
Sommerreihe: Erschöpfung – Schöpfung – Erschaffen
Im ersten Teil unserer Sommerreihe geht es ums Erschöpftsein und unsere Handlungsmöglichkeiten, wenn die Kräfte schwinden.
Der Sommer lädt zum Aufatmen ein. Und doch kennen viele von uns auch das Gegenteil: Müdigkeit, innere Leere, Erschöpfung.
Erschöpfung hat viele Gesichter. Manchmal ist sie körperlich spürbar – nach intensiven Monaten, nach Anforderungen im Beruf, in der Familie oder im Ehrenamt. Manchmal ist sie leiser: eine innere Müdigkeit, die sich kaum erklären lässt. Alles läuft weiter – und doch fehlt die Kraft.
Auch die Bibel kennt diese Erfahrung. Im Psalm 23 heisst es: «Er stillt mein Verlangen. Er leitet mich auf rechten Pfaden.»
Diese Worte entstehen nicht aus einem sorgenfreien Leben, sondern aus der Erfahrung: Ich bin unterwegs – und ich brauche Wegweisung und neue Kraft.
Vielleicht ist es wichtig, uns das einzugestehen: Erschöpfung gehört zum Leben. Sie ist kein Zeichen des Scheiterns, sondern ein Signal. Ein Hinweis darauf, dass wir nicht aus uns selbst heraus unerschöpflich sind.
Der Sommer kann eine Einladung sein, dieser Müdigkeit Raum zu geben – nicht, um darin stecken zu bleiben, sondern um ehrlich hinzuschauen:
Was hat mich so müde gemacht?
Wo habe ich mich verausgabt?
Was fehlt mir?
Gott begegnet uns nicht erst dort, wo wir stark sind. Er geht mit uns – auch auf den Wegen, die uns Kraft kosten.
Anna Di Paolo, Pfarreiseelsorgerin

