Christi Himmelfahrt: Hoffnung für das Leben im Hier und Jetzt

Christi Him­melfahrt wird oft leicht missver­standen. Viele verbinden das Fest vor allem mit dem Weg­gang Jesu – mit einem Abschied also. Nach Ostern ist er seinen Jüngern noch begeg­net, nun aber kehrt er zum Vater zurück. So erzählen es das Luka­se­van­geli­um und die Apos­telgeschichte. Gefeiert wird Christi Him­melfahrt vierzig Tage nach Ostern. Aber das Fest will nicht ein­fach dazu anre­gen in den Him­mel zu schauen. Es lenkt den Blick vielmehr auf das Leben hier auf der Erde – auf unseren All­t­ag und auf die Hoff­nung aus der Chris­ten leben.

Denn Him­melfahrt bedeutet nicht, dass Jesus irgend­wo weit weg ver­schwun­den wäre. Gemeint ist vielmehr: Er ist bei Gott. Er ist der Welt nicht ent­zo­gen, son­dern auf neue Weise gegen­wär­tig. Er ist nicht mehr an einen bes­timmten Ort gebun­den und nicht nur weni­gen Men­schen zu ein­er bes­timmten Zeit nahe. Darin liegt bis heute eine wichtige Botschaft: Gott ist nicht nur in beson­deren Momenten da, nicht nur im Gottes­di­enst oder im Gebet, son­dern mit­ten im Leben – in Freude und Erschöp­fung, in Unsicher­heit, Ver­ant­wor­tung und neuen Anfän­gen.

Genau hier liegt die Kraft dieses Festes. Christi Him­melfahrt macht deut­lich, dass das Men­sch­sein selb­st einen Platz bei Gott hat. In Jesus wird nicht nur Gott sicht­bar, son­dern auch die Würde des Men­schen. Unser Leben mit allem, was dazuge­hört – mit sein­er Ver­let­zlichkeit, sein­er Kör­per­lichkeit, sein­er Geschichte – ist nicht unbe­deu­tend. Es ist von Gott angenom­men. Für viele Men­schen in ein­er Zeit voller Leis­tungs­druck, Krisen und Zukun­ftssor­gen ist das eine starke und ent­las­tende Botschaft. Sie erin­nert daran, dass der Wert eines Men­schen nicht davon abhängt, wie erfol­gre­ich, schnell oder anerkan­nt er ist.

Zugle­ich ist Christi Him­melfahrt kein Fest der Welt­flucht. Die Jünger wer­den in der bib­lis­chen Erzäh­lung nicht dazu aufge­fordert, ste­hen zu bleiben und nach oben zu schauen. Sie wer­den zurück ins Leben geschickt. Wer auf Chris­tus ver­traut, soll nicht pas­siv wer­den, son­dern Ver­ant­wor­tung übernehmen – für andere Men­schen, für Gerechtigkeit, für ein barmherziges Miteinan­der. Die Hoff­nung des Glaubens führt nicht aus der Welt her­aus, son­dern tiefer in sie hinein.

Vielle­icht liegt genau darin die bleibende Kraft dieses Festes. Christi Him­melfahrt erin­nert daran, dass unser Leben mehr ist als das, was uns täglich unter Druck set­zt. Nicht alles muss sich im Hier und Jet­zt erfüllen. Nicht alles hängt an dem, was wir schaf­fen oder kon­trol­lieren kön­nen. Chris­tus ist nicht weg – er ist uns voraus. Das gibt dem Leben Rich­tung. Und es kann helfen, anders zu leben: mit mehr Ver­trauen, mit mehr Hoff­nung und mit dem Mut, im All­t­ag mit Gottes Gegen­wart zu rech­nen.

Mar­co Heinz­er, Diakon

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