Hören

Hören

Foto: Anas­tasiya Badun auf Unsplash

Ich sitze im Büro, die Fen­ster weit offen. Geräusche kom­men zu mir here­in, ich höre Vögel zwitsch­ern, Bäume rascheln, eine Mas­chine brum­men, Autos vor­beirauschen. Ich höre meinen Atem fliessen und mein Herz klopfen. Ich frage mich, was ich in diesen Tagen gerne höre. Den Mix von Som­merg­eräuschen am Rhein, den Wind am Abend eines heis­sen Tages, die Stille in unser­er Kirche, schöne Strassen­musik, liebevolle Worte (die höre ich eigentlich immer gerne), … Und Sie, was hören Sie gerne?

Am 11. Juli ist der Gedenk­tag des Heili­gen Benedikt von Nur­sia (480–574). Weltweit leben Ordensleute nach der von ihm ver­fassten Regel, und sie inspiri­ert über die Klöster hin­aus auch viele andere Men­schen im geistlichen Leben. “Hören” ist das erste Wort der Benedik­t­sregel: “Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meis­ters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zus­pruch des güti­gen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat!” Das lateinis­che Worts “aus­cultare”, das an dieser Stelle ver­wen­det wird, bedeutet mehr als nur akustis­ches Hören: “aufmerk­sam zuhören”, “lauschen”, “gehorchen”. Benedikt gebraucht auch das Bild vom Ohr des Herzens. In der Bibel ist das Herz nicht nur der Ort der Emo­tio­nen, son­dern die ganzheitliche Mitte des Men­schen mit seinem Denken, Urteilen und Wollen. Für Benedikt ist “Hören” eine grundle­gende spir­ituelle Hal­tung und wesentliche Voraus­set­zung fürs Tun.

Wie und wo wir Men­schen Gottes Stimme hören, ist ganz ver­schieden. Wie und wo wir sie vernehmen, wis­sen wir nicht schon vorher. Gott sei Dank ist das so. Was wir tun kön­nen: Offen für sie sein. Damit rech­nen, dass wir sie hören kön­nten. Uns je neu bewusst machen, dass wir immer und über­all in Gottes Gegen­wart sind. Unsere eige­nen Wege find­en, die für unser Hören hil­fre­ich sind: Das kön­nen Stille, Med­i­ta­tion, Gebet oder Lesen in der Bibel sein. Unter­wegs­sein in der Natur, zu Fuss, schwim­mend, auf dem Velo. Oder ganz andere Wege. Wach dafür sein, dass Gott sich mit­ten­drin in allem, was wir erleben, hör­bar machen kann: in Gesprächen mit anderen Men­schen, in Träu­men, bei lang­weili­gen Arbeit­en, im Kino, …

Es gibt ein schönes Lied der Gruppe Ruhama: “Schenke mir, Gott, ein hören­des Herz, das seinen Ohren traut in dieser Welt. Schenke mir, Gott, ein Herz, das lebt und schlägt, das für das Leben schlägt.” (Text: Thomas Laubach / Musik: Thomas Quast) Wenn Sie es sich anhören möcht­en, find­en Sie es auf Youtube oder Spo­ti­fy.

Vielle­icht ist die Som­mer­fe­rien­zeit eine gute Möglichkeit, uns neu im Hören zu üben. Auf Geräusche, die durchs Fen­ster zu uns hereinkom­men. Auf Töne, für die wir son­st nicht so aufmerk­sam sind. Auf unsere innere Stimme, die Stimme unseres Herzens. Auf Gott.

Hei­drun Döh­ling

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