er sparen, die Bio­di­ver­sität fördern, umwelt­fre­undlich einkaufen oder auf kon­se­quente Abfall­tren­nung acht­en will. Um den Grü­nen Güggel zu erlan­gen, muss sich eine Kirchge­meinde drei selb­st gewählte, mess­bare Ziele set­zen: «Darin unter­schei­det sich der Grüne Güggel von anderen Umwelt­la­bels, etwa vom Min­ergie-Label, dessen Anforderun­gen man entwed­er erfüllt oder nicht. Der Grüne Güggel hat rel­a­tive Ziele und will den Ist-Zus­tand verbessern», erk­lärt der kirch­liche Umwelt­ber­ater Andreas Frei. Er begleit­ete von Seit­en oeku Kirche und Umwelt den Pas­toral­raum Region Brugg-Windisch durch die erforder­lichen Schritte.

Gläubige sollen mitdenken

Erste Mass­nahme im Pas­toral­raum Region Brugg-Windisch sei gewe­sen, alle Pfar­rei-Mitar­beit­er über den Grü­nen Güggel zu informieren und alle Alter­sklassen, Beruf­s­grup­pen und Arbeits­grup­pen in den Prozess zu involvieren, erin­nert sich Iris Bäriswyl. So gelangte das Wis­sen in die ganze Pfar­rei. Der Umwelt­ber­ater Andreas Frei schätzt dieses Vorge­hen: «So kön­nen alle Mit­glieder mit­denken und Eigenini­tia­tive entwick­eln. Die Gemein­demit­glieder müssen die kleinen Verän­derungss­chritte mit­ge­hen, man soll die Gläu­bi­gen mit den Mass­nah­men nicht über­fordern.»

Theologische Komponente des Umweltschutzes

Papst Franziskus ver­band in sein­er Enzyk­li­ka «Lauda­to si’» die Prob­lematik der lei­den­den Umwelt mit der Prob­lematik des lei­den­den Men­schen. Der Grüne Güggel fordert zwar nicht in erster Lin­ie, Verzicht zu üben. Den­noch bein­hal­tet der Prozess hin zum Umwelt­la­bel eine ergiebige spir­ituelle Kom­po­nente. Andreas Frei verdeut­licht: «Die The­men Genügsamkeit und Glück führen direkt zum ‹Kerngeschäft› der Kirche. Es geht um die Suf­fizien­zfrage: Was macht mich wirk­lich glück­lich?» Der reformierte Pfar­rer fügt an: «Kon­sum wird es nicht sein.»

Umweltteams arbeiten weiter

Im Pas­toral­raum Region Brugg-Windisch erset­zte das Umwelt­team sämtlich­es Papi­er durch Papi­er mit dem «Blauen Engel», das zu 100 Prozent recycelt ist. «Ausser­dem über­legen wir bei jed­er Anschaf­fung, ob wir das Mate­r­i­al wieder ‹upcyceln› kön­nen», erk­lärt Iris Bäriswyl. Zusät­zlich erfasste das Umwelt­team den Ver­brauch jedes einzel­nen Gebäudes und set­zte sich das Ziel, diesen um 10 Prozent zu senken.In den kom­menden Monat­en gilt es, dranzubleiben. Die Umwelt­teams der zer­ti­fizierten Kirchge­mein­den bleiben beste­hen und arbeit­en an den Zie­len, die sie sich geset­zt haben. Jährlich gibt es ein internes Audit, in vier Jahren fol­gt die Reva­li­dierung und – hof­fentlich – die Rez­er­ti­fizierung. Die Auss­chrei­bung für den zweit­en Kon­voi ist in Arbeit. Er wird im Jan­u­ar 2021 starten.

Umweltbericht

Die Resul­tate des umfan­gre­ichen Prozess­es und die weit­eren Zielset­zun­gen des «Grü­nen Güggels» im Pas­toral­raum Region Brugg-Windisch sind im Umwelt­bericht zusam­menge­fasst, der hier herun­terge­laden wer­den kann.
Marie-Christine Andres Schürch
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