
Durchatmen
Wir wissen nicht erst seit der Coronapandemie und der mit ihr verbundenen Maskenpflicht, wie wohltuend und erfrischend ein kräftiges Durchatmen sein kann. Die Lungen mit frischer Luft möglichst tief füllen und kräftig ausatmen. Doch die Pandemie hat uns neu daran erinnert, dass Atmen und besonders Durchatmen nicht selbstverständlich sind.
Vor diesem Hintergrund fällt es auch leichter, „Durchatmen“ als Metapher zu verstehen: Neues Leben zu tanken, verbrauchtes loszulassen. Etwa so notwendig wie das Atmen. Nie beginnen, aufzuhören und nie aufhören, etwas zu beginnen. Keine Überforderung, sondern Einladung.
Das Atmen ist noch für etwas anderes eine Metapher: für das Gebet. Schon Martin Luther wusste: „Man kann kein Christ sein, ohne zu beten, so wenig wie man lebendig sein kann, ohne zu atmen.“ Die Liebe und Gnade Gottes tief in mich aufnehmen, mich von ihr beleben und erfrischen lassen, all meine Ängste, mein Versagen und meine Schuld rauslassen. „Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist, wirke in uns, Heiliger Geist. Atem Gottes komm!“, heißt es in einem modernen Kirchenlied.
Und es war der Lebensatem Gottes, der Adam belebte: „So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.“ (Genesis 2,7b).
