
Die Feier der Eucharistie
Brechen und Teilen des Brotes in einer Welt millionenfachen Hungertodes
In der Eucharistie wird Brot gebrochen, ausgeteilt und gegessen. Das erinnert an Jesu Reich-Gottes-Praxis, das vorhandene Brot ohne monetäre Vermittlung zu teilen, damit alle satt werden (vgl. Mk 6,35–44); an das Gleichnis vom reichen Kornbauern, dessen Hortungs- und Bereicherungsabsicht tödlich endet (vgl. Lk 12,13–21); an Jesu Abschiedsmahl (vgl. Mk 14,22–25) und daran, dass er im Brechen des Brotes erkannt wurde (vgl. Lk 24,30). Brot wird geteilt in einer Welt, in der immer mehr Menschen immer weniger und immer weniger immer mehr haben und in der ein millionenfacher Hungertod in Erfüllung der Marktgesetze in Kauf genommen wird. Das Teilen des Brotes in der Eucharistie verpflichtet die Feiernden, für Reich-Gottes-verträgliche Verhältnisse einzutreten. In diesen muss niemand ums tägliche Brot bangen und erhalten alle das an materiellen Gütern und finanziellen Mitteln, was zu einem Leben in Würde und Fülle erforderlich ist.
Bekenntnis der gleichen Würde aller Menschen in einer Welt zunehmender Abwertungen
In der Eucharistie wird die gleiche Würde aller Menschen vor Gott bekannt, wenn dieser wie als Vater oder wie als Mutter angesprochen wird, so dass alle Menschen wie gleichberechtigte Geschwister sind. Dies erinnert an Jesu anstössige Tischgemeinschaft mit Zöllnern und Sündern (vgl. Lk 5,29 f.) und an das Reich-Gottes-Gleichnis vom Festmahl offener Tischgemeinschaft, von der niemand ausgeschlossen und in der niemand abgewertet wird (vgl. Lk 14,15–24). Das Bekenntnis der gleichen Würde aller Menschen geschieht in einer Welt, in der die Ungleichheiten und Diskriminierungen aufgrund ethnischer, sozialer, sexueller, kultureller oder religiöser Kriterien immer grösser werden und eine sich verschärfende Inklusions-Exklusionsdynamik die Gesellschaft spaltet und ganze Bevölkerungsteile ausschliesst. Das Bekenntnis der gleichen Würde aller in der Eucharistie verpflichtet die Feiernden, für Reich-Gottes-verträgliche Verhältnisse einzutreten. Von diesen ist niemand ausgeschlossen, in ihnen wird niemand verachtet und erhalten alle das an menschlicher Zuwendung, sozialer Anerkennung und vorbehaltloser Vergebung, was zu einem Leben in Würde und Fülle erforderlich ist.
Gedächtnis des gekreuzigt-auferstandenen Jesus Christus in einer Welt der Erfolgreichen
In der Eucharistie wird das Gedächtnis des gekreuzigt-auferstandenen Jesus Christus gefeiert. Dies erinnert an den Osterglauben der Jüngerinnen und Jünger, die sich trotz des Scheiterns Jesu am Kreuz auf dessen Nachfolge einliessen und darauf vertrauten, dass all das, was er heilend und befreiend im Sinne des Reiches Gottes bezeugt hat, sinnvoll ist, obwohl es Fragment geblieben ist. Das Bekenntnis zu einem Gescheiterten geschieht in einer Welt, die sich am Recht der Starken und Erfolgreichen orientiert, in der der Erfolg Kriterium dafür ist, wofür es lohnt, sich einzusetzen und die vorgibt, das Leben gewinnen zu können durch Haben und Mehren von Besitz, Macht und Ansehen. Das Bekenntnis zum gekreuzigt-auferstandenen Jesus Christus verpflichtet die Feiernden, für Reich-Gottes-verträgliche Verhältnisse einzutreten. In diesen tritt nichts und niemand an die Stelle Gottes, gilt das Grundgesetz der Einheit von Gottes- und Nächstenliebe und ist über alle weltanschaulichen Grenzen hinweg sinnvoll, was der Aufhebung von Leiden dient, so vorläufig und bruchstückhaft das auch bleibt.
Nehmen Sie teil am öffentlichen Themenabend «Ist Eucharistie noch zeitgemäss?» mit Urs Eigenmann am Donnerstag, 21. Mai, 19 Uhr im Pfarreizentrum Schöftland.
Text: Urs Eigenmann, auf Einladung von Peter Bernd, Pastoralraum-Priester
