Nachgedacht: über
die Hitze und mehr

Nachgedacht: über die Hitze und mehr

«Man kann doch auf Dauer nicht leben von Kühlschränken, Finanzen und Kreuz­worträt­seln. Man kann es ein­fach nicht. Man kann doch nicht leben ohne Dich­tung, ohne Far­ben, ohne Liebe», schreibt Antoine de Saint-Exupéry.

Auf diese Worte bin ich zufäl­lig gestossen und sie haben etwas in mir angek­lickt.

Ja, bei dieser Hitze wäre es doch nicht schlecht von oder in Kühlschränken zu leben. Ich weiss, die Worte von Saint-Exupéry sind anders gedacht und sprechen etwas ganz anderes an. Trotz­dem set­zt diese Hitze uns zu. Wir sind es nicht gewohnt und sehnen uns nach Abküh­lung, nach einem leicht­en Wind, nach einem kühlen Bad im Pool oder im See. Sonne und Ferien, die bei vie­len vor der Türe ste­hen, passen bestens zusam­men, aber so eine Hitze! Ich habe meine bei­den Enkeltöchter gefragt, ob sie hitze­frei bekom­men in der Schule. Die Bez-Schü­lerin sagte: „Ja, von 4 bis 5 Uhr.“ Immer­hin! Die Fün­ftk­läss­lerin sagte: „Nein, kein hitze­frei. Die Lehrerin hat gesagt, dass wir dann jeden Tag denken wür­den, hitze­frei zu bekom­men.“ Inter­es­santes Argu­ment!

Vielle­icht gibt uns diese Hitze Gele­gen­heit, uns zurück­zuziehen, uns inner­lich neu zu ori­en­tieren, nach innen zu schauen und das Aussen etwas links liegen­zu­lassen.

Das führt mich zurück zu Saint-Exupéry: Wer sich Zeit nimmt, aufmerk­sam die Zeichen der Zeit zu beobacht­en, wird fest­stellen: Doku­men­ta­tio­nen und Filme haben Kon­junk­tur, vor allem jene, die das Leben als Ent­deck­ungsreise beschreiben. Ob in fik­tiv­en Wel­ten, ob im Innen­raum der eige­nen Seele, ob in fer­nen Kul­turen und Reli­gio­nen — es gilt, den Hor­i­zont zu weit­en und der eige­nen Lebenswahrheit auf die Spur zu kom­men. Da ist Rück­zug eine willkommene Gele­gen­heit, mich aufs Wesentliche zu besin­nen. Suchen wir doch ein schat­tiges Plätzchen oder bleiben in der küh­leren Woh­nung und nehmen uns Zeit für uns selb­st. Ich weiss von mir, dass das oft Wun­schdenken bleibt, doch die Gele­gen­heit ist gün­stig wie nie! Pro­bieren wir es doch aus!

Wir wis­sen aus eigen­er Erfahrung, dass uns im Aussen viele Ver­lock­un­gen auf Abwege führen kön­nen. Deshalb schrieb Augusti­nus: „Suche, was du suchst, aber nicht dort, wo du es suchst!“

Ein gutes Wort für uns: „Suche, was du suchst, aber nicht dort, wo du es suchst!“

Rita Wis­mann, Pfar­reiseel­sorg­erin

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