
Fünf Fragen
Murielle Kaufmann wohnhaft im Holderstock, Sins, ist Lektorin und beantwortet uns folgende fünf Fragen.
Welche Dinge halten dich davon ab, die Dinge zu tun, welche du wirklich tun solltest?
Bei grossen Dingen und Entscheidungen sicherlich Ängste. Vor allem die Angst davor, dass etwas schief gehen könnte. Es spielen sich dann hunderte Möglichkeiten in meinem Kopf ab, was eventuell möglicherweise passieren könnte, meistens ist das erfolgreiche Absolvieren keine davon. Vielleicht ist auch das das Problem. Vielleicht sollte die erste Möglichkeit die erfolgreiche sein? Und vielleicht ist das Scheitern gar nicht so schlimm, wie ich es mir vorstelle?
Was macht einen guten Freund, eine gute Freundin aus?
Jemand, der da ist – nicht immer präsent, aber auf den*die ich immer vertrauen kann. Jemand, den ich auch nach Wochen ohne Kontakt noch anrufen kann und weiss, die Person wird abnehmen oder zurückrufen. Jemand, der zuhört, wenn ich ein Mitteilungsbedürfnis habe und bei Bedarf seine Perspektive teilt. Jemand, der sich für meine Ideen und Träume interessiert und sie unterstützt. Jemand, der sich ehrlich für meine Person interessiert, nicht für mein Erscheinungsbild.
Was bedeutet wahre Grösse für dich?
Ehrlich verzeihen können. Anderen Personen ehrlich zu verzeihen ist sicher keine einfache Aufgabe, aber für sich und Personen denen wir später im Leben begegnen enorm wichtig. Verzeihung und Verständnis bewahrt uns davon hart und verbittert zu werden, damit wir Menschen weiterhin empathisch gegenübertreten können. Kein Mensch soll das Tragen müssen, was andere uns zugefügt haben.
Welchen Menschen bewunderst du?
Dieses Jahr hat mich vor allem meine Gastmutter aus England geprägt. Sie hat mich scheinbar mühelos in ihr Leben aufgenommen mit dem Wissen, dass ich nur vier Wochen bleibe. Mir niemals das Gefühl gegeben fehl am Platz oder zu viel zu sein, auch wenn das Tages Resümee mit ihrem Kochen zusammen fiel oder mein Zimmer chaotischer war als ihr lieb war. Sie hat mir Mut gemacht alles zu versuchen. Hat sich für mich gefreut, wenn’s geklappt hat und wenn nicht, dann war sie da, mit noch mehr Verständnis. Diese Offenheit und Liebe die sie mir von Beginn an gezeigt hat, ohne mich zu kennen, bewundere ich zutiefst.
Was macht dir Freude oder Mühe in der Kirche?
Freude macht mir vor allem die Gemeinschaft, die Zugehörigkeit. Mühe machen mir vor allem die patriarchalen Strukturen, die nach wie vor das Leben der katholischen Kirche stark prägen. Im Religionsunterricht wurde nie einen Unterschied zwischen Mädchen und Jungs gemacht – alle waren Kinder Gottes. Aber warum machen Menschen denn einen Unterschied? Warum haben Frauen und Männer nicht dieselben Möglichkeiten?
