Im Osten nichts Neues: Stellungskrieg Wasserschloss

Im Osten nichts Neues: Stellungskrieg Wasserschloss

  • Seit Kirchenpflegepräsi­dent Daniel Ric ver­gan­genen Novem­ber die Kirchge­mein­de­v­er­samm­lung vorzeit­ig ver­liess (Hor­i­zonte berichtete), eskaliert der Kon­flikt in Geben­storf-Tur­gi. In der Kri­tik ste­hen Kirchenpflegepräsi­dent Daniel Ric und der als Seel­sorg­er angestellte Sal­va­to­ri­an­er­pa­ter Adam Ser­afin.
  • Eine mit­tler­weile gut 60-köp­fige Ini­tia­tiv­gruppe hat es sich zum Ziel geset­zt, die Kirchenpflege abzulösen, damit eine neue Kirchge­mein­deleitung auch den in der Kri­tik ste­hen­den Sal­va­to­ri­an­er­pa­ter ent­lassen kann.
  • Die Ini­tia­tiv­gruppe hoffte lange darauf, dass das Bis­tum die Sit­u­a­tion in ihrem Sinne bere­inige. Dieses jedoch ver­weist darauf, dass es alles Erforder­liche zur Kon­flik­tlö­sung getan habe.

Kom­men­tar
von Andreas C. Müller

Die Gegen­sätze in Geben­storf und Tur­gi sind nach etlichen Monat­en der­art unüber­brück­bar, dass wohl kaum noch eine ein­vernehm­liche Lösung gefun­den wer­den kann. Zahlre­iche Ver­mit­tlungsver­suche sind gescheit­ert. Selb­st Bir­men­storf hat die Nase voll und will sich aus dem beste­hen­den Seel­sorge­ver­band zurückziehen. Die Vor­würfe von Seit­en der pro­gres­siv­en Oppo­si­tion sind hap­pig – im Grunde unhalt­bare Zustände. Aber als Jour­nal­ist muss man abstrahieren kön­nen und wis­sen: Das ist nur die eine Seite der Wahrheit. Hört man sich vor Ort um, find­en sich dur­chaus Leute, die sich anerken­nend über die Arbeit von Daniel Ric und Pater Adam Ser­afin aussprechen. Und auch an den von mir stich­probe­nar­tig besucht­en Gottes­di­en­sten, die Pater Adam Ser­afin abhält, gibt es nichts auszuset­zen.

Umso unglück­lich­er, wie ins­beson­dere Daniel Ric mir gegenüber auf­trat, als ich anfragte, er möge doch zu den im Raum ste­hen­den Vor­wür­fen Stel­lung nehmen. Überzeugt, ich hätte genauestens über die Fas­nachts­demon­stra­tion gegen ihn, Pater Adam und dessen Anhänger Bescheid gewusst, forderte er, ich solle ihm die Ver­ant­wortlichen nen­nen. Anson­sten würde er meine Fra­gen nicht beant­worten. Dieses Spielchen lässt ver­muten, dass die von der Ini­tia­tiv­gruppe vorge­brachte Kri­tik bes­timmt nicht aus der Luft gegrif­f­en ist.

So oder so: Daniel Ric polar­isiert als Kirchenpflegepräsi­dent zu sehr. Für Führungsper­sön­lichkeit­en mit allzu schar­fen Eck­en und Kan­ten in Exeku­tivämtern ist die Schweiz nicht gemacht. Das zeigt sich immer wieder anhand promi­nen­ter Beispiele – oder wie war das noch mit Bun­desrat Blocher? Daniel Ric muss Platz machen für eine inte­gri­erende Per­sön­lichkeit, welche die tief ges­pal­tene Kirchge­meinde wieder einen kann. Einzig dies dürfte Bewe­gung in die ver­fahrene Sit­u­a­tion brin­gen. Denn: Die Oppo­si­tion gegen Daniel Ric wird nicht ver­s­tum­men. Der Kon­flikt wird bleiben und möglicher­weise weit­er eskalieren. Und so lange das passiert, nimmt der ohne­hin ram­ponierte Ruf der Kirche nur weit­er unnötig Schaden.

Seit bald zwei Jahren ste­ht in Geben­storf und Tur­gi eine Front. Pro­gres­sive und Kon­ser­v­a­tive liegen im Stel­lungskrieg. Immer wieder gibt es Gefechte, aber nie­mand erringt einen entschei­den­den Durch­bruch. Let­zter  Höhep­unkt: Verklei­dete – ganz offen­sichtlich pro­gres­sive Gemein­demit­glieder – demon­stri­erten vor Beginn eines Sam­stags­gottes­di­en­stes (gehal­ten von Pater Adam Ser­afin) pro­voka­tiv gegen die «Insek­ten­plage in unser­er Kirche», wie es in einem erk­lären­den Mail heisst, das die Hor­i­zonte-Redak­tion erhal­ten hat.

Gläubige wollten Daniel Ric und Pater Adam «abpassen»

Einzelne Gläu­bige seien, wie Dor­farzt Bern­hard Hollinger erk­lärt, in ihrer Verzwei­flung bere­its kurz davor gewe­sen, etwas ganz Dummes zu machen. «Zwei Patien­ten haben sich geäussert, dass sie Pater Adam und/oder Her­rn Ric abpassen möcht­en. Ich habe sie beschwichtigt und ihnen davon abger­at­en.» Abgepasst wor­den sind die bei­den dann tat­säch­lich – und zwar gle­ich von ein­er ganzen Gruppe zur Fas­nacht­szeit. Demon­stri­ert wurde gegen sek­tiererische Zustände und Ohn­macht.

Daniel Ric: «Demo ist Kindsmissbrauch und Rassismus!»

Kirchenpflegepräsi­dent Daniel Ric zeigte sich empört angesichts der Aktion. Gegenüber Hor­i­zonte berichtet er in einem Mail, dass Pfar­reiange­hörige ihn gefragt hät­ten, gegen wen diese Aktion gerichtet war und was sie sollte. «Eine Dame schilderte mir, dass sie mit den Kindern gere­det hat, die dabei waren. Als ein Kind die Maske abziehen wollte, kam ein erwach­sen­er Mann mit ein­er Bürste auf sie los, damit sie nicht mehr weit­erre­den kon­nte. Ich schäme mich als Kirchenpflegepräsi­dent mas­siv dafür, dass nach all den Vor­fällen von Kindsmiss­brauch einige Men­schen nichts gel­ernt haben und Kinder weit­er­hin scham­los instru­men­tal­isieren und für ihre Zwecke miss­brauchen.»

Des Weit­eren sieht Daniel Ric die Ras­sis­mus-Strafnorm ver­let­zt. In einem Mail an Hor­i­zonte schreibt er: «Dass beispiel­sweise dunkel­häutige Men­schen, die am Sam­stagabend in der Messe waren, mit ein­er Bürste abge­bürstet wur­den, und man sug­geriert, sie wären Insek­ten, ist beispiel­los und muss für den Organ­isator der Aktion Fol­gen haben.»

Auch die Polizei ist bereits involviert

Auch die Baden­er Polizei hat sich bere­its mit der vergifteten Stim­mung in Geben­storf und Tur­gi beschäfti­gen müssen. Her­mann Blaser, stel­lvertre­tender Kom­man­dant öffentliche Sicher­heit der Stadt Baden erk­lärt gegenüber Hor­i­zonte, dass man noch nicht aktiv gewor­den sei. «Wir sind von Her­rn Ric kon­tak­tiert wor­den und haben Recht­sauskun­ft erteilt. Aktiv wer­den wür­den wir erst auf eine Anzeige hin.» Eine solche sei aber bis jet­zt noch nicht einge­gan­gen.

Die Kon­se­quen­zen für sich bere­its gezo­gen hat Ende Feb­ru­ar Mar­git Klusch. Die Lei­t­erin Kinder­chor und Erwach­se­nen­chor hat gekündigt. «Wo solche Zustände herrschen, da will ich nicht dazuge­hören, da will ich mich nicht mehr engagieren», erk­lärt die Kirchen­musik­erin. Denn das habe mit «Christ sein» über­haupt nichts zu tun.

«Man will mich einschüchtern und weghaben» 

Wegen nicht wahrgenommen­er Infor­ma­tion­spflicht gegenüber der Kirchenpflege hat­te ihr gegenüber deren Präsi­dent, Daniel Ric, eine Ver­war­nung aus­ge­sprochen. In dieser heisst es: «Lei­der müssen wir immer wieder fest­stellen, dass von dein­er Seite her keine Infor­ma­tio­nen an die Kirchenpflege sowie an den Priester mit Pfar­rver­ant­wor­tung fliessen.»

Mar­git Klusch ver­wahrt sich gegen die Vor­würfe und meint: «Pater Adam Ser­afin hat die Jahre­s­pla­nung 2020 im Dezem­ber 2019 bekom­men.» Er habe die Ter­mine darauf ohne Rück­sprache geän­dert und seine Fas­sung mit dem Ver­merk «End­fas­sung» zurück­ge­sendet. Für sie ist klar: Weil sie Missstände offen anspricht, wolle man sie ein­schüchtern und weghaben.

Daniel Ric: Keine Stellungnahme zu den Vorwürfen

Mar­git Klusch glaubt auch, dass Kirchenpflegepräsi­dent Daniel Ric, der mit Pater Adam aus sein­er Zeit als Lehrer an der Freien Katholis­chen Schule in Zürich bekan­nt ist, zu diesem halte und keinen Aufwand scheue, jeden mund­tot zu machen, der etwas gegen den Sal­va­to­ri­an­er­pa­ter sage. Entsprechend habe die Kirchenpflege ihr dann auch die Auflö­sung des Arbeitsver­hält­niss­es ange­dro­ht, «falls sich Frau Klusch weit­er­hin destruk­tiv ver­hält» und auf ihre Kündi­gung post­wen­dend mit Freis­tel­lung reagiert.

Viele befürcht­en nun, nach der Kündi­gung von Mar­git Klusch, das Auseinan­der­brechen des Kirchen­chors. «Eigentlich sollte dieses Jahr das 70-jährige Beste­hen des Chors gefeiert wer­den», bedauert Kirchge­mein­demit­glied Beat Bühlmann. Er ist überzeugt: «Daniel Ric nimmt das bewusst in Kauf.»

Der in der Kri­tik ste­hende Kirchenpflegepräsi­dent ziert sich, zu den Vor­wür­fen Stel­lung zu nehmen. Am Rande eines Gottes­di­en­stes legt er gegenüber Hor­i­zonte zwar seine Sicht der Dinge mündlich dar, wün­scht aber nicht, dass in irgen­dein­er Weise seine Aus­sagen in einem Artikel erscheinen.

«Wenn man krank wird, hat man gesündigt!»

Neben dem Kirchge­mein­de­präsi­den­ten Daniel Ric ist für viele auch Pater Adam, der als mitar­bei­t­en­der Priester amtet, ein rotes Tuch. In seinen Predigten schockt er laut Aus­sagen ver­schieden­er Gemein­demit­glieder immer wieder mit diskri­m­inieren­den Äusserun­gen.

So soll der Sal­va­to­ri­an­er­pa­ter in ein­er Predigt zum Tag der Kranken gesagt haben: «Wenn man krank wird, hat man gesündigt.» Gegenüber Erstkom­mu­nionkindern soll er die Aus­sage gemacht haben, dass nur Katho­liken in den Him­mel kämen. «Das sind zum Teil Ansicht­en, die ich von mein­er Mut­ter kenne, die in einem Kloster in Spanien aufgewach­sen ist», erk­lärt eine Gläu­bige, die nicht namentlich genan­nt wer­den will. «Da schluckt man schon mal leer, wenn man das hört», sagt sie.

Wird der Gemeindeleiter gemobbt?

Nicht nur mit seinen Aus­sagen stösst Pater Adam Ser­afin die aufgeschlosse­nen Chris­ten in Geben­storf und Tur­gi vor den Kopf. «Auss­er an den Gottes­di­en­sten bekom­men wir Pater Adam kaum zu sehen. Eigentlich wis­sen wir nicht, was er macht und wo er wohnt. Sein Auto trägt ein Freiburg­er Kennze­ichen», weiss Hilde Seib­ert von der gut 60-köp­fi­gen Ini­tia­tiv­gruppe, die es sich zum Ziel gemacht hat, die Ent­las­sung von Pater Adam Ser­afin zu erwirken. «Wir haben unhalt­bare Zustände hier», erk­lärt sie gegenüber Hor­i­zonte, und äussert in diesem Zusam­men­hang auch den Vor­wurf, Pater Adam Ser­afin dränge den all­seits beliebten Gemein­deleit­er Peter Daniels an den Rand.

«Pater Adam lässt ihn in seinen Eucharistiefeiern nicht predi­gen», erk­lärt die diplomierte Erwach­se­nen­bild­ner­in und erfol­gre­iche Lei­t­erin der über­re­gion­al bekan­nten öku­menis­chen Erwach­se­nen­bil­dungsrei­he «Podi­um Wasser­schloss», an der schon nation­al bekan­nte Per­sön­lichkeit­en wie Guisep Nay, Oswald Grü­bel, Ueli Mäder oder Ger­hard Pfis­ter debat­tierten. Wieder­holt sei es Peter Daniels deswe­gen schon sehr schlecht gegan­gen – bis hin zu akuten Herzprob­le­men. Auf Nach­frage bei Gemein­deleit­er Peter Daniels will sich dieser gegenüber Hor­i­zonte dazu nicht äussern.

«Zusammenarbeit behindert und Firmreise verschlafen»

In der Zwis­chen­zeit hat Hilde Seib­ert Pater Adam Ser­afin schriftlich mit­geteilt, dass sie mit ihm nicht mehr in der Erwach­se­nen­bil­dungs­gruppe, welche die erwäh­n­ten über­re­gion­al bekan­nten Podi­umsver­anstal­tun­gen durch­führt, zusam­me­nar­beit­en möchte. «Er war stets unvor­bere­it­et, gab keine inhaltlichen Inputs und weigerte sich, Ver­ant­wor­tung auch nur für einen einzi­gen Abend der Podi­umsver­anstal­tun­gen zu übernehmen.»

Die Kla­gen über Pater Adam umfassen aber auch die Jugen­dar­beit und den Reli­gion­sun­ter­richt. «Der Mann ist unzu­ver­läs­sig», so der Vor­wurf ver­schieden­er Per­so­n­en. «Zum Krip­pen­spiel am Heili­ga­bend waren cir­ca 120 Erwach­sene und Kinder gekom­men», erin­nert sich Hilde­gard Deck, Sakris­tanin und Mit­glied des Pfar­reirats. «Adam kam zu spät. Um die Anwe­senden nicht warten zu lassen, haben die Organ­isatoren mit ein wenig Ver­spä­tung ohne ihn begonnen.» Statt Dank dafür hät­ten sie aber nur Vor­würfe von Pater Adam Ser­afin bekom­men wegen «Kom­pe­ten­züber­schre­itung».

Und wie Hor­i­zonte in Erfahrung brin­gen kon­nte, soll Pater Adam Ser­afin sich ver­gan­genen Okto­ber auch zu ein­er Firm­reise nach Rom ver­spätet haben. In der Folge reichte es nicht auf den Flug ab Basel. Pater Adam soll dann einen neuen Flug ab Zürich gebucht haben.

Chaos im Religionsunterricht?

Inakzept­abel ist für viele auch der von Pater Adam geführte Reli­gion­sun­ter­richt. Wie Hor­i­zonte zuge­tra­gen wurde, haben bere­its ver­schiedentlich Eltern ihre Kinder aus dem Unter­richt genom­men – aus unter­schiedlichen Grün­den. Ein Vater fasst gegenüber Hor­i­zonte zusam­men: Die Unter­richt­szeit­en wür­den nicht einge­hal­ten, der Inhalt sei für die Kinder nicht ver­ständlich, die Unter­richt­sat­mo­sphäre chao­tisch und laut. Zudem beschäftige sich die Lehrper­son während des Unter­richts mit dem Mobil­tele­fon.

Eine Mut­ter erzählt: «Meine Tochter Maëlle hat­te im Rah­men des Reli­gion­sun­ter­richts im Früh­ling 2018 einen Ver­söh­nungsweg zu machen. Von Seit­en der Kat­e­chetin, Frau G., hiess es dann, dieser finde in Kom­bi­na­tion mit ein­er Beichte bei Pater Adam Ser­afin statt.» Das Beicht­en vor der Erstkom­mu­nion sei, so die Mut­ter, von Pater Adam wieder einge­führt wor­den, nach­dem man den Ver­söh­nungsweg jahre­lang ohne Beichte prak­tiziert habe.

«Kind zur Beichte genötigt»

«Meine Tochter hat mir gegenüber klar gesagt, dass sie nicht beicht­en wolle», erk­lärt deren Mut­ter. Gle­ich­wohl sei sie von der Kat­e­chetin zu Pater Adam Ser­afin zum Beicht­en geschickt wor­den. Maëlle beteuert, auch dann nochmals erk­lärt zu haben, dies nicht zu wollen. Sie habe sich dann aber in die Sit­u­a­tion gefügt und erk­lärt: «Ich musste wie alle anderen auch das Schuldeingeständ­nis machen. Ich habe ihm gesagt, dass ich lieber sel­ber in der Kirche oben beten möchte. Das hat er (gemeint ist Pater Adam, Anm. d. Red.) aber nicht wirk­lich wahrgenom­men, und ich musste beicht­en.»

Pater Adam Ser­afin war gegenüber Hor­i­zonte nicht bere­it, Fra­gen zu den im Raum ste­hen­den Vor­wür­fen zu beant­worten. Spricht man mit den Kirchge­mein­demit­gliedern, find­en sich dur­chaus auch anerken­nende Stim­men, die Ver­ständ­nis für Pater Adam Ser­afin äussern. Ein Frau aus Bir­men­storf, die im Artikel nicht namentlich genan­nt wer­den will, meint: Pater Adam Ser­fain stamme aus Polen – dort werde der Glaube anders gelebt als hier, und also habe er auch ein ganz anderes Ver­ständ­nis davon, wie man den Glauben ver­mit­tle. «Auch im Reli­gion­sun­ter­richt will er, dass die Kinder den Glauben strenger leben, als wir das gewohnt sind. Diese unter­schiedlichen Kul­turen passen ein­fach nicht», resümiert die Frau, die Pater Ser­afin aber als Seel­sorg­er sehr schätzt und beim Todes­fall in ein­er befre­un­de­ten Fam­i­lie als sehr ein­fühlsamen Seel­sorg­er erlebt hat.

«Das Bistum hat uns im Stich gelassen»

Schuld an der ver­fahrene Sit­u­a­tion seien das Bis­tum und die Kirchenpflege. «Der Fehler liegt bei den Her­ren, die Pater Adam angestellt haben», lässt die Frau ver­laut­en. Und da viele den Kirchenpflegepräsi­den­ten, Daniel Ric, als Teil des Prob­lems betra­cht­en, der ihrer Ansicht nach absichtlich einen kon­ser­v­a­tiv­en, mit ihm gut bekan­nten Seel­sorg­er in Geben­storf-Tur­gi instal­lierte und nun zusam­men mit diesem kom­pro­miss­los ver­suche, seine Vorstel­lun­gen von Glauben­skul­tur durchzuset­zen, fühlen sich viele pro­gres­sive Gläu­bige vom Bis­tum, namentlich vom zuständi­gen Bischofsvikar, Christoph Sterk­man, im Stich gelassen.

«Christoph Sterk­man hat mein Mail, in dem ich ihn ange­fle­ht habe, drin­gend etwas zu tun, unbeant­wortet ste­hen lassen», erk­lärt ein Gemein­demit­glied. «Er hat dieses Mail am 12. Feb­ru­ar, also fünf Tage vor seinen Ferien erhal­ten – und macht sich ein­fach so aus dem Staub. Nicht hin­schauen, Ohren ver­schliessen, nichts sagen.» Auch Hilde Seib­ert meint, auf Christoph Sterk­man ange­sprochen, ent­täusch: «Er hat uns noch an ein­er Sitzung im August ver­sprochen, dass er die Angele­gen­heit bis zu sein­er Pen­sion­ierung im April 2020 vom Tisch haben wolle und nicht seinem Nach­fol­ger übergeben möchte. Bis jet­zt ist nichts passiert. Es ist nur schlim­mer gewor­den. Und das Bis­tum weiss das, wir haben das oft genug kom­mu­niziert – als Ini­tia­tiv­gruppe, aber auch als Einzelper­so­n­en.»

Bistum Basel: «Die Missio kann nicht entzogen werden»

Der ver­ant­wortliche Bischofsvikar meint zur Kri­tik an sein­er Per­son: «Ich habe nichts ver­sprochen, aber gehofft, dass eine Lösung bis zu mein­er Pen­sion­ierung möglich ist.» Weit­er räumt er ein: «Das war eine Fehlein­schätzung.» Christoph Sterk­man nimmt aber für sich in Anspruch, zwei Aussprachen mit ein­er Del­e­ga­tion der Ini­tia­tiv­gruppe und den Seel­sorg­ern organ­isiert zu haben. «Auch habe ich mich mehrmals mit den Seel­sorg­ern zu dritt oder auch zu zweit besprochen.» Weit­er sei ein Coach­ing zur Verbesserung der Zusam­me­nar­beit unter den Seel­sorg­ern let­zten Som­mer ver­an­lasst wor­den. «Der Kon­flikt ist schwierig und vielschichtig und nicht ein­fach zu lösen», resümiert er. «Den Bischof und die wichtig­sten Ver­ant­wortlichen sind durch mich auf dem Laufend­en gehal­ten wor­den.»

Bischof Felix Gmür ist der­weil selb­st schon von der Ini­tia­tiv­gruppe schriftlich ange­gan­gen wor­den – in der Hoff­nung, der Bischof möge Pater Adam Ser­afin die Mis­sio entziehen. Auf Nach­frage erk­lärt Han­srue­di Huber, Kom­mu­nika­tionsver­ant­wortlich­er beim Bis­tum: «Eine Mis­sio kann nicht ent­zo­gen wer­den, wenn Uneinigkeit darin beste­ht, wie die römisch-katholis­che Pas­toral zu vol­lziehen ist. In einem solchen Fall muss zwis­chen den stre­i­t­en­den Parteien eine Kon­flik­tlö­sung gefun­den wer­den – falls nötig, mit extern­er Hil­fe.» Der Hor­i­zonte-Redak­tion ist allerd­ings bekan­nt, dass bei ein­er Straftat die Mis­sio ent­zo­gen wer­den kann.  Eine solche liegt im aktuellen Fall allerd­ings nicht vor.

Und sowieso bedeute der Entzug der Mis­sio nicht automa­tisch die Verpflich­tung, dass eine Anstel­lungs­be­hörde den Seel­sorg­er aus dem Anstel­lungsver­hält­nis ent­lassen müsse. Aber der Bischof könne schon reagieren, «wenn er über Machen­schaften schriftlich informiert wird, und wenn er gegenüber Pater Adam den Namen der Beschw­erde­führer nen­nen darf.» «Aber genau das haben wir mehrfach gemacht», wehrt sich Hilde Seib­ert. Wir haben die Prob­leme geschildert – mit Namen.»

Birmenstorf will aus Seelsorgeverband austreten

Auch in Bir­men­storf, das sich mit Geben­storf und Tur­gi in einem Ver­band (und kün­ftig – so wäre es angedacht in einem Pas­toral­raum) das Seel­sorgeper­son­al teilt, hat man Prob­leme. Ruth Ripp­stein, Präsi­den­ten der Kirchenpflege, erk­lärt gegenüber Hor­i­zonte, dass die Kirchenpflege bere­its darüber nachgedacht hat, sich von Geben­storf-Tur­gi zu dis­tanzieren, allen­falls eine Tren­nung zu prüfen.

Andreas C. Müller
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